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Hannover Was hat die Stadt mit dem Bult-Sportplatz vor? Bürger zweifeln an Versprechen
Nachrichten Hannover Was hat die Stadt mit dem Bult-Sportplatz vor? Bürger zweifeln an Versprechen
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13:04 25.10.2019
Was passiert mit dem Sportplatz am Robert-Koch-Platz auf der Bult? Die Mitglieder der Bürgerinitiative fürchten, dass die Politik nach der OB-Wahl Fakten schafft. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

So stark können zwei Wirklichkeiten voneinander abweichen. Die eine ist die der Kommunalpolitik, die den Anliegern des ehemaligen Hochschulsportplatzes im Stadtteil Bult seit über zehn Jahren immer wieder versichert, das verwilderte Gelände am Robert-Koch-Platz werde nicht mit Wohnungen bebaut. Zuletzt ist dieses Signal in der Septembersitzung des Bezirksrats wieder gegeben worden. Die andere Wirklichkeit ist der Geschäftsbericht des Immobilienmultis Instone Real Estate für 2018. In dem heißt es auf Seite 51, man wolle auf eben diesem Sportplatz für 118,5 Millionen Euro 281 Wohnungen bauen. Das Unternehmen ist bereits Miteigentümer der Fläche. Jetzt wird bekannt: Stadtbaurat Uwe Bodemann hat sich bereits im April mit den Immobilienentwicklern getroffen.

Bürgerinitiative Sportplatz Bult fühlt sich von Politik hingehalten

„Wir fühlen uns von Politik und Verwaltung hingehalten“, sagt Martina Kappei von der Bürgerinitiative Pro Sportplatz Bult. Seit genau 15 Jahren kämpft sie mit etlichen Nachbarn dafür, dass das 22.000 Quadratmeter große Areal hinter der ehemaligen TiHo-Mensa nicht bebaut wird, sondern wieder für Stadtteilsport genutzt wird. 600 Unterschriften haben sie innerhalb der vergangenen Woche gesammelt, denn allen ist klar: Es kommt jetzt zum Showdown in dem Konflikt um das Stadtteilgrün.

„Es gibt kein Baurecht“

„Rettet den Sportplatz“: Überall in der Bult hängen Plakate, die auf die Sorgen der Anlieger hinweisen. Quelle: Moritz Frankenberg

Hannover benötigt dringend Wohnungen. Da ist Wohnungsbau auf einer seit Jahren brachliegenden Fläche in idyllischer Innenstadtnähe eigentlich ziemlich nahe liegend. Was dagegen spricht ist einzig die Glaubwürdigkeit der Kommunalpolitik, die gegenüber den Anliegern seit Jahren wiederholt, der Sportplatz werde nicht bebaut. „Es gibt für eine Wohnbebauung kein Baurecht“, sagt Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne auch jetzt wieder auf HAZ-Anfrage. Aber ob das auch nach der OB-Wahl so bleiben wird? Darauf sagt er zunächst: „Das ist zumindest derzeit Beschlusslage“, um dann schnell nachzuschieben: „Ich sehe keine Mehrheiten für eine Änderung des Flächennutzungsplans.“

Stadtbaurat spricht wieder – nach der Wahl

Nur: Auffällig ist schon, dass der Stadtbaurat einen neuerlichen Termin zu Fragen der Sportplatzbebauung zunächst lange hinausgezögert hat – und es den jetzt erst in der zweiten Novemberhälfte gibt, wenn die Stichwahl gelaufen ist. „Wir haben sehr große Sorge, dass nach der OB-Wahl Fakten geschaffen werden“, sagt Rüdiger Kappei von der Anliegerinitiative. Vielleicht aber kommt auch alles anders. Stadtbaurat Bodemann soll die Pläne von Instone als völlig überdimensioniert und langweilig abgelehnt und die Immobilienentwickler sehr schnell aus seinem Zimmer komplementiert haben. Im ersten Anlauf also scheint die Initiative gewonnen zu haben.

Land ist schuld am Zankapfel

Dass der Sportplatz ein derartiger Zankapfel geworden ist, daran ist vor allem das Land schuld. 2011 hat es die denkmalgeschützte TiHo-Mensa mitsamt den ehemaligen Uni-Sportflächen verkauft. Um einen möglichst hohen Preis dafür zu erzielen, hat es schon ab 2004 versucht, bei der Stadt für das Sportplatzgelände Wohnbaurecht zu bekommen – das hätte den Grundstückspreis vervielfacht. Als das am Widerstand der Initiative scheiterte, wurden Gebäude und Grundstück an die Gesellschafter der Werbeagentur Dievision um Axel Kempen verkauft. Seitdem liegt das rückwärtige Gelände brach: weder Sport gibt es dort – noch Wohnungsbau. Nur eine Kita wurde seitlich an das Gebäude angebaut.

Sportplätze sind Mangelware

Tristes Areal: Ein Schild mit der Aufschrift „Privatgrundstück" steht vor dem ehemaligen Sportplatz am Robert-Koch-Platz. Quelle: Moritz Frankenberg

Dabei werden nicht nur Wohnungen, sondern auch Sportplätze derzeit dringend benötigt. Allein im unmittelbaren Umfeld des Bult-Platzes rangeln Post SV, SG Blaues Wunder und Arminia um zu wenige Trainingsflächen. „Unsere Bult-Kinder aus aufgelösten Mannschaften trainieren jetzt von Herrenhausen bis Bemerode, und hier liegt ein Sportgelände brach“, sagt Martina Kappei.

„Einige hängen dem idyllischen Altzustand nach“

Eines der letzten Fotos von der Freizeitnutzung des Platzes – 2009 trainieren die „Bultkicker“ an der Menschingstraße. Quelle: Christian Behrens (Archiv)

Eigentümer Kempen allerdings ist sich sicher, dass die meisten Anlieger nicht wirklich eine Sportanlage auf dem Gelände wünschen. „Einige hängen dem idyllischen Altzustand nach, als auf dem Platz ein paar Tiermedizinstudenten gekickt haben und an zwei Tagen der Woche Anliegerkinder geduldet wurden“, sagt er. „Würden wir hier wirklich eine Sportanlage entwickeln, dann gäbe es dort drei Fußballplätze und ständig etwa 100 trainierende Menschen, das macht Lärm und bringt viel Autoverkehr“, sagt er.

Im November neue Konzepte

Von dem Besuch der Instone-Manager bei Bodemann im April habe er selbst nichts gewusst, sagt Kempen. Die damals gezeigten Pläne für eine bis zu fünfgeschossige Bebauung seien aber ohnehin viel zu unkreativ. Im November will Kempen dem Stadtbaurat andere Konzepte präsentieren. „Dieses Gelände muss man für smarte Ideen zum Wohnen nutzen – und die Preise müssen erschwinglich sein.“ Nachdem das Thema jetzt erneut hohe Wellen schlägt, will er möglichst bald mit der Initiative sprechen. „Ich bin sicher, dass auf unserer Fläche Gutes entsteht und wir dafür insbesondere die Anlieger begeistern können“, sagt er. Die bleiben skeptisch. Versprechen haben sie schließlich seit 15 Jahren gehört.

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