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Hannover Politik und Party zum 10. Christopher Street Day
Nachrichten Hannover Politik und Party zum 10. Christopher Street Day
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00:15 09.06.2019
Organisator Patrick Watermann hat den Christopher Street Day in Hannover etabliert. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Als 20-Jähriger war Patrick Watermann maßgeblich daran beteiligt, mit dem Verein Schwules Hannover den Christopher Street Day (CSD) in Hannover zu etablieren. Zehn Jahr später ist aus der kleinen Demo ein riesiges dreitägiges Festival geworden. An der Intention, Probleme, Forderungen und Vielfalt öffentlich zu machen, hat sich allerdings wenig geändert. Watermann, mittlerweile 30 Jahre alt und Geschäftsführer im Andersraum – queere Begegnungsstätte für Lesben, Schwule, Transsexuelle, Transidentische Menschen und andere – ist auch jetzt wieder dabei – bei der Organisation und natürlich auf der Straße.

Zehn Jahre Christopher Street Day in Hannover – was hat sich in dieser Zeit verändert?

Also zunächst einmal die Zahl der Teilnehmer. 2009 haben wir mit einem Demonstrationszug und rund 900 Mitstreitern angefangen. Mittlerweile kommen 25.000 Menschen zu Demo und Straßenfest. Damals haben wir vor allem für die Ehe für alle sowie das Adoptionsrecht gekämpft. In beiden Punkten hat sich ja mittlerweile jede Menge getan, aber es kann noch nachjustiert werden. Zudem hat sich auch der betroffene Personenkreis erweitert. Ging es früher vor allem um Lesben und Schwule, spielen heute auch Transsexualität und Transgender eine wichtige Rolle. Und lange war ich der einzige männliche Mitstreiter bei der Organisation, den Löwenanteil haben Frauen gemeistert. Mittlerweile gibt es ein paar mehr Männer.

Was ist das Hauptanliegen der CSD-Community?

Es gibt immer noch Sachverhalte, die sich ändern müssen, wir haben politische Forderungen, es geht um Gleichstellung und Rechte. Dass Homosexuelle etwa grundsätzlich kein Blut spenden dürfen, ist nicht nachvollziehbar. Jede Probe wird schließlich genau untersucht. Die Option des dritten Geschlechts ist ebenso Thema wie die Anpassung des Transsexuellengesetzes. Vor allem aber wollen wir auch für Öffentlichkeit und Sichtbarkeit auf die Straße gehen. Die queere Gemeinschaft ist nach wie vor eine Minderheit – die soll gesehen werden. Gesellschaftlicher Respekt und Anerkennung sind uns sehr wichtig. Allerdings hat sich beides im letzten Jahrzehnt durchaus verbessert. Ein Zeichen dafür ist auch der Rückgang an Clubs oder Einrichtungen, die sich vornehmlich an die queere Kundschaft wenden.

Wie groß sind die Probleme im Alltag?

Das Thema Diskriminierung ist nach wie vor existent, obwohl ich persönlich noch keine negativen Erfahrungen gemacht habe. Die individuelle sexuelle Orientierung sowie die geschlechtliche Identität erfordern noch viel öffentliche Aufklärung.

Also mehr Politik als große Party?

Die Öffentlichkeit über Minderheiten zu informieren und Begegnungen zu ermöglichen, ist zentrales Anliegen des CSD. Aber wir wollen natürlich auch feiern. Wer sich schrill zurechtmachen möchte, kann das hier unter Gleichgesinnten ausleben. Aber beim Christopher Street Day ist nicht alles Olivia Jones (Travestiekünstler von der Reeperbahn, Anm. der Redaktion). Auch beim Outfit setzen wir auf Vielfalt.

Ist Hannover eine tolerante Stadt?

Absolut. Jedes Jahr kommen schon beim Aufbau auf dem Opernplatz mehr Menschen, die Fragen haben und sich für die Aktion und uns interessieren. Wenn man nach Statistiken geht, die besagen, dass zwischen 7 und 11 Prozent der Bevölkerung einen queeren Hintergrund haben, ist das auch ein sehr realitätsnahes Interesse.

Party im Zeichen des Regenbogens

Die Party unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stärker“ beginnt diesmal schon am Freitag, 7. Juni. Dann laden die Veranstalter zwischen 19 und 23 Uhr zur Silent-Disco auf den Opernplatz. Die Demonstration startet Sonnabend, 8. Juni, um 13 Uhr mit einer Kundgebung, um 14 Uhr setzt sich dann der Zug in Bewegung – quer durch die City, durch die mit Regenbogenfahnen dekorierte Georgstraße zurück zum Opernplatz. Dort wird an zwei Tagen auch das Straßenfest gefeiert: Am 8. und 9. Juni präsentieren sich ab 11, beziehungsweise 12 Uhr 50 Stände, dazu gibt es Programm auf zwei Bühnen. Am Sonnabend werden zwischen 23 und 1 Uhr noch einmal Kopfhörer für die Silent-Disco verteilt, am Sonntag steigt dann eine große Abschlussparty in der Osho-Disco am Raschplatz.

Mehr zum Thema:

So bunt wird der Cristopher Street Day 2019 in Hannover

Von Susanna Bauch

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