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Hannover Darum sind tote Fische in Maschseereusen geknotet
Nachrichten Hannover Darum sind tote Fische in Maschseereusen geknotet
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00:16 18.11.2018
Eda, 9, und die Reusen im Maschsee. Die Waldorfschülerin Eda (9) am Maschsee in Hannover Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

Die neunjährige Eda aus dem Stadtteil Waldheim ist ein aufmerksames Mädchen. Und deshalb ist ihr bei einem Spaziergang am Maschsee vor wenigen Tagen etwas aufgefallen: Am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer, etwa auf Höhe des NDR-Landesfunkhauses, befinden sich Reusen im Wasser. „Mit ganz vielen toten, silbernen Fischen drin“, schreibt sie in einem Brief an die HAZ, den sie mit einem bunten Bild garniert hat. „Ich frage mich, wer das da reingetan und nicht wieder rausgenommen hat. Können Sie das für mich herausfinden?“

Können wir.

Tatsächlich hat Edas Beobachtung zunächst Erstaunen in der Redaktion ausgelöst. Ein Anruf beim Maschseefischer Marco Neumann, dem die Stadt das Fischereirecht in Hannovers Haussee übertragen hat, brachte aber Klarheit. Und Neumann hat der wissbegierigen Eda auch gleich einen Brief zurückgeschrieben und ihr angeboten, im nächsten Sommer mit ihm auf den See rauszufahren und ihr dabei noch mehr über die Fischerei und den See zu erzählen. Eine Geste, über die sich Eda sehr gefreut hat. „Au ja, da will ich mitfahren“, sagt ise..

Der Hintergrund der Reusen ist tatsächlich spannend, denn er enthüllt ein Geheminis über den Maschsee, das kaum jemand kennt in Hannover. Dort leben Tiere, die dort nicht hineingehören und eine Gefahr für einheimische Arten darstellen. Zoologische Migrationsprobleme sozusagen, die vor ziemlich genau 130 Jahren angefangen haben und jetzt immer größere Kreise in europäischen Gewässern ziehen.

Kamberkrebs kam 1890 aus den USA

1890 nämlich führte ein Fischer namens Max von dem Borne 90 sogenannte Kamberkrebse aus dem Osten der USA nach Deutschland ein und setzte sie in einem Nebenfluss der Oder aus. Seitdem verbreiten sich die Tiere in ganz Europa und töten die einheimischen Edelkrebse. Kamberkrebse nämlich sind Überträger der Krebspest, sind aber selbst immun gegen die tödliche Krankheit. Die einheimischen Edelkrebse, die eigentlich millionenfach in unseren Flüssen und Seen leben sollten, sterben in ihrer Gegenwart aus. Der Kamberkrebs ist seit zwei Jahren auf der EU-Liste der „unerwünschten Arten“ aufgenommen. Und weil er auch im Maschsee gehäuft vorkommt, hat Pächter Neumann von der Stadt den Auftrag bekommen, möglichst viele Tiere herauszufangen. Das tut er: mithilfe toter, silberner Fischchen, die an Reusen verknotet sind, in denen sich die Krebse verfangen. Weil sie schmackhaft sind (und für Menschen die Krebspest nicht gefährlich ist), kann Neumann seinen Fang sogar an Restaurants verkaufen.

Aquaristiker setzten die Tiere in Hannovers Maschsee ein

Wie aber kommen die Krebse in den Maschsee? Fachleute sind sich sicher: Genauso, wie zuweilen auch Schildkröten oder Südseefische in den See gelangen und in der Regel dort sterben. Aquaristiker, also Menschen, die als Hobby Aquarien betreiben, setzen die Tiere aus, wenn sie keine Lust mehr auf ihre Aquarien haben oder sich die Krebse zu stark vermehren. Das ist streng verboten – aber wer will schon ein Kilometerlanges Seeufer ständig kontrollieren? Marco Neumann schreibt in seinem Antwortbrief an Schülerin Eda: „Als Fischer müssen wir uns große Mühe geben, möglichst viele dieser Krebse aus dem See zu fangen, damit es den anderen Tieren im Maschsee weiterhin gut geht.“

„Gewässerökologie ist aus dem Gleichgewicht“

Vor drei Jahren hat Fischwirtschaftsmeister Neumann die Verantwortung für den Maschsee übernommen, nachdem der vorige Pächter Insolvenz angemeldet hatte. „Zehn Jahre lang wurde sich nicht ordentlich um das Gewässer gekümmert“, sagt Neumann. Die Gewässerökologie sei daher aus dem Gleichgewicht. Es ist kein natürlicher See, und wegen der Stadtnähe werden Enten und Fische vielfach gefüttert, was eigentlich verboten ist, weil es zu viele Nährstoffe in den See bringt.

Gibt es 2018 Weihnachtskarpfen?

Neumanns Vertrag mit der Stadt sieht vor, dass er vor Weihnachten Fische an Hannoveraner verkauft – für viele Familien gehört der Weihnachtskarpfen aus dem Maschsee zur Tradition. In den vergangenen Jahren ist er dieser Pflicht nur teilweise nachgekommen – und gegenüber der HAZ erklärt er, warum. Ziel sei weiterhin, Ende Oktober oder Anfang November eine Zugnetzbefischung am See zu organisieren und im Anschluss an einem Wochenende einen Fischverkauf am Nordufer anzubieten, vielleicht sogar kombiniert mit einem Schaufischen. Allerdings fehlten wegen jahrelanger Pflegeversäumnisse Fische in der richtigen Größe im See, die fischfressenden Komorane machten zu schaffen – und dann sei das Projekt Zugnetz im Moment sehr schwierig. Einerseits wegen des niedrigen Wasserstands, andererseits, weil der alte Maschseefischer tonnenweise Weihnachtsbäume im See verteilt hat als Unterschlupf für Fischbrut. „Die Bäume haben sich über den gesamten See verteilt“, ärgert sich Neumann. Ende November soll sich klären, ob es vor Weihnachten noch einen Fischverkauf gibt.

Anglerverband setzt 1000 Edelkrebse aus

In zahlreichen Flüssen und Seender gesamten Region bedrohen ausgesetzte Krebse die einheimische Population. Im Lehrter Ortsteil Immensen hat der Anglerverband Niedersachsen im Oktober aber ein Pilotprojekt gestartet. Dort wurden 1000 gesunde Edelkrebse einheimischer Genetik in einen Baggersee ausgesetzt. Vorher hatte ein Test mit 120 Reusen ergeben, dass dort bisher keine Krebse leben, entsprechend also auch keine Krebspest verbreitet ist. In Zusammenarbeit mit dem Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut soll beobachtet werden, wie sich die Krebse dort vermehren. 2014 war ein ähnliches Projekt schon einmal gescheitert. Ziel ist, der einheimischen Edelkrebsart geschützte Refugien zu schaffen.

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