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Hannover Camping im Varieté: So war die Premiere des neuen GOP-Programms
Nachrichten Hannover Camping im Varieté: So war die Premiere des neuen GOP-Programms
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21:00 17.01.2020
Kopfstand zum Waschbrett-Sound: „Camping“ im GOP. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Fast jeder hat es schon mal gemacht, für manche ist es Lebensphilosophie, für andere in Ehren verblasste Jugenderinnerung. Auf jeden Fall ist die Schublade Camping voll mit Klischees, die sich auf einer Varieté-Bühne prima umsetzen lassen – optisch, akustisch, artistisch. Haben sich die kreativen Köpfe des GOP auch gedacht und eine Show zum Thema kreiert. Eigentlich die falsche Jahreszeit, aber wenn man die aktuellen Wintertemperaturen ansieht, auch wieder nicht.

Dass einem warm ums Herz wird, dafür sorgt eine Künstlertruppe, die für die Show zusammengestellt ist, aber auch abseits des Bühnenlichts eine ziemlich verschworene Gemeinschaft bildet – und schon dadurch sehr sympathisch über die Rampe kommt. Aber nicht nur das unterscheidet das Stück von anderen.

Ostkanadische Schule

Für das Bühnenbild wird die gesamte Fläche inklusive der Seitenbühnen genutzt, es stehen zwei Wohnwagen, eine Sitzgarnitur und eine Lagerfeuerecke auf diesem Campingplatz. Es wird viel und in ganz unterschiedlichen Besetzungen live musiziert, mit Stehbass, Akkordeon, Gitarre, Mundharmonika, Geige und viel Percussion inklusive Waschbrett. Zudem ist der rote Faden des Abends nicht „schneller, höher, weiter“, sondern Comedy, was vor allem an Geneviève Kérouac liegt. Die Regisseurin ist auch Clownin und entstammt wie viele der Künstler der stilprägenden und einflussreichen ostkanadischen Varieté-Szene, die mehr auf Straßenkunst und Theater als auf Sport basiert.

Zwischen Lagerfeuerecke und Wohnwagen: Im GOP wird bis zum 8. März 2020 gecampt.

Diese Grundhaltung in ein ganzes Stück zu übertragen, hat in der sehr detailverliebten Choreografie oft eher Züge einer pantomimischen Komödie und unterläuft mitunter die Erwartungshaltung des Publikums. Denn bevor der artistische Knaller kommt, auf den man beispielsweise bei Érika Hagen-Veilleux an einer Art Schaukelreifen wartet, ist die Nummer auch schon wieder vorbei und war eher ein eleganter Tanz mit dem Gerät.

Lindy Hop und Comedy

Ab und zu drehen sie dann auf. Publio Alberto Rabago, ein kleines Kraftpaket aus Mexiko, läuft an Seilen hängend, ganz gemächlich einen Salto ab, es tut schon beim Zugucken weh. Andererseits ist er auch der größte Clown des Abends und formt aus einem Publikumstrio eine 1-a-Mariachiband. Arielle Lauzon ist ein quirliges Bewegungstalent, Colin André Heriaud hält auch auf einem Stuhlstapel die Balance. Die Alles-Jongleure Aaron DeWitt und Nate Armour fügen sich mit rhythmischen Einlagen in das Konzept, der schlaksige Schweizer Artist Florian Grobety ist wie Patrick Ouellet vor allem als Musiker aktiv, Lindy-Hop-Champion Thomas Blacharz lässt Arme und Beine fliegen und tanzt ein furioses Duett mit Marion Bayle, die sich ansonsten auf eine kleine Verkleidungsrolle beschränkt. Zwischendurch musizieren alle zusammen, und am Ende, als die Campingsaison endet, gibt es Jubel vom Premierenpublikum. Bis zum 8. März ist „Camping“ im GOP zu sehen.

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Von lok

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