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Hannover Autoknacker-Bande sucht Süden von Hannover heim
Nachrichten Hannover Autoknacker-Bande sucht Süden von Hannover heim
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00:17 25.11.2017
Autoaufbrecher in Waldhausen Quelle: privat
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Hannover

 Eine Bande von Autoaufbrechern ist derzeit auf Beutezug in den Stadtteilen Waldhausen und Südstadt unterwegs. Die Autoaufbrecher haben es offenbar ganz gezielt auf BMWs und die Lenkräder der Fahrzeuge abgesehen. Wie die Polizei auf HAZ-Anfrage bestätigt, wurden in der Zeit vom 16. bis 20. November insgesamt zwölf Fahrzeuge aufgebrochen und Teile der Autos entwendet. 

Die Täter gehen dabei offenbar immer auf die gleiche Weise vor. Sie zerschlagen ein Fenster der Fahrzeuge – oft das hintere rechte Dreiecksfenster – und verschaffen sich so Zutritt. Dann bauen sie die Lenkräder samt Airbagsystemen aus. In einigen wenigen Fällen nahmen sie auch andere Teile des Wagen, zum Beispiel ein Navigationsgerät, mit.

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Einbruch in Autos Brandesstraße Quelle: Clemens Heidrich

Den Fall hat die Ermittlungsgruppe KfZ der Polizeidirektion übernommen. Das 17-köpfige Team bearbeitet seit Dezember des vergangenen Jahres alle Autodiebstähle und Autoaufbrüche in Stadt und Umland an einer zentralen Stelle. Die Zahl der Autodiebstähle hat sich im ersten Halbjahr 2017 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 fast halbiert. Leicht angestiegen ist dagegen die Zahl der Autoaufbrüche. 924 Fälle beschäftigten die Polizei im ersten Halbjahr 2016. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es nach Behördenangaben einige Fälle mehr. Die genaue Zahl möchte die Polizeidirektion nicht öffentlich kommunizieren.

So schützen Sie sich 

 Grundsätzlich gilt: Es ist alles ist gut, was dazu dient, den Tätern die für den Einbruch benötigte Zeit zu verlängern. 

 Schutzfolie: Autodiebe schlagen meist die hintere Dreiecksscheibe des Wagens ein. Die Polizei rät, diese Fenster mit Autoglas-Schutzfolie zu bekleben. Die Folie verhindert zwar nicht, dass das Glas zerstört werden kann, verzögert das Eindringen ins Fahrzeug aber deutlich.

  Funkschlüssel-Etui: Profidiebe können die Daten moderner Funkschlüssel (Keyless-Go-System) ausspionieren – sogar dann, wenn diese nicht in Benutzung sind. Besondere Schutzetuis verhindern das. Sie kosten zwischen 10 und 20 Euro.

  Alarmanlagen: Die Behörde rät zudem zum Einbau von Alarmanlagen in die Autos – egal ob mit optischem oder akustischem Warnsignal. Sie schrecken Täter ab, und Zeugen werden leichter aufmerksam und können später Hinweise liefern. tm 

„Ich schlafe seitdem sehr schlecht, denn das Schlafzimmer geht direkt zur der Straße raus, wo die Tat passiert ist“, sagt einer der Geschädigten der Bande aus Waldhausen im Gespräch mit der HAZ. Aus Angst vor den Autoaufbrechern will er seinen Namen nicht öffentlich machen. Sein BMW wurde in der Nacht zu Sonntag aufgebrochen. Die Täter nahmen das Sportlenkrad des Wagens und das Steuergerät mit. 

„Gewundert habe ich mich aber über das Verhalten der Polizei“, sagt der Geschädigte. Die Beamten hätten vor Ort nur den Schaden geschätzt und aufgenommen und seien nach fünf bis zehn Minuten wieder verschwunden gewesen – ohne Spurensuche und der Untersuchung des Wagens etwa nach Fingerabdrücken der Täter. Selbst ein langes, blondes Haar, das gut sichtbar mitten auf dem ölverschmierten Loch des Cockpits, in dem einmal das Lenkrad gesteckt hatte, zu sehen gewesen sei, hätten die Beamten nicht beachtet. „Das Haar kann nicht von mir stammen, weil ich kurze Haare habe. Es kann auch nicht von meiner Freundin stammen, die das Auto auch fährt, weil sie keine blonden Haare hat – also müsste man doch überprüfen, ob das Haar nicht von einem der Täter stammen könnte“, sagt der Geschädigte.

Einbruch in Autos Brandesstraße Quelle: Clemens Heidrich

Aus Sicht der Polizei entspricht das Vorgehend der Beamten im Fall aus Waldhausen den Absprachen. „Grundsätzlich ist es aber so, dass nicht jede Tat von einem Beamten der Ermittlungsgruppe aufgenommen werden kann – dazu sind es einfach zu viele“, sagt Polizeisprecherin Wiebke Weitemeier. Die Kollegen des Einsatz- und Streifendienstes seien dafür verantwortlich, Autoaufbrüche und Autodiebstähe aufzunehmen. „Sie entscheiden vor Ort, welche Spuren relevant sind und welche nicht“, sagt Weitemeier.

Der Geschädigte aus Waldhausen will das so nicht auf sich sitzen lassen. „Wir überlegen gerade mit Anwohnern und anderen Opfern, ob wir nochmal das Gespräch mit der Polizei suchen“, sagt er. Das lange, blonde Haar hat er vorsichtshalber aufgehoben und fein säuberlich in einer Plastiktüte verpackt. „Vielleicht ist es ja doch noch irgendwann von Interesse“, sagt er.

Von Tobias Morchner

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