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Hannover Sechs Wochen im Eis: Lehrerin aus Hannover ist zurück aus der Arktis
Nachrichten Hannover Sechs Wochen im Eis: Lehrerin aus Hannover ist zurück aus der Arktis
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20:01 24.11.2019
Lehrerin Friederike Krüger hat sechs Wochen lang die Arktisexpedition begleiten dürfen. Quelle: Mario Hoppmann
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Hannover

Sechs Wochen war Friederike Krüger im ewigen Eis – jetzt ist die Erdkundelehrerin wieder mittendrin im Pädagogenleben, in ihrer fünften Klasse an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Bothfeld. „Mir wird erst jetzt erst richtig bewusst, wie weit weg von allem ich eigentlich war“, sagt die 28-Jährige. „Diese Ruhe, diese Weite, diese Leere – das hallt nach.“ Sie ist eine von zwei Lehrern, die an Bord des russischen Begleitschiffs „Akademik Fedorov“ die „Mosaic“-Expedition des Forschungsschiffs „Polarstern“ begleiten darf. Ihr Kollege ist Physiklehrer aus Berlin.

Beeindruckende Natur

Eisbären auf Futtersuche. Quelle: privat

Friederike Krüger ist mit zahlreichen Fotos, Videofilmen, Audiodateien und selbst geschriebenen Berichten und Interviews zurückgekehrt – und mit bleibenden Erinnerungen, die sich tief in ihre Seele eingebrannt haben. Die Wucht der Natur sei so weit weg von der Zivilisation besonders beeindruckend, sagt sie: „Wenn da plötzlich aus dem Nichts Eisbären auftauchen oder ein Sonnenuntergang in der Arktis – das kann man kaum beschreiben.“ Auch den Zusammenhalt der internationalen Crew lobt sie. „Trotz der Enge ist man sich nicht auf die Nerven gegangen, das Miteinander ist toll, alle helfen sich gegenseitig.“ Die Expedition, an der mehr als 600 Wissenschaftler aus der ganzen Welt teilnehmen, läuft noch bis Sommer nächsten Jahres.

Friederike Krüger auf einer Eisscholle im roten, warmen Schneeanzug, im Hintergrund ist das Begleitschiff "Akademik Fedorov" zu sehen. Quelle: Mario Hoppmann

Lehrerin will Blog über ihre Erlebnisse schreiben

Krüger will ihre Erlebnisse mit anderen teilen, mit ihren Schülern, für die sie jetzt nur die „Lehrerin ist, die in der Arktis war“, mit Kollegen, aber auch mit anderen Schulen. Die ersten – nicht nur aus Hannover, sondern auch aus Bayern, wo sie ihr Lehramtsstudium absolviert hat – haben sie bereits gefragt, ob sie dort mal einen Vortrag über ihre Reise halten kann. Es wird lange dauern, das ganze Material zu sichten. „Im November schaffe ich das wohl nicht mehr“, sagt die 28-Jährige schmunzelnd. Auf der Internetseite der „Mosaic“-Expedition soll demnächst eine Art Blog von ihr veröffentlicht werden. „Meine Texte und Dateien will ich allen frei zugänglich machen.“

Bleibendes Erlebnis: Sonnenuntergang in der Arktis. Quelle: privat

Eis wird durch den Klimawandel immer brüchiger

Die „Polarstern“ ist den Folgen des Klimawandels auf der Spur. Krüger berichtet, wie dünn und brüchig das Eis sei, viel sei neues Eis, kaum etwas stamme aus den Vorjahren. Es habe einige Zeit gedauert, bis man eine Scholle gefunden habe, an der der Eisbrecher sich festfrieren lassen konnte, um ein Jahr durch die Arktis zu driften. Die Eisgrenze sei jetzt viel weiter nördlicher als noch vor einigen Jahren, hätten erfahrene Forscher berichtet.

Das Eis wird dünner und brüchiger. Quelle: privat

Kälte von bis zu minus 25 Grad hat Friederike Krüger erlebt. Mit dem roten, warmen Schneeanzug und „drei Schichten darunter“ sei das eigentlich ganz gut zu ertragen gewesen, sagt sie. Nur im Gesicht und an den Händen sei es schon sehr kalt gewesen.

Zurück im Schulalltag: Friederike Krüger an der IGS Bothfeld. Quelle: Moritz Frankenberg

Es sei toll gewesen, dass Lehrer an Bord des Forschungsschiffes hätten mitfahren dürfen, findet die Erdkundelehrerin. Es sei wichtig, Pädagogen in solche außerschulische Bereiche schnuppern zu lassen, denn wer den Blick von außen kenne, könne im Klassenzimmer ganz andere Sachen berichten. Natürlich gehe es auch darum, den Lernstoff zu vermitteln, aber wichtiger noch: „Wir wollen Schüler faszinieren.“

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