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Hannover Bundespräsident Steinmeier zu Gast in Hannover
Nachrichten Hannover Bundespräsident Steinmeier zu Gast in Hannover
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00:15 10.06.2017
Von Simon Benne
"Am Ort der Tat": Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor der Staatskanzlei. Quelle: Benne
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Hannover

Für ihn ist das alles vertrautes Terrain; schließlich hat Frank-Walter Steinmeier in der Staatskanzlei seine politische Karriere begonnen. Doch diesmal ist alles anders. Heute ist er erstmals in neuer Funktion hier, und deshalb muss seine Autokolonne, sieben Polizeimotorräder vorweg, in falscher Richtung durch die Einbahnstraße fahren.

Ein Bundespräsident sitzt im Auto nämlich prinzipiell hinten rechts; das ist laut Protokoll gewissermaßen der Häuptlingsplatz. Leider ist die Staatskanzlei aber derzeit von Baustellen umzingelt; Wendemanöver gestalten sich für eine Eskorte schwierig. Damit Steinmeier also mit angemessener Würde nach rechts aussteigen kann, muss seine Kolonne verkehrt herum durch die Haarstraße anreisen.

Als er vorfährt, spielt das Polizeiorchester ein Medley von Benny Goodman: „Der Bundespräsident ist schließlich Jazzliebhaber“, sagt der musikalische Leiter Matthias Wegele. Vorm Eingang begrüßt Ministerpräsident Stephan Weil seinen Gast so formvollendet, wie sich das bei einem offiziellen Antrittsbesuch eines Bundespräsidenten nun mal gehört.     

Die Beflaggungsanordnung gilt

„Beim Protokoll geht es um die Inszenierung von Staatlichkeit“, sagt Matthias Woiwode, Protokollchef der Staatskanzlei. So gesehen macht Deutschland heute Niedersachsen seine Aufwartung; da ist das Protokoll durchaus detailreich: Weil es ein Antrittsbesuch ist, wird der Bundespräsident am Flughafen abgeholt; in der Staatskanzlei hängen gemäß Beflaggungsanordnung die Flaggen von Europa, Deutschland und Niedersachsen. Weil begrüßt Steinmeier – beider Gattinnen sind zugegen – noch einmal im Inneren der Staatskanzlei, und zwar auf halber Treppe. Elke Büdenbender wird erst als zweite begrüßt. Sie ist zwar eine Frau, aber eben die des Bundespräsidenten, da gehört sich das so.

Dann wird es persönlich: „Willkommen zu Hause“, sagt Weil leger. Er attestiert Steinmeier, dass er sich seinerzeit als Leiter der Staatskanzlei „einen exzellenten Ruf erworben habe“ und kredenzt ihm ein Schachspiel mit Porzellanfiguren aus der Manufaktur Fürstenberg. Ein Präsent made in Niedersachsen.

In Bayern war Steinmeier schon, bald ist Hessen dran – und jetzt eben Niedersachsen. Zwei Tage hat er sich für den Antrittsbesuch Zeit genommen. Mehr als seine Amtsvorgänger. Für ihn ist diese Reise auch eine Reise zurück in die eigene Vergangenheit. Locker, aber auch etwas wehmütig wirkt er in Hannover: „Der Täter kehrt immer an den Ort der Tat zurück – das weiß nicht nur Boris Pistorius“, scherzt er in der Staatskanzlei mit Blick auf den Innenminister.     

Früher: lange Haare, grüne Brille

Für ihn sei dies der Ort „wo alles begann“, sagt Steinmeier. Erst kürzlich sei ihm wieder ein Foto von seinem ersten Besuch in der Staatskanzlei in die Hände gefallen: „Lange Haare, erikafarbener Anzug, grasgrüne Brille – ich weiß gar nicht, ob die mich woanders überhaupt genommen hätten“, scherzt er. „Aber hier haben sie gesagt: ,Du passt zu uns.’“ Dass er einmal als Bundespräsident hierher zurückkehren werde – nein, das hätte keiner gedacht.

Steinmeier absolviert eine stramme Tour: Von der Staatskanzlei geht es in den Landtag, wo er sich ins Gästebuch einträgt. Diesmal überreicht Landtagspräsident Bernd Busemann ein Gastgeschenk: „Es hat Klasse, Chic, aber eine gewisse Bescheidenheit“, sagt Busemann, als er Steinmeier das Präsent in die Hand gibt. Ein Service. Wieder Porzellan, wieder Fürstenberger, wieder made in Niedersachsen. Steinmeier dankt aufrichtig, und schon geht es weiter Richtung Rathaus.

Vorm Eingang stellen sich die Kinder der Kita Trammplatz mit Deutschlandfähnchen an einer Linie auf und wedeln sich schon mal warm, bis Steinmeiers dunkler BMW vorfährt. Der Bundespräsident schüttelt ein paar Kinderhände und streichelt ein paar Kinderköpfe; alles, womit ein Staatsoberhaupt eben so sein Tun hat. Oberbürgermeister Stefan Schostok steht mit seiner Amtskette sehr würdig daneben.

Im Rathaus rasch ein Blick auf die Stadtmodelle, denn im Ratssaal warten schon, aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur, die Ratsfraktionschefs. „Das ist jetzt der dritte Bundespräsident, dem ich die Hand schütteln darf“, raunt Wilfried Engelke (FDP) trocken. „Ich überlebe sie alle.“ Diskret macht Schostok bei Steinmeier Werbung für Herrenhausen als Kulisse für Staatsbesuche. Dann bittet er ihn um seinen Eintrag ins Goldene Buch, in dem sich schon elf seiner Amtsvorgänger verewigt hätten. „Viel mehr Vorgänger gibt’s auch nicht“, sagt Deutschlands zwölfter Bundespräsident schlagfertig.

Eine Matratze in der List

Dann spricht Steinmeier wieder von früher: „Hannover ist so etwas wie Heimat geblieben“, sagt er. Er erinnert sich an 1991, als er frisch in die List gezogen war („Ich hatte wenig mehr als eine Matratze auf der Erde“) und frühmorgens von einem Schützenumzug geweckt wurde. Er spricht davon, dass seine Tochter hier geboren wurde, von seiner Trauung im Alten Rathaus und von seinen Touren mit dem Kinderwagen durch Eilenriede und Zoo. „Wir haben gerne hier gewohnt“, sagt Steinmeier, der im Jahr 2000 nach Berlin zog.

Am Nachmittag bricht er zu den Hannoverschen Werkstätten nach Laatzen auf, um die Einrichtung für Behinderte zu besuchen. Für den Abend steht eine Diskussion an der Uni Göttingen auf dem Programm, und am Donnerstag ist er im Norden Niedersachsens unterwegs: in Varel und Wiesmoor, in Aurich und Norden. „Dort gibt es eine Teezeremonie“, sagt Steinmeier. Er sieht aus, als freue er sich darauf.     

Aktuell macht in sozialen Netzwerken eine Falschmeldung die Runde: Dabei wird angeblich ein Schild von einem Spielplatz in Hannover gezeigt. Darauf steht: “Spielplatz für Kinder und Kinderinnen. Aufenthalt von 7 bis 20 Uhr gestattet”. Dieses Schild gibt es nicht.

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