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Hannover Ältestes Unternehmen der Stadt: Das ist die Geschichte der Gilde
Nachrichten Hannover Ältestes Unternehmen der Stadt: Das ist die Geschichte der Gilde
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20:58 03.12.2019
Im Broyhan Haus in der Altstadt wurde schon vor knapp 500 Jahren Bier ausgeschenkt. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Die Geschichte der Gilde-Brauerei ist eine mit vielen Höhen und auch Tiefen. Sie beginnt in einer Zeit, in der Bier wegen seiner Lagerfähigkeit ein Grundnahrungsmittel war. Am 31. Mai 1526 braute Cord Broyhan zum ersten Mal das nach ihm benannte obergärige Bier und schenkte es von 1537 an in seinem heute noch vorhandenen Broyhan Haus in der Altstadt aus. 1546 schlossen sich Hannovers Bierbrauer auf Betreiben Broyhans zu einer Gilde zusammen – wenn man so will, die Geburtsstunde des heutigen Unternehmens, das damit als ältestes noch existierendes der Stadt gilt.

Seit 1870 an der Hildesheimer Straße

Im selben Jahr ließ die Gilde den Broyhan-Taler prägen, eine Brau- und Steuermarke mit rotem Hahn als Symbol, die immer noch auf jeder Flasche mit Gilde-Bier zu finden ist. Erst 1868 wandelte sich die Braugilde Hannover von einer Genossenschaft zum eigentlichen Unternehmen und übernahm zwei Jahre später das Werksgrundstück an der Hildesheimer Straße.

1925 erwarb die Gilde die Lindener Aktien Brauerei und fusionierte 1968 mit ihr. Mitte der Siebzigerjahre baute sie die heutigen Produktionsanlagen. Was damals noch niemand ahnte: Aktuelle wirtschaftliche Schwierigkeiten rühren unter anderem daher, sie ihrer Kapazität entsprechend auszulasten.

Auf eine Expansion folgt ein Wirtschaftskrimi

Es folgte eine Zeit der Expansion. 1985 übernahmen die Hannoveraner eine Mehrheitsbeteiligung am Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig, 1990 kurz nach der Maueröffnung die Hasseröder Brauerei in Wernigerode am Harz.

13 Jahre später spielte sich um die Gilde ein Wirtschaftskrimi ab. Führende Manager fädelten hinterrücks einen Verkauf des Unternehmens an den belgischen Interbrew-Konzern ein. Die Stadt, die selbst zu den Anteilseignern zählte, versuchte dies zu verhindern, konnte sich aber nicht durchsetzen und handelte schließlich Standortgarantien aus. Für die mehr als 100 Aktionäre, deren Papiere oft seit Generationen in Familienbesitz waren, lohnte sich das Geschäft. Interbrew zahlte pro 5000-Euro-Anteilsschein 275.000 Euro und investierte so insgesamt knapp 600 Millionen Euro.

Eine Zeit der Vernachlässigung

Die Belgier fusionierten wenig später mit der brasilianischen AmBev zur Anheuser Busch InBev und bildeten so den größten Bierkonzern der Welt. Das Interesse des Multis fokussierte sich vor allem auf die Premium-Marke Hasseröder. Die Gilde war spätestens jetzt nur noch ein winziger Teil des Konzerns und wurde vernachlässigt. Gerüchte über ein Ende der Geschichte gab es immer mal wieder.

Es kam dann Ende 2015 doch anders, denn das Frankfurter Brauhaus, mittlerweile durch weitere Zukäufe zur TCB Beverages angewachsen, löste Anheuser Busch InBev als Eigner ab. Seitdem arbeiten die neuen Besitzer daran, die Brauerei wieder auf wirtschaftlich gesunde Füße zu stellen.

Fass-Affäre beim Schützenfest

Anekdoten aus dieser langen Unternehmensgeschichte gibt es einige. Eine spielte sich im Juli 2005 auf dem hannoverschen Schützenfest ab. Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg schlug beim Fassanstich viermal zu. Danach schäumten erst das Fass über und dann das Stadtoberhaupt. Schmalstieg verließ wutentbrannt die Veranstaltung und witterte Sabotage. Das Fass wurde wissenschaftlich untersucht mit dem Ergebnis, dass es sich um eine technische Panne am Gebinde gehandelt hatte. Die Gilde entschuldigte sich dafür, Schmalstieg akzeptierte dies. Die über fünf Tage schwelende hannoversche Fass-Affäre war damit beendet.

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