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Hannover Bierexperte im Interview: Wie sehr schadet der derzeitige Streit der Marke Gilde in Hannover?
Nachrichten Hannover Bierexperte im Interview: Wie sehr schadet der derzeitige Streit der Marke Gilde in Hannover?
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20:19 04.12.2019
„Sie müssen einfach ihre eigentlichen Vorteile in den Vordergrund stellen“, meint Bierexperte Michael Zepf zur Zukunft regionaler Brauereien. Quelle: Katrin Kutter
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Herr Zepf, wie gerne trinken die Deutschen überhaupt noch Bier?

Weiterhin sehr gerne, auch wenn es in den 90er Jahren geringfügig höhere Pro-Kopf-Verbrauche gegeben hat. Die vielen Schlagzeilen dazu muss man schon realistisch sehen. Es ist vielleicht gar nicht schlecht, dass die extremen Spitzen im Verbrauch weg sind, weil die Bevölkerung gesünder lebt.

Wie bedeutend sind lokale und regionale Brauereien wie Gilde für die Menschen vor Ort?

Die spielen eine sehr große Rolle, viel größer als noch in der Vergangenheit. Kleinere und mittlere Brauereien haben in der Zahl deutlich zugenommen. Sie haben es aber nicht unbedingt leicht und müssen sich auf dem Markt behaupten. Gerade im Preiskampf mit den ganz Großen sind die Faktoren Arbeit, Wasser und Energie teurer pro Liter Bier.

Dr. Michael Zepf ist Experte für Brauwesen und Getränketechnologie. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung des privaten Ausbildungs- und Beratungsinstituts Doemens in Bayern, das unter anderem die Ausbildung zum Brau- und Malzmeister anbietet. Zepf lehrt dort seit mehr als 10 Jahren. Quelle: privat

Spielt der Kaufpreis für die Kunden regional denn überhaupt eine entscheidende Rolle?

Leider immer noch. Aber es gibt Anzeichen, dass das berühmte „Geiz ist geil“ zurückgeht.

Was müssen Brauereien wie Gilde und Co also tun, um sich auch zukünftig auf dem Biermarkt behaupten zu können?

Sie müssen einfach ihre eigentlichen Vorteile in den Vordergrund stellen. Das sind die Arbeitsplätze für die Region, die lange Tradition und Erfahrung sowie die kurzen Transportwege. Je weniger weit Bier transportiert wird, desto frischer kommt es zum Konsumenten. All diese Argumente stoßen auf fruchtbaren Boden in der Bevölkerung. Und die Brauereien dürfen nicht anfangen, in den Preiskampf einzusteigen.

Nun ist es so, dass lokale Brauereien nicht immer auch in lokalem Besitz sind. Ist das ein Nachteil?

Gerade in Bayern sind viele Brauereien noch in Privatbesitz und werden nicht fremdgesteuert. Ein Beispiel aus der Region zeigt aber, dass der Kauf durch einen chinesischen Investor nicht unbedingt ein Nachteil für die Geschäfte ist. Es hängt immer stark davon ab, was ein (neuer) Besitzer mit dem Unternehmen vor hat.

Wie groß ist denn der Einfluss großer Konzerne auf den regionalen Biermarkt?

Die größeren Brauereien haben natürlich eher die Macht, den Preis nach unten zu dirigieren. Und sie haben auch einen größeren finanziellen Spielraum – für Listungen im Handel oder in der Gastronomie. Dadurch wird der Verdrängungseffekt größer.

Und wie steht es umgekehrt um die ganz kleinen Brauereien? Ist Craft-Bier eine echte Konkurrenz für das traditionelle Bier?

Eigentlich überhaupt nicht. Craft-Bier oder Spezialbiere bereichern den Biermarkt zwar sehr stark, aber stehen kaum in Konkurrenz zu den etablierten Produkten. Es gibt durch die Neuen eher ein höheres Interesse am Bier selbst. In Deutschland ist nicht jeder Biertrinker – und durch Craft-Bier finden viele auch erst einen Zugang zum Getränk, die ihn vorher überhaupt nicht hatten.

Eigentlich sind also weder die ganz großen noch die ganz kleinen Brauereien ein Hindernis für den Erfolg etablierter lokaler Unternehmen wie Gilde – warum gibt es trotzdem Probleme?

Wenn es nur um den Markt geht, können sich regionale Biere sehr gut behaupten. Der Trend ist ganz klar ersichtlich. Häufig gibt es aber interne Probleme, beispielsweise mit der Sicherung der Nachfolge in den Unternehmen oder Investitionsstau.

Die hannoversche Gilde wurde gerade in Teilgesellschaften zerschlagen, Mitarbeiter werden im Betrieb getrennt, wollen aber eigentlich einen einheitlichen Tarifvertrag. Wie stark belastet das die Marke?

Das hängt davon ab, was der Verbraucher schlussendlich mitbekommt. Wenn interne Querelen nach außen dringen, schadet das natürlich dem Image. Die Mitarbeiter sind die Multiplikatoren der Brauerei nach außen. Wenn die nicht zufrieden sind, dann spielt das auf dem Markt eine Rolle. Da muss sich am Bier selbst gar nichts ändern.

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