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Hannover „Die Einzelhändler in den Stadtteilen werden massiv geschädigt“
Nachrichten Hannover „Die Einzelhändler in den Stadtteilen werden massiv geschädigt“
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18:42 26.11.2017
Die City zieht: Volle Innenstadt beim verkaufsoffenen Sonntag, hier am Kröpcke. Die Stadtteile aber haben an den Tagen keine Chance. Quelle: Foto: Kutter
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Hannover

Die neue Landesregierung will den gerade gefundenen Kompromiss zu Sonntagsöffnungen zurückdrehen – Hannovers Kaufmannschaft fürchtet starke Benachteiligungen. Auch Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette ist entsetzt: „Was jetzt geplant ist, wird die Stadtteilhändler im Wettbewerb massiv benachteiligen – ohne dass es irgendeinen Vorteil für Arbeitnehmer gibt.“

In ihren Koalitionsvereinbarungen haben die neuen Landes-Regierungspartner SPD und CDU festgeschrieben, dass es weiterhin nur vier verkaufsoffene Sonntage pro Kommune geben soll. Damit wird der Gesetzesvorschlag kassiert, den die Vorgängerregierung aus SPD und Grüne mühsam erarbeitet hatte, um Händlern in Großstädten gleiche Chancen zu bieten wie Händlern in kleinen Kommunen. Das Gesetz wurde wegen der vorgezogenen Landtagswahl nicht mehr beschlossen.

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Es sah vor, dass es zwar auch in großen Städten wie Hannover und Braunschweig pro Geschäft nur vier offene Sonntage geben darf, dass aber Händlergemeinschaften in Stadtteilen sich für ein Datum abkoppeln dürfen und einen alternativen Sonntag wählen dürfen, an dem die Cityläden nicht öffnen. Der Grund: Die Magnetwirkung der Innenstadt ist so groß, dass die Stadtteilhändler kaum Chancen haben, Kunden zu locken. In Hannovers Umlandkommunen haben die Händler das Problem nicht: Sie legen ihre offenen Sonntage gezielt auf Daten, an denen Hannovers Innenstadt nicht öffnet. Stadtteilhändler haben diese Option nicht, wenn stadtweit nur vier Sonntage erlaubt sind.

„Die Bevölkerung will die offenen Sonntage – ich verstehe nicht, warum die Landespolitik ihr Versprechen einer sinnvollen Erneuerung des Gesetzes jetzt nicht mehr einhalten will“, sagt etwa Möbelhändler Helmut Staude aus Hainholz. Er fürchtet: „Die Händler in den Stadtteilen werden brutal leiden.“ Er betont, seine Mitarbeiter arbeiteten gerne an Sonntagen: „Sie bekommen dafür einen ordentlichen Ausgleich und können an einem Wunschtag freinehmen, an dem andere arbeiten müssen.“ Auch Wirtschaftsdezernentin Tegt­meyer-Dette sagt: „Für jeden einzelnen Arbeitnehmer hätte die Modernisierung des Gesetzes keinen einzigen Nachteil gebracht – für die Händler aber viele Vorteile.“

In Hannover gab es zuletzt den Kompromiss, dass die Cityhändler zugunsten der Stadtteile auf einen der vier Sonntage im Jahr verzichten – das aber bedeutet Umsatzeinbußen in Millionenhöhe, die sich Händler in Zeiten zunehmender Internetkonkurrenz kaum noch leisten können. Martin Prenzler von der City-Gemeinschaft sagt: „Ich hätte gern die Möglichkeit, dass die Innenstadt einmal im Quartal öffnen kann.“ Dann aber bleibt für die Stadtteilhändler kein Sonntag mehr. Dezernentin Tegtmeyer-Dette appelliert an die Vernunft der neuen Mehrheit im Land. „Es kann nicht Intention der Landespolitik sein, die Händlergemeinschaften in den Randbereichen der Großstädte zu schädigen.“

Von Conrad von Meding