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Hannover DGB-Studie: Hannover braucht schnell mehr bezahlbare Wohnungen
Nachrichten Hannover DGB-Studie: Hannover braucht schnell mehr bezahlbare Wohnungen
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00:15 17.06.2019
„Kaum noch Wohnraum zu akzeptablen Bedingungen“: Wohnen in Hannover wird immer teurer. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Fast die Hälfte aller hannoverschen Haushalte muss mehr als 30 Prozent des Nettoeinkommens für die Kaltmiete ausgeben, jeder fünfte Haushalt sogar mehr als 40 Prozent, im Gesamtschnitt sind es 27,7 Prozent der Einkünfte. Damit liegt Hannover einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung zufolge über dem Durchschnitt aller deutschen Großstädte (26,8 Prozent). Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) widmet sich jetzt in einer 25-seitigen Analyse dem hannoverschen Wohnungsmarkt – und fordert deutliche Veränderungen vor allem beim Engagement der Stadt.

DGB-Wohnraumstudie: „Hart arbeitende Kollegen finden kaum noch bezahlbare Wohnungen“

Wenn „hart arbeitende Kollegen kaum noch zu akzeptablen Bedingungen Wohnraum mieten oder gar kaufen können“, dann sei „das allgemeine Wohlstandsversprechen de facto zugunsten einer Verteilung nach oben aufgekündigt“, heißt es im Vorwort. Die Analyse: Von 2012 bis 2017 stieg in der wachsenden Stadt die Zahl der Haushalte von 286.000 auf fast 298.000, also pro Jahr um etwa 2000. Zugleich aber wurden nur 2015 kurzfristig mehr als 1000 Wohnungen fertiggestellt, 2013 und 2016 dagegen waren es nur je knapp 700. Die so entstandene “Baulücke“ könne nur ausgeglichen werden, wenn in den nächsten Jahren nicht 1000 Wohnungen genehmigt würden, wie es politischer Auftrag ist, sondern mindestens 1400.

„Preistreiberei“ bei Vermietungen in Hannover

Zudem gebe es eine „Preistreiberei“ bei der Wiedervermietung von Wohnungen. Noch 2011 seien Bestandsmieten (im Schnitt: 5,82 Euro kalt pro Quadratmeter) nur 2 Prozent niedriger gewesen als die Angebotsmieten bei Wiedervermietung (5,94 Euro). Schon 2017 aber sei ein Auseinanderdriften auf 19 Prozent (6,51 zu 8,03 Euro) festzustellen gewesen. Der Mietanstieg aber provoziere eine „soziale Spaltung der Stadt“. Bei den Kaufpreisen sei die Entwicklung überdies noch schlimmer: Mit einem Anstieg von 85 Prozent zwischen 2012 und 2017 weise Hannover die höchsten Steigerungsrate unter den Großstädten auf.

Gewerkschaft fordert: Mindestens 1400 neue Wohnungen pro Jahr und mehr Personal im Bauamt

Aus dem Mangel leitet der DGB-Niedersachsen-Mitte konkrete Forderungen an die Lokalpolitik ab. Im Vergleich zu zahlreichen anderen Großstädten sei der Anteil von Wohnungen im Besitz der kommunalen Gesellschaft zu klein (6 Prozent), die Hanova müsse mehr bauen. Die Stadt dürfe keine Grundstücke mehr an Investoren verkaufen, maximal per Erbpacht vergeben, etwa an Wohnungsgenossenschaften. Genehmigungen der Baubehörden müssten beschleunigt werden, dafür brauche es mehr Personal im Bauamt. Beim Ausbau etwa von Dachgeschossen dürften Bauherren keine Steine in den Weg gelegt werden. Auch für Studenten müsse mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. 1400 neue Wohnungen pro Jahr seien Minimum. Zudem müsse das Land eine Privatisierungsbremse in die Verfassung aufnehmen und endlich wieder eine eigene Wohnbaugesellschaft installieren.

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Von Conrad von Meding

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