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Hannover Psychiatrie streicht Sextäter die Hafterleichterungen
Nachrichten Hannover Psychiatrie streicht Sextäter die Hafterleichterungen
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18:31 17.10.2019
Aus der Psychiatrie des Maßregelvollzugszentrums in Moringen sollte der Täter im Januar entlassen werden. Quelle: dpa
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Hannover

Zweieinhalb Monate noch sollte ein 52-jähriger Mann, verurteilter Vergewaltiger, in der Psychiatrie in Moringen (Kreis Northeim) einsitzen und dann nach insgesamt 14 Jahren Haft und Maßregelvollzug auf freien Fuß kommen. Am Sonntag hat er offensichtlich seinen Status als Freigänger dazu benutzt, nach Hannover zu fahren, und dort drei Kindern auf einem Spielplatz in Bemerode Pornobilder gezeigt. Er soll ihnen Geschlechtsverkehr versprochen und versucht haben, sie in sein Auto zu locken. Das richtige Verhalten der Kinder und das Auftauchen der Eltern verhinderte womöglich Schlimmeres.

Fachleute bescheinigten Therapieerfolge

Der Mann hatte im Jahr 2005 zwei Frauen vergewaltigt, ihm wurden damals erhebliche psychische Defekte und sexuelle Gewaltfantasien bescheinigt. Er saß dann in Moringen im Maßregelvollzug. Zuletzt haben die Fachleute dort entschieden, dass Therapien anschlagen. Der 52-Jährige erhielt entsprechende Lockerungen wie die Erlaubnis zum Probewohnen und durfte außerhalb des Vollzugs arbeiten. Weder das noch die Aussicht auf Freiheit hielten ihn von der Fahrt nach Bemerode ab.

Dass die Gutachter in Moringen leichtfertig gehandelt haben, glaubt Prof. Tillmann Krüger nicht. Er ist Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und leitet dort zwei Präventionsprojekte – eines zur Verhinderung von sexuellem Kindesmissbrauch und eines zur Verhinderung von sexueller Gewalt gegen Frauen.

„Keine hundertprozentige Sicherheit“

„In der forensischen Therapie wird sehr sorgsam und gewissenhaft gearbeitet“, betont Krüger. Bevor wegen Sexualdelikten einsitzende Häftlinge Lockerungen erhielten, würden ausführliche Gutachten erstellt. Entsprechende Entscheidungen machten sich die Fachleute nicht leicht.

„Es gibt aber keine hundertprozentige Sicherheit, auch dann nicht, wenn jemand 14 Jahre keine Auffälligkeiten zeigt“, erklärt Krüger. Man wisse nicht, was in der Psyche eines Menschen passieren kann, auch wenn dieser sich vorher kontrolliert habe. Beispielsweise könnten ein unvermittelt auftretender starker Sexualdrang oder eine erlittene Kränkung Auslöser für eine Straftat sein.

Lob für das Verhalten der Kinder

Ausdrücklich lobt der Professor im Bemeroder Fall das Verhalten der Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren. Sie hatten den Mann zurückgewiesen und angeschrien. „Es ist sehr wichtig, dass Kinder frühzeitig in der Schule auf solche Situationen vorbereitet und sensibilisiert werden“, betont Krüger.

Nach Angaben des niedersächsischen Sozialministeriums ist der 52-Jährige vor jeder Vollzugslockerung in diversen Gruppen geprüft worden, darunter auch von externen Gutachtern. Die Ergebnisse wurden außerdem einem juristischen Kompetenzteam zur Bewertung vorgelegt. Bei der Entscheidung über den Freigang habe außerdem ein Prognoseteam mitgewirkt.

Justizbehörden entscheiden über weiteres Vorgehen

Nach dem Bemeroder Vorfall, bei dem die Polizei den Mann durch das Autokennzeichen ermitteln konnte, sind alle Vollzugserleichterungen ausgesetzt. Der Täter ist wieder in der geschlossenen Abteilung in Moringen untergebracht. „Über das weitere Vorgehen müssen jetzt die Justizbehörden entscheiden“, teilt das Sozialministerium mit. Wichtig sei, dass der Fall und die weiteren Umstände nun aufgeklärt werden. In strafrechtlicher Hinsicht sei der Mann bisher nicht wegen pädophiler Neigungen aufgefallen.

Von Bernd Haase

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