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Hannover Bund hat entschieden: Südschnellweg im Tunnel unter der Hildesheimer Straße
Nachrichten Hannover Bund hat entschieden: Südschnellweg im Tunnel unter der Hildesheimer Straße
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18:08 26.07.2019
Die Entscheidung ist gefallen: Die marode Brücke über die Hildesheimer Straße in Hannover wird durch einen Tunnel ersetzt. Quelle: Michael Thomas
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Hannover/Berlin

Die marode Brücke des Südschnellwegs über die Hildesheimer Straße wird durch einen Tunnel ersetzt. Das hat das Bundesverkehrsministerium am Freitag bekanntgegeben und spricht von einer „klaren Entscheidung“. Die 140 Millionen Euro für das neue Bauwerk übernimmt komplett der Bund. Jahrelang hatte es Streit darüber gegeben, ob statt des wesentlich teureren Tunnels doch ein Brückenneubau kommen soll. Ein endgültiges Urteil des Bundesverkehrsministeriums stand bis zuletzt aus.

„Für den Ortsteil Döhren bedeutet die Entscheidung eine deutliche Entlastung vom Verkehr“, sagt Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr. Der Südschnellweg als Teil der Bundesstraße 3 stellt eine wichtige regionale Verkehrsverbindung dar und wird täglich von 60.000 Fahrzeugen genutzt. Der Tunnel bedeute laut Ministerium „mehr Lebensqualität für die Landeshauptstadt“. Vor allem an der Hildesheimer und Willmerstraße werde die Lärmbelästigung spürbar reduziert.

Tunnellösung wird 80 Millionen Euro mehr kosten

Der Bund war dazu verpflichtet, sowohl die Brücken- als auch die Tunnellösung zu prüfen. Grund dafür ist die Vorgabe, wirtschaftlich mit Steuergeldern zu haushalten. Die unterirdische Lösung ist rund 80 Millionen Euro teurer als die über der Erde. Doch sowohl Hannovers Politik als auch die Landesstraßenbaubehörde hatten von Anfang an dafür plädiert, einen neuen Tunnel unter der Hildesheimer Straße zu bauen. Stadtbaurat Uwe Bodemann bezeichnete eine neuerliche Brücke im vergangenen August als „städtebaufeindlich und nachbarschaftsfeindlich“.

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Eine Illustration zeigt, wie die Kreuzung in Döhren aussehen könnte, wenn der Südschnellweg im Tunnel darunter „durchtaucht“. Quelle: NLStBV

Baubeginn möglicherweise ab 2022

Nach bisherigem Stand könnten die Bauarbeiten für den rund 800 Meter langen Tunnel im Jahr 2022 beginnen. Zunächst muss eine Behelfsbrücke neben der bisherigen errichtet werden, damit die alte abgerissen werden kann. Erst im Anschluss beginnen die Tunnelarbeiten, die dann sechs Jahre in Anspruch nehmen sollen. Ob der Zeitplan nach wie vor gültig ist, bleibt offen: „Auf Grundlage der Entscheidung starten jetzt die Detailplanungen“, teilt das lediglich Ministerium mit. Doch die Zeit drängt weiterhin: Die alte Brücke hält nur noch bis 2023 durch.

Unklar ist ebenfalls, wie sich die Kostenschätzung des Bundes zusammensetzt. Im regelmäßig stattfindenden Planungsdialog auf Stadt- und Landesebene war der Tunnel stets mit etwa 300 Millionen Euro veranschlagt worden. Die 140 Millionen Euro, mit denen Berlin rechnet, sind dagegen weniger als die Hälfte. Das Ministerium kalkuliert jedoch mit 360 Millionen Euro für die gesamte 3,8 Kilometer lange Südschnellweg-Sanierung zwischen Landwehrkreisel und Hildesheimer Allee – dazu gehören ebenfalls Neubauten der anderen maroden Schnellwegbrücken. Auf eine entsprechende HAZ-Nachfrage reagierte das Ministerium bis Freitagabend nicht.

Breite Zustimmung aus der Politik

In der Stadt- und Landespolitik wird die Entscheidung des Verkehrsministeriums begrüßt. „Endlich hat Minister Scheuer eine vernünftige Entscheidung getroffen“, sagt der Chef der FDP-Ratsfraktion, Wilfried Engelke. Auch die SPD im Rat jubelt. „Damit können wir die städtebauliche Barriere in Döhren endlich beseitigen und für mehr Lebensqualität im Stadtteil sorgen“, sagt SPD-Baupolitiker Lars Kelich. Die Grünen sind erleichtert. „Eine Brücke wäre verkehrlich und stadtgestalterisch nicht vermittelbar und aus meiner Sicht wegen der Dichte zur Wohnbebauung auch juristisch nicht durchsetzbar“, sagt Grünen-Baupolitikerin Elisabeth Clausen-Muradian.

CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer lobt die Entscheidung ebenfalls, „doch damit ist nur die erste Hürde überwunden“, meint er. Jetzt müsse das Vorhaben planerisch umgesetzt werden, und das sei eine riesige Herausforderung. „Die Hildesheimer Straße sowie die Schützenallee müssen voraussichtlich zeitweise gesperrt werden“, sagt Toepffer. Ebenso schwierig dürfte es seiner Ansicht nach werden, die Brücken zwischen dem Landwehrkreisel und der Schützenallee zu erneuern. Laut seinem baupolitischen Parteikollege auf Stadtebene, Felix Semper, bedeutet die Nachricht „einen Fortschritt für den Verkehr“. Natürlich sei der Tunnel die teuerste, aber gleichzeitig auch „die bestmögliche Lösung“.

„Anwohner können endlich wieder aus dem Fenster gucken“

Auf besondere Freude stößt der Entscheid bei Bezirksbürgermeisterin Antje Kellner (SPD): „Auf diese Lösung hatte ich gehofft“, sagt sie. „Gegen eine riesige Brücke hätte es sicher Klagen ohne Ende gegeben.“ Laut Kellner biete der freiwerdende Platz zudem viele Möglichkeiten, das Stadtbild weiter positiv zu verändern. Zweifelsohne sei die Nachricht auch für die Anwohner der Willmerstraße eine Erleichterung. Kellner: „Sie werden nach mehr als 60 Jahren endlich wieder aus dem Fenster gucken können.“

Von Peer Hellerling und Andreas Schinkel

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