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Hannover Der Trend geht zum frühen Weihnachtsbaum
Nachrichten Hannover Der Trend geht zum frühen Weihnachtsbaum
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00:18 08.12.2017
Paul (Mitte) ist 1,20 Meter groß – der Weihnachtsbaum, den er ausgesucht hat, misst 2 Meter. Vater Jens Preiß bringt ihn mit Ehefrau Kristina und Sobia (im Kinderwagen) zu Fuß nach Hause. Quelle: Heidrich
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Hannover

„Dieses Jahr sind wir zu spät“, sagt die 25-Jährige Alena Schander: „Eigentlich steht bei uns der Weihnachtsbaum zum Ersten Advent geschmückt in der Wohnung, aber wir haben es nicht rechtzeitig geschafft, einen zu kaufen.“ Unschlüssig geht sie auf dem Schützenplatz von Baum zu Baum, beräz sich mit ihrem Mann über den richtigen Wuchs und die beste Form. Am Ende wird es – natürlich – eine Nordmanntanne, der Deutschen liebester Baum.

Traditionalisten schaudert es.

Der Baum, geschmückt zum ersten Adventssonntag? Traditionalisten schaudert es bei dem Gedanken. Der Brauch will es, dass der Weihnachtsbaum am Vorabend der Weihnachtsfeiertage geschmückt in der Stube steht und dort bis Januar bleibt. Doch immer mehr Menschen wollen nicht bis zum 24. Dezember warten – für sie gehört der Weihnachtsbaum zur Vorweihnachtszeit.

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Etwa Familie Preiß aus Linden. Jens und Kristina Preiß sind mit zweien ihrer Kinder zum Baumaussuchen gekommen, Sohn Paul darf aussuchen. Er ist 1,20 Meter groß, sein Wunschbaum misst zwei Meter. Die Nordmanntanne wird gemessen, ins Netz verpackt und nach Hause gebracht. Zu Fuß vom Schützenplatz in die Rambergstraße: Vater Jens ist Küchenchef, er sagt: „Wer Töpfe schleppen kann, der kann auch einen Weihnachtsbaum tragen.“ Und, wann wird er geschmückt? „sofort“, sagt Kristina Preiß. Die Vorweihnachtszeit sei zu schön, um auf den Glanz des Baums zu verzichten.

Der Wunsch nach dem frühen Weihnachtsbaum geht quer durch alle Generationen. Helga Schäfer ist 77, auch wenn man ihr das nicht ansieht. Die Südstädterin kauft seit mehreren Jahren ihren Weihnachtsbaum an der Geibelbastion am Ostufer des Maschsees. In die Wohnung kommt er gar nicht – der Baum bleibt die gesamte Zeit über draußen vor der Terrassentür. „Ich schmücke ihn vor allem mit Vogelringen und Meisenknödeln“, sagt sie: „So haben auch die Spatzen und Eichhörnchen und Eichelhäher etwas vom Weihnachtsfest.“

In der Kälte hält sich der Baum

Die Erfahrung von Helga Schäfer ist: Wenn der Baum nicht in die geheizte Wohnung kommt, dann hält er über Monate sein Nadelkleid. „Bis April mindestens, in kalten Wintern sogar bis Mai“, sagt sie. „So habe ich richtig lange etwas von meinem Weihnachtsbaum.“

Tatsächlich räumen Hannovers Weihnachtsbaumverkäufer mit einem Märchen auf: dass nämlich, wer den Baum kurz vorm Fest kauft, einen frischeren bekommt, der länger hält. „Alle Bäume, die Sie bis Weihnachten kaufen, sind längst geschlagen“, verrät der Verkäufer am Maschseestand der Baumschule Nötel. Wer jetzt kauft und den Baum in eine geheizte Wohnung holt, der wird zum Fest vielleicht tatsächlich ein nadelloses Exemplar haben: Bei Zimmertemperatur halten die Bäume nur wenige Wochen. Wer aber draußen lagern kann, für den ist es egal, ob er den längst geschlagenen Baum jetzt kauft oder später. Einen Vorteil aber hat der frühe Kauf. Die Auswahl ist jetzt größer als direkt vorm Fest.

Von Conrad von Meding

08.12.2017
08.12.2017