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Hannover Bei „Jugend musiziert“ geben Kinder den Ton an
Nachrichten Hannover Bei „Jugend musiziert“ geben Kinder den Ton an
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15:13 24.01.2015
Von Sonja Fröhlich
Man muss aufeinander hören: Leonie (10, Klavier) und Smilla (8, Violine) treten am Sonntag als Duo auf. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Nicht die Eltern, sondern die Kinder sind in diesem Duo die treibende Kraft. „Meine Tochter hat mit vier Jahren auf einmal gesagt, sie möchte Geige spielen“, erzählt Wiebke Ritscher-Hildebrandt, „das fand ich toll, und da ging für mich auch ein eigener Kindheitstraum in Erfüllung.“ Denn die Mutter wollte selbst als Kind immer Geige spielen lernen, geklappt hat es aber nie, stattdessen spielte sie später Klavier. Ihre Tochter Smilla hätte sie nie zu einem Instrument gedrängt, sagt sie: „Das Wichtigste ist, dass Smilla Spaß hat“, findet die Mutter. Dass dies nun auch noch einfach so zum Lieblingsinstrument der Mutter geführt hat, sei um so schöner.

Auch Leonie Straube hat ihre Eltern selbst überzeugt, sie ein Instrument lernen zu lassen. „Wir sind eher unmusikalisch“, sagt Mutter Kerstin Straube. Mit sieben Jahren wünschte sich Leonie ein Keyboard. Mittlerweile spielt die Viertklässlerin Klavier. „Da kann man richtig in die Tasten hauen, ohne Angst zu haben, dass sie kaputtgehen.“ Heute feiert Leonie ihren 10. Geburtstag, morgen tritt sie mit Smilla beim Regionalentscheid „Jugend musiziert“ auf. Ob sie dabei einen der vorderen Plätze belegen oder nicht, sei nicht so wichtig, sagen ihre Mütter. „Hauptsache, sie kommen mit einem guten Gefühl von der Bühne und sind mit sich selbst zufrieden“, schiebt Kerstin Straube hinterher.

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Nachwuchsmusiker über täglich

Seit dem Herbst sind Leonie und Smilla ein Duo, seit kurz vor Weihnachten üben sie besonders intensiv. „Jeden Tag eine Dreiviertelstunde“, sagt Leonie. Und das tun sie freiwillig. „Ich muss eher bremsen“, sagt Wiebke Ritscher-Hildebrandt. „Morgens um sieben wollen unsere Nachbarn schließlich noch nicht unbedingt Geige hören.“

„Am liebsten was Schnelles“, antworten beide Grundschülerinnen wie aus der Pistole geschossen auf die Frage nach ihrer Lieblingsmusik. Und sie verbindet noch mehr als das. „Wir verstehen uns gut“, sagt Smilla, die auf die Glockseeschule geht. Demnächst wollen sich die Mädchen mal treffen und zusammen schwimmen gehen, neben der Musik haben sie noch viele andere Hobbies. Leonie, die die katholische Kardinal-Bertram-Schule in Döhren besucht, spielt Fußball, Smilla singt im Kinderwaldchor und tanzt Hip-Hop. Am Zusammenspiel gefällt ihnen, „dass man aufeinander hören muss“.

Knapp 100 Kinder treten am Sonntag beim Regionalentscheid „Jugend musiziert“ an. Ob Klavier, Mandoline, Geige oder Horn - sie alle eint die Liebe zur Musik. „Heute ist es nicht mehr unbedingt üblich, ein Instrument zu lernen“, sagt Bernd-Christian Schulze, Vorsitzender des Regionalausschusses „Jugend musiziert“ Hannover. Wer Klavier oder Geige spiele, müsse beharrlich bleiben. Dies sei auch ein Training fürs Leben. „Bei uns spielen nicht nur die Superasse“, sagt er, „sondern auch die, die einfach nur Freude an der Musik haben.“

Das eigene Abschneiden sei da nicht immer das Entscheidende, es gehe auch darum, Gleichaltrigen zuzuhören. Natürlich sind auch die „Superasse“ unter den vorspielenden Kindern. So wie der 15-jährige Raúl. Der in Italien geborene Sohn einer Opernsängerin hat schon bei diversen ,,Jugend musiziert“-Wettbewerben teilgenommen, beim Bundesentscheid wurde er als Hornsolist sogar schon Zweiter. Er nimmt am Frühförderprogramm der Musikhochschule teil. „Musik ist kein Hobby mehr“, sagt er, „das ist schon viel mehr.“ Es ist auch sein Berufswunsch. In einem Orchester möchte er gern spielen, als Teil des großen Ganzen und als Solist. Sein Berufswunsch steht schon fest: „Ich möchte Musiker werden“, sagt er.

Bei Leonie und Smilla ist die Zukunft noch unklarer: „Irgendwas mit Mathe wäre auch gut“, sagt Ältere. Warum sie ein Instrument spielen? „Natürlich, weil es Spaß macht“, sagt Leonie. „Und weil es den Geist fordert“, meint Smilla. Mutter Wiebke Ritscher-Hildebrandt guckt ein wenig ungläubig.

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