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Hannover Die guten Stuben
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00:15 27.12.2017
Besucher in der Stube der Diakonie. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

 Es ist 14.45 Uhr und damit noch eine Viertelstunde Zeit, bis die Weihnachtsstube des Diakonischen Werks in der Burgstraße öffnet. Trotzdem hat sich schon eine Menschentraube vor dem Eingang gebildet, und zwar dichtgedrängt direkt vor der noch geschlossenen Glastür. Man könnte meinen, die Besucher hätten Angst, dass die besten Plätze schnell vergeben sind.

In der Schlichtheit liegt das Heimelige

Es gibt keine besten Plätze. Es gibt Resopaltische, so gestellt, dass der Raum gut gefüllt ist, aber keine drangvolle Enge herrscht. Auf den Tischen stehen Teller mit Mandarinen, Plätzchen und Schokoladenstückchen. Dazwischen aufgefaltete Servietten mit weihnachtlichen Motiven, nicht zu viele Tannenzweige. Vor dem Fenster steht ein  Weihnachtsbaum, nicht überladen, aber auf keinen Fall trostlos. Es ist nicht so, wie sich viele das eigene Wohnzimmer am Heiligabend ausstaffieren würden, es fehlt jedes Überbordene. Und genau in dieser Schlichtheit liegt das Heimelige. „Wir sind nah dran am Original der  Weihnachtsgeschichte. Wir geben den Menschen für ein paar Stunden eine Herberge“, sagt Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes.

Die Weihnachtsstuben stehen prinzipiell allen offen, den Armen und den Reichen. Die in der Burgstraße hat Platz für etwas mehr als 100 Gäste, damit ist sie die größte in Hannover. Hierher kommen zumeist Menschen, die obdachlos sind, bei denen das Geld hinten nicht reicht und vorne auch nicht. Und es kommen die, die an einem Tag, an dem sich die meisten nach dem Trubel der Vorweihnachtszeit ins Familiäre zurückziehen, nicht allein sein wollen. 

Christiane ist zum ersten Mal hier. „Mein Mann ist letztes Jahr gestorben, meine Kinder haben heute keine Zeit. Gesellschaft tut mir gut“, sagt sie. Ihr Bekannter Jörg, der das Obdachlosenmagazin Asphalt verkauft, hat sie mitgebracht. Am Tisch sitzt auch Marcus, der mal in Hannover beim Bürgerradio gearbeitet hat. „Ich gehöre hier zum Inventar, mich kennt jeder“, sagt er. Dass er keinen Kaffee mag und lieber Früchtetee möchte, weiß die Helferin trotzdem nicht.

Bei der Weihnachtsgeschichte wird es still

Der Ablauf ist nun wieder ganz weihnachtlich vertraut. Es gibt Kaffee und Stollen, später Würstchen und Kartoffelsalat. Es werden klassische deutsche Weihnachtslieder gesungen, begleitet von Anne Friedrichkeit an der  Geige und Ann-Sophie Schmidt am Klavier. Dass nicht jeder verhinderter Opernsänger ist, schert nicht. „Gott liebt alle, auch die, die  Brummen“, sagt Müller-Brandes. Es gibt eine Andacht; und als die Weihnachtsgeschichte gelesen wird, könnte man in dem Raum, in dem davor und danach auch über Tische hinweg geredet wird, eine Stecknadel hören, wenn jemand eine fallen ließe

Zwei Dutzend Helfer machen diesen dreistündigen Heiligabend-Nachmittag für die Gäste möglich. Angelika Massing, der die Freundlichkeit aus den Augen blitzt, ist sozusagen die Mutter der Kompanie, seit 16 Jahren dabei. „Ich habe damals einen Radio-Aufruf gehört und mir sofort gesagt, da möchte ich am heiligen Abend sein“, sagt sie. Seitdem kommt sie immer wieder. „Es ist hier das dankbarste Publikum, das man finden kann“, sagt sie. 

Rainer und zwei andere Männer unterhalten sich zwischen zwei Liedern über die Auswirkungen einer Meldepflicht, die Bezieher von  Grundeinkommen bei Auslandsaufenthalten das Leben schwer macht – sicherlich ein Thema, dass andernorts beim Weihnachtsessen eher selten auf den Tisch kommt. „Darüber müssten die Journalisten schreiben, das trifft wieder mal die Armen“, sagt Rainer. Er hat keine Scheu, zu erzählen, worauf sich viele genauso freuen wie auf den Rest der Veranstaltung: „Es gibt hier zum Abschied eine Geschenktüte. Das zählt für Menschen, die jeden Cent brauchen.“

Von Bernd Haase

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