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Hannover Produzieren die Hannoveraner zu viel Müll?
Nachrichten Hannover Produzieren die Hannoveraner zu viel Müll?
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11:04 13.08.2019
Die Aha-Mitarbeiter Stefan Hilnhagen (links) und Phillip Doering leeren in ihrer Spätschicht die Abfalleimer am Steintor. Quelle: Ingo Rodriguez
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Hannover

Wenn die Mitarbeiter der Abfallwirtschaft Region Hannover (Aha) mit ihren Greifzangen losziehen, bietet sich ihnen täglich das gleiche Bild: zerknüllte Kaffeebecher aus Pappe, Papiertüten und Pappschachteln von Fast-Food-Restaurants, Getränkeflaschen aus Plastik. Es ist ihr Job, in der Innenstadt achtlos weggeworfenen Müll aufzusammeln und die Abfallkörbe leeren.

„Der größte Teil ist Verpackungsmüll – Einwegware natürlich“, sagt Aha-Mitarbeiter Stefan Hilnhagen. An diesem Nachmittag ist er mit seinem Kollegen Phillip Doering in der Spätschicht auch am Steintor unterwegs. „Es liegt jetzt nicht mehr so viel auf dem Weg, weil die Kollegen am Vormittag in der Frühschicht schon gute Arbeit geleistet haben“, sagt Hilnhagen.

Die Aha-Mitarbeiter Stefan Hilnhagen (links) und Phillip Doering finden in den Abfalleimern und auf den Gehwegen fast nur Verpackungsreste, Einwegtüten und -becher. Quelle: Ingo Rodriguez

Trotzdem haben die beiden Aha-Mitarbeiter auch gegen 14.30 Uhr noch alle Hände voll zu tun. „Wir tauschen noch einmal die gefüllten Mülltüten in den Abfalleimern aus“, sagt Hilnhagen. Manche Standorte in der City seien zwei- bis dreimal täglich zu leeren. „Und das meiste darin ist Einwegkram.“

Im gesamten Stadtgebiet gibt es nach Angaben von Aha rund 5000 öffentliche Abfallbehälter. Rund 15.000-mal in der Woche werden sie geleert. Allein damit kommen jedes Jahr rund 35.500 Kubikmeter Abfall zusammen. Hinzu kommt, was die Kehrmaschinen an achtlos weggeworfenem Müll auffegen: Das sind noch einmal 7800 Tonnen.

16 Kubikmeter an einem Nachmittag

Allein an diesem Nachmittag bringen Hilnhagen und sein Kollege mit ihrem Pritschenwagen „bestimmt noch einmal zwei volle Ladeflächen mit gefüllten Mülltüten weg“, sagt er. Das entspreche einer Menge von rund 16 Kubikmetern – nahezu ausschließlich Einwegverpackungen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat am Montag eine Debatte darüber eröffnet, wer eigentlich für die Beseitigung des Verpackungsmülls zahlen soll. Sie will die Hersteller von Einwegverpackungen mit in die Pflicht nehmen. In Hannover stößt das grundsätzlich auf Gegenliebe.

Der „Hannoccino“ als positives Beispiel

Die Stadt betreibt seit einiger Zeit schon einen erhöhten Aufwand und hat dafür im vergangenen Jahr das Programm „Hannover sauber“ verabschiedet. Es baut auf zwei Säulen auf: „Am wirksamsten wird die Sauberkeit erhöht, wenn der Müll gar nicht erst entsteht“, sagt Ordnungsdezernent Axel von der Ohe (SPD). Auch Schulze will die Hersteller dazu bringen, häufiger Mehrwegverpackungen zu verwenden. Von der Ohe nennt als gutes Beispiel den Mehrwegkaffeebecher „Hannoccino“.

Laut Aha werden allein in Hannover jährlich knapp 20 Millionen Kaffeebecher aus Pappe verbraucht. „Damit könnte man den Rathausvorplatz einen Meter hoch mit Einwegbechern bedecken“, sagt Aha-Sprecher Stefan Altmeyer. Seit der „Hannoccino“ im August 2017 in Hannover auf den Markt kam, sei der Verbrauch an Mehrwegbechern in Hannover „gefühlt“ um gut ein Drittel zurückgegangen, schätzt Altmeyer. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Stadt verteilt mehr Bußgelder

Die Stadt setzt bei der Müllvermeidung aber auch auf Bußgelder. Die Zahl der Abfallfahnder bei Aha wurde verdoppelt. Das zeigt Erfolg: Allein im ersten Halbjahr 2019 wurden 370 Bußgeldverfahren gegen Müllsünder eingeleitet. Im gesamten vergangenen Jahr waren es nur 64.

Der Müll ist auch Thema im Oberbürgermeisterwahlkampf. Die Kandidaten von SPD, CDU und Grünen können dem Schulze-Vorschlag etwas abgewinnen. CDU-Kandidat Eckhard Scholz spricht sich zudem für einen eigenen Bußgeldkatalog der Stadt aus – bisher wendet Hannover den vom niedersächsischen Umweltministerium vorgegebenen Rahmen an. Scholz will einen eigenen für die Stadt. „Über die Höhe einzelner Bußgelder müssen Rat und Verwaltung dann gemeinsam diskutieren“, sagt Scholz.

Kaugummi ausspucken kostet 10 bis 50 Euro

Der Katalog des Umweltministeriums sieht zum Beispiel für ein ausgespucktes Kaugummi ein Bußgeld zwischen 10 und 50 Euro vor. Wer eine Plastikflasche wegwirft, muss mit einem Bußgeld von 50 bis 80 Euro rechnen. Scholz’ Konkurrenten Marc Hansmann (SPD) und Belit Onay (Grüne) sehen keinen Anlass für einen eigenen städtischen Bußgeldkatalog. Hansmann spricht von „blindem Aktionismus“. Er spricht sich – wie Ordnungsdezernent von der Ohe – für eine „konsequentere Ausschöpfung“ des vorhandenen Rahmens aus. Ähnlich sieht es der Grüne Belit Onay. Er sieht sogar bei der Höhe der Bußgelder „durchaus noch Luft nach oben“.

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Von Ingo Rodriguez und Karl Doeleke

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