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Hannover Brandsätze im Finanzamt: Angeklagter zu drei Jahren Haft verurteilt
Nachrichten Hannover Brandsätze im Finanzamt: Angeklagter zu drei Jahren Haft verurteilt
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16:59 10.07.2019
Das Landgericht Hannover verurteilte den 66-jährigen Georg S. wegen versuchter Brandstiftung zu drei Jahren Haft. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Das Landgericht Hannover hat den 66-jährigen Georg S. wegen versuchter Brandstiftung zu drei Jahren Haft verurteilt. Die 2. Große Strafkammer sah es als erwiesen an, dass der Mann Ende 2017 drei selbstgebastelte Brandsätze im fünften Stock des Finanzamtes Hannover-Land I in Ricklingen versteckt hatte. Nur durch Zufall hatten diese damals nicht wie geplant funktioniert.

Der 66-jährige Speditionsunternehmer aus Wennigsen sollte eine Steuernachzahlung in Höhe von 300.000 Euro ans Finanzamt leisten und hatte gehofft, durch das Vernichten der Akten Zeit gewinnen zu können. „Ich muss den Verstand verloren haben“, sagte der Angeklagte abschließend kurz vor der Urteilsverkündung. „Ich kann es leider nicht rückgängig machen.“ Unter Tränen hatte der 66-Jährige bereits zu Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt.

Angeklagter soll monatelang im Netz recherchiert haben

Der Vorsitzende Richter André Wilkening sprach dennoch von einer „massiven kriminellen Energie“. Der 66-Jährige habe monatelang „mit Vehemenz“ im Internet über Brandsätze und illegale Schusswaffen recherchiert – sogar noch 2018 und 2019. „Wir schließen daraus, dass er nach der Tat nicht eines Besseren belehrt wurde“, sagte Wilkening. Darüber hinaus benötigte S. handwerkliches Geschick, um die Brandsätze zu bauen und als Aktenordner zu tarnen. „Durch die Tat wäre ein erheblicher Schaden zu erwarten gewesen“, sagte der Vorsitzende Richter. Ein Fingerabdruck führte im März 2019 zu S.s Festnahme.

Der Oberstaatsanwalt hatte dreieinhalb Jahre gefordert. Er sprach in seinem Plädoyer von „wohldurchdachten“ Brandsätzen, „die zu einer nachhaltigen Zerstörung des Gebäudes hätten führen können“. S. habe mit Funkauslösern und Zeitschaltuhr alles dafür getan, um seinem Erfolg genüge zu tun. Analysten des Landeskriminalamtes hatten die Brandsätze vor Gericht als „grundsätzlich funktionsfähig“ eingestuft.

Verteidiger forderte Freispruch

In den Augen von S.s Verteidiger Patrick Riebe hatte der 66-Jährige seine Anschlagspläne hingegen nicht vollendet. Als der Brandsatz mit Zeitschaltuhr nachts versagte, habe er sich aktiv gegen das Zünden der beiden mit Funkempfängern ausgestatteten Apparaturen entschieden – zu dem Zeitpunkt hatte S. vor dem Finanzamt kontrolliert, ob ein Feuer ausbricht. Daher forderte Riebe grundsätzlich Freispruch, maximal jedoch zwei Jahre auf Bewährung. S. sei „verzweifelt“ gewesen, „es war eine saublöde Idee“, sagte Riebe. Aber dieser Argumentation folgte das Gericht nicht. „Wir glauben, dass er auch die anderen Brandsätze ausgelöst hat“, sagte Richter Wilkening. „Auch wenn wir den Zeitpunkt nicht nennen können.“

Dafür sprachen nach Auffassung der Kammer die Analysen der LKA-Experten, die festgestellt hatten, dass die Funkzünder sehr wohl ausgelöst hatten. Ein technischer Defekt wurde ausgeschlossen. Allerdings war das Waschbenzin in den Brandsätzen wie auch bei der Zeitschaltuhr schon so weit verdunstet, dass beim Zünden keine brennbare Flüssigkeit mehr übrig war. „Zum Glück für den Angeklagten“, sagte der Vorsitzende Richter, „sonst hätten wir über ein ganz anderes Strafmaß geredet.“

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