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Hannover Als niemand ihn hören wollte: Die Grönemeyer-Konzerte in Hannover – von den Achtzigern bis heute
Nachrichten Hannover Als niemand ihn hören wollte: Die Grönemeyer-Konzerte in Hannover – von den Achtzigern bis heute
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12:57 05.09.2019
Der rockende Ruhrpott-Rebell: 1986 füllte Herbert Grönemeyer die Stadionsporthalle. Quelle: Herbert Rogge
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Hannover

Wann ist ein Star ein Star? Eigentlich sollte Herbert Grönemeyer, Schauspieler und offensichtlich auch Sänger, im Mai 1983 in der Rotation auftreten. Doch dazu kam es nicht – das Konzert wurde abgesagt. Zehn Karten waren im Vorverkauf rausgegangen, und das, nachdem im Jahr zuvor schon ein angesetztes Konzert im „Ballroom Blitz“ an komplettem Desinteresse des Publikums gescheitert war. Und so konstatierte der Berichterstatter in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: „Grönemeyer und Hannover, das geht offenbar nicht zusammen.“

„Der Joe Cocker Deutschlands

Für den Moment vielleicht richtig, trotzdem schlechtes Timing, denn – auf den Tag genau – ein Jahr später brachte der „Schauspielersänger“ sein Album „4630 Bochum“ auf den Markt und ging plötzlich mit jeder Stadt zusammen, die in Deutschland Konzerte veranstaltete. Meistverkauftes Album des Jahres, knapp 80 Wochen in den Charts, dazu die Single „Männer“, die deutsches Kulturgut wurde.

Vom kauzigen Knödler zur moralischen Instanz: 1989 lockte Herbert Grönemeyer 20.000 Menschen in den Sportpark Garbsen. Quelle: Ralf Decker

Wann ist ein Mann ein Star? Genau in diesem Moment – und bei seinem nächsten Versuch, in Hannover ein Konzert zu geben, ist die Rotation dann überfüllt. Der HAZ-Reporter beobachtet im September 1984 „Stimmung wie bei einem BAP-Konzert“. Denn der junge Künstler, „blond und betroffen“, ist „der Joe Cocker Deutschlands“ und „der Mann, auf den wir viel zu lange haben warten müssen“. Was vieldeutig, aber im Nachhinein sehr richtig ist.

Die Achtziger: Der „rockende Ruhrpott-Rebell“

Anderthalb Jahre später ist der „rockende Ruhrpott-Rebell“ ein Hallenfüller, 5000 Menschen wollen ihn in der Stadionsporthalle sehen. „Sprünge“, das Nachfolgealbum, hat „Kinder an die Macht“ und weitere Hits geliefert, die von Deutschrockfans ebenso geliebt werden wie von Fans der Neuen Deutschen Welle, in deren Wind Grönemeyer auch noch ein bisschen mitgesegelt ist. Grönemeyer äußert sich in seinen Texten politisch, das macht man so in diesem unruhigen Jahrzehnt, und er findet Gehör.

Seit mehr als drei Jahrzehnten besucht Grönemeyer auf Tournee Hannover. Die Spielorte wechselten – weil immer mehr Fans ihn sehen wollten.

„Mit Gott“, sein musikalischer Kommentar zur Barschel-Affäre mit der Passage „Mit Gott an unserer Seite/Jesus in einem Boot/Einer ging leider baden/doch den warfen wir noch rechtzeitig über Bord“ wurde von einigen Sendern auf den Index gehoben, was seiner Popularität wie zumeist eher Auftrieb gab. Das dazugehörige Album „Ö“ ging ohne Umwege an die Chartspitze. Grönemeyer tourte fleißig, immer auch nach Hannover: Nach einer weiteren Show in der Stadionsporthalle lockte er 1989 rund 20.000 Menschen in den Sportpark Garbsen.

„Luxus“, das nächste Album, führte Grönemeyer in die Messehalle, seine Zuschauerzahlen waren nun verlässlich fünfstellig, vom kauzigen Knödler war er in der Wahrnehmung längst zur moralischen Instanz gewachsen, der „mit Wut im Bauch“ in allen Altersklassen Gehör fand.

Die Neunziger: Westernhagen kommt, Grönemeyer geht

In den Neunzigern lieferte sich Grönemeyer mit Westernhagen nicht nur in der Gunst des Massenpublikums einen Schlagabtausch. Grönemeyer stieg bei der gemeinsamen Plattenfirma „Kick“ aus, als sie Westernhagen eine kostspielige Medienkampagne spendierte, und stand unter Neid-Verdacht. Dabei hatte er bei den Plattenverkäufen sogar die Nase vorn. Nur füllte Westernhagen auf dem Höhepunkt seiner Karriere das Niedersachsenstadion spielend und mehrfach am Stück.

Nuller Jahre: Erst vom Winde verweht, dann ins Stadion

Als Westernhagen sich vom Stadionkonzertbetrieb zurückzog, drehte Grönemeyer erst richtig auf. Zur Expo spielte er mit dem NDR Pops Orchester in der neuen Preussag Arena, 2004 war er eigentlich stadionreif, aber die Heimstatt von Hannover 96 wurde WM-fein gemacht, so wich Grönemeyer wie Robbie Williams und die Stones auf einen Expo-Parkplatz am Kronsberg aus und hatte wie die Besucher mit heftigem Wind zu kämpfen. 2006 zur Heim-WM hatte er einen Fußballhit („Zeit, das sich was dreht“), den er 2007 erstmals auch in der WM-Arena von Hannover sang. Die große Schüssel ist zu seiner Heimstatt in Hannover geworden. Er füllt sie auch am Freitag komplett. Grönemeyer und Hannover, irgendwie passt das wohl doch zusammen.

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