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Hannover Christopher Street Day in Hannover: Tausende feiern in der City
Nachrichten Hannover Christopher Street Day in Hannover: Tausende feiern in der City
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00:17 11.06.2019
Bunt und fröhlich: Teilnehmer der CSD-Parade in Hannover. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Die Parade ist vorbei – die Party noch lange nicht: Vier Stunden lang sind Zehntausende Menschen beim zehnten Christopher-Street-Day durch Hannovers City gezogen. Nicht nur bei der Demonstration, sondern auch bei den Zuschauern waren zahlreiche Regenbogenfahnen zu sehen. Auffällig viele Jugendliche waren unter den Teilnehmern. Viele waren aus anderen Städten angereist, aus Hamburg, Oldenburg oder Berlin.

CSD-Sprecherin Cora Weiler war es wichtig zu betonen, dass es sich beim Christopher Street Day um eine politische Demonstration handele und nicht nur um eine schrille Party: „Jedes schwule Paar, das sich in die Öffentlichkeit traut, ist ein politisches Statement."

Drei Oberbürgermeister-Kandidaten nutzen die politische Bühne auch gleich, um sich vorzustellen. Marc Hansmann (SPD), der viel Kritik für seine Äußerungen zum Gendersternchen bekam, sagte, es ginge nicht darum etwas auf ein Stück Papier zu schreiben, sondern das müsse auch in de Köpfen ankommen. Belit Onay (Grüne) sagte, schwule Paare müssten in Scherheit leben können und dürften keine Angst um ihr Leben haben. Iyabo Kaczmarek zeigte sich sympatisch, aber noch ein wenig unsicher.

Mit schrillen Outfits, wummernden Bässen und Schlagermusik will der CSD auch am Sonntag weiterfeiern. Die Polizei sprach am Abend von mehr als 11.000 Teilnehmern, die Veranstalter sind sich sicher, dass die geschätzten 25.000 auch tatsächlich gekommen sind.

Alle Infos zum weiteren Programm des CSD in Hannover gibt es hier.

Der Christopher Street Day im Live-Blog – hier zum Nachlesen:

+++ Kiss-in beendet offizielles Programm

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Opernplatz kommen noch einmal Politiker zu Wort. Mareike Wulf (CDU), Bildungsexpertin im Landtag, lobt den beschlossen queeren Jugendraum für Hannover. Sie wünscht den Teilnehmern einen fröhlichen und friedlichen CSD. Julian Klippert (Die Partei) sagt, er würde gern in einem Land leben, in dem das Geschlecht egal sei. Jan Weinmann, der Bezirksratmitglied in Döhren-Würfel ist, kündigt an, Hannover werde auch bald einen queeren Stadtplan bekommen.

Die Veranstalter sprechen von 25.000 Teilnehmern. Das offizielle Programm endet traditionell mit einem Kiss-in. Eine Minute wird auf und vor der Bühne geküsst. Nach dem Motto „Mann und Mann, Frau und Frau, Mann und Frau – Jede Liebe und jeder Kuss sind gleich viel wert.“

Mit der „Kussminute“ endete das offizielle Programm vor der Oper. Quelle: Saskia Döhner

+++ Polizei schätzt Teilnehmerzahl auf 10.000

Die Polizei schätzt die Zahl der Teilnehmer zurzeit auf bis 10.000. Am Steintor stehen viele neugierige Zuschauer an der Strecke. Man kommt ins Gespräch. Viele zücken das Handy und machen Selfies mit Demonstranten in besonders schrillen Kostümen. Der Umzug wird vermutlich noch bis 17.15 Uhr dauern. Danach gibt es Reden und um 18 Uhr beginnt dann eine große Party am Opernplatz.

+++ Viele Zuschauer schließen sich an

Die CSD-Parade bewegt sich durch die Innenstadt: Die Stimmung ist friedlich und fröhlich, Tausende Zuschauer säumen den Weg – viele von ihnen schwenken genau wie die Teilnehmer Fahnen in Regenbogenfarben und schließen sich dem Umzug an.

CSD Quelle: Saskia Döhner

+++ Oberbürgermeister-Kandidaten präsentieren sich

Auch drei der Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisteramtes in Hannover nutzen die Gelegenheit sich vorzustellen: Marc Hansmann, der für die SPD antritt, Belit Onay von den Grünen und die parteilose Bewerberin Iyabo Kaczmarek.

Belit Onay, Marc Hansmann und Iyabo Kaczmarek. Quelle: Saskia Döhner

Marc Hansmann will Hannover zur Gay City des Nordens machten. Er wünscht sich eine Atmosphäre wie am Berliner Prenzlauer Berg oder in Köln: „Warum nicht ein Zebrastreifen in Regenbogenfarben wie in Wien, oder ein schwules Ampelmännchen?“ Er sei für Symbolpolitik, aber für die richtige. Sie müsse im breiten Konsens vorbereitet werden und bei der Bevölkerung ankommen. Das sei beim Genderstern nicht der Fall gewesen. Dafür gibt es Kritik von Moderatorin Jacky, selbst Grüne, die Hansmann mehrmals unterbrach. Hansmann sagt, er sei regelmäßiger Gast beim CSD. Er sei verheiratet und habe ein Kind. Das müsse man schwulen Paaren auch ermöglichen.

Belit Onay (Grüne) sagte, die PR beim Genderstern sei nicht gut gewesen, Sprache drücke auch immer eine Haltung aus. Das dürfe man nicht so abtun. Er wolle sich dafür einsetzen, dass Schwule in Sicherheit leben könnten und nicht Angst haben müssten, im Bus verprügelt zu werden wie jüngst in London.

Für die parteilose Kulturmanagerin Iyabo Kaczmarek, die sich lieber von Moderatorin Jacky interviewen ließ, als allein eine Rede zu halten, geht es vor allem um das Agieren in Netzwerken. Das habe sie gelernt.

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Wie tolerant ist Hannover? Interview mit Organisator Patrick Watermann.

+++ Unterstützung kommt aus vielen Städten

Sebastian (36), Jan (22) vom CSD Schwerin und Gabriel (25) vom CSD Magdeburg unterstützen die Organisatoren in Hannover. Gabriel sagt, die Partys seien in den vergangenen Jahren wieder bunter und jünger geworden, die Stadtverwaltungen seien aufgeschlossener. Auch Fußballklubs förderten die CSD inzwischen wie Hannover 96. Sebastian schätzt aber auch die kleineren, nicht kommerziellen Feste. Da gehe es mehr um Inhalt: „Wir genießen die Gemeinschaft.“

Sebastian (36), Jan (22) und Gabriel (25). Quelle: Saskia Döhner

+++ Opernplatz füllt sich

Die Bühnenshow hat begonnen, langsam füllt sich der Opernplatz. Viele Besucher haben sich in Regenbogen-Fahnen gehüllt. Moderatorin Jacky Oh Winehouse (mit roten Schleifen) macht Stimmung. Mit Travestienummern unter anderem von Dorf Diva Ottilie S. aus Tarnewitz („Hannover ist tuntenunfreundlich, alles voller Kopfsteinpflaster“) und Schlagermusik geht es rhetorisch auch recht derb zu. Zwei 16-Jährige und eine 15-Jährige aus Rotenburg sind das erste Mal dabei.Die Gymnasiastinnen finden es wichtig, Flagge zu zeigen. Die unterschiedlichen sexuellen Orientierungen seien im Unterricht viel zu selten Thema, sagen die Mädchen („Zwei Seiten im Religionsbuch, ein Kapitel im Biologiebuch“). Viele Schüler und Schülerinnen würden auch verschweigen, wenn Sie homosexuell seien. Im nächsten Schuljahr wollen sie eine Arbeitsgemeinschaft zu dem Thema anbieten. Die Lehrer finden es gut.

Dorf Diva Ottilie S. auf der Bühne. Quelle: Saskia Döhner

+++ Linie 10 fährt im Tunnel

Die Party hat auch Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr: Wegen der Parade durch die Innenstadt fährt die Linie 10 am Nachmittag im Tunnel, teilt die Üstra mit. Die oberirdischen Haltestellen „Steintor“, „Hbf/Rosenstraße“ und „Hbf/Zoo“ werden in dieser Zeit nicht angefahren. Auch für die Linie 17 gibt es Änderungen.

Und auch die Buslinie 120 ist betroffen. Sie endet bis 17 Uhr am Waterlooplatz.

+++ Der Umzug beginnt um um 14 Uhr

Der Christopher Street Day ist zu Pfingsten eine feste Institution in Hannover: Am Opernplatz findet eine schrille Partydemonstration statt. Schwule und Lesben wollen damit auf ihre Rechte aufmerksam machen, viele in ungewöhnlichen Outfits, bunt und laut. Seit Mittag läuft das Bühnenprogramm, ab 14 Uhr beginnt dann der Zug durch die Innenstadt. Nachmittags wird bis in die Nacht auf dem Opernplatz weiter gefeiert, am Sonntag geht es weiter. Die Party steht unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stärker“ und der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Gabriele Andretta.

Von Saskia Döhner

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