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Hannover Arbeitsgemeinschaft KZ Stöcken erhält Auszeichnung für ihr Engagement
Nachrichten Hannover Arbeitsgemeinschaft KZ Stöcken erhält Auszeichnung für ihr Engagement
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17:54 10.09.2019
Mit Urkunde und Blumensträußen: Ehrenamtliche Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft KZ Stöcken freuen sich über den Ehrenpreis. Quelle: Nina Hoffmann
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Stöcken

Was macht den Bezirk Herrenhausen-Stöcken zu etwas Besonderem? Hannovers Bürgermeister Thomas Hermann hat darauf eine überraschende Antwort. Eigentlich liege Herrenhausen-Stöcken ja in allen Statistiken ziemlich im Durchschnitt, sagte er in seinem Grußwort beim Sommerempfang des Bezirksrats. Was die Bewohner allerdings auszeichne, sei ihre große Integrationsleistung. Im Vergleich zu den meisten anderen Bezirken gebe es einen hohen Migrantenanteil. „Vielfalt bedeutet, respektvoll miteinander umzugehen – und hier wird bewiesen, wie gut das Miteinander funktionieren kann“, lobte Hermann vor etwa 90 Gästen.

Einstimmige Entscheidung

Doch nicht nur im Grußwort des Bürgermeisters wurde ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz gesetzt: Der Ehrenpreis für ehrenamtliches Engagement ging in diesem Jahr an die Arbeitsgemeinschaft KZ Stöcken. „Im Bezirksrat haben wir einstimmig für die Vergabe an die Arbeitsgemeinschaft gestimmt“, sagte der stellvertretende Bezirksbürgermeister Bernd Janischowsky. „In einer Zeit, in der Menschen sich wieder trauen, rechtes Gedankengut offen zu äußern, und Ausgrenzung und Stigmatisierung wieder in die Politik einkehren, ist die Erinnerungsarbeit umso wichtiger.“

Gruppe ist seit 1986 aktiv

Seit 1986 engagiert sich die Gruppe gegen das Vergessen der NS-Zeit. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft ließen zum Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers in Stöcken, das 1943 als Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme errichtet wurde, ein Mahnmal errichten. Die Insassen, politische Gefangene aus Deutschland, Polen und Serbien, wurden zu lebensgefährlichen Arbeiten in den Batterienwerken der Akkumulatorenfabrik AG (AFA) gezwungen, ehe die SS sie auf einen Todesmarsch nach Bergen-Belsen trieb.

Jedes Jahr am 8. Mai erinnert die Gruppe an das Schicksal der KZ-Insassen. „Wir können nichts wiedergutmachen, aber wir können Zeichen setzen“, betonte AG-Mitglied Hans Hoffmann in seiner Dankesrede. „Für die Zukunft wollen wir einen neuen Ort für Erinnerung gestalten und die Erinnerungsarbeit mehr noch an die jüngere Generation herantragen.“ Für diese Ziele brauche es aber Unterstützung seitens der Schulen und des Bezirksrates, betonte Hoffmann.

Hermann dankt Bezirksrat

Lob für ihre Arbeit erntete während des Empfangs nicht nur die Arbeitsgemeinschaft. „Danken sollten wir auch dem Stadtbezirksrat“, sagte Bürgermeister Hermann. „Politik ist immer auch ein Ausgleich von Interessen. Dass sich die Bezirksratspolitiker ehrenamtlich immer wieder den Zielkonflikten stellen, müssen wir loben.“ Dem stimmte auch der stellvertretende Bezirksbürgermeister zu. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Bezirksrat viel erreichen kann“, meinte Janischowsky. „Für die Zukunft wünsche ich mir von den Politikern, dass wir gemeinsam weiterhin mit Spaß an die Sache gehen.“

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Von Nina Hoffmann

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