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Hannover Sporadisch unrasiert – Toepffer nimmt Abschied vom CDU-Vorsitz
Nachrichten Hannover Sporadisch unrasiert – Toepffer nimmt Abschied vom CDU-Vorsitz
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00:22 05.05.2019
Dirk Toepffer mit einem seiner schottischem Hochlandrinder. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Manchmal holt Menschen ihre Vergangenheit ein, noch während sie im Amt sind. Hannovers CDU-Vorsitzendem ging es so, als er vor Kurzem in Anderten auftrat. Nachdem Dirk Toepffer, 53, seine Rede gehalten hatte, kam ein Parteimitglied auf ihn zu und sprach ihn mit dem resigniert klingenden Satz an: „Jetzt bin ich schon solange in der CDU und immer kommt der Toepffer.“ Was sich anhörte, als sei es nun auch genug. Weil er ein Mensch ist, der über sich selbst lachen kann, erzählt der Parteichef diese Anekdote wie nebenbei, aber in belustigtem Tonfall.

Dass immer der Toepffer kommt, damit ist nun Schluss. Seit 17 Jahren steht er inzwischen an der Spitze der Union, was er selbst „irre“ findet, so irre lange, dass er beim nächsten Parteitag am Montag nicht mehr zur Wahl steht. Er wird trotzdem länger im Amt gewesen sein, als Kohl Kanzler war. 2002, in Toepffers erstem Jahr als Vorsitzender, gab es noch keine Smartphones, „heute daddelt bei Sitzungen die Hälfte der Leute mit dem Handy und hört einander nicht zu“. Damals war die CDU der Landeshauptstadt ein zerstrittener Haufen mit hohen Schulden, in dem Herren Krawatte mit Weste trugen und manche Dame von oben spitze Blick auf Leute warf, die nicht ins Weltbild passten. Mit Dirk Toepffers Wahl erweiterte die CDU ihr politisches Repertoire um das sporadisch Unrasierte.

„Die CDU braucht neue Leute“

Wespen schwirren im sehr großen Garten vor seinem Wettberger Haus, gut gewachsene Bäume stehen dort in hellem Licht, kein Lärm stört auf der Terrasse. Auf der anderen Seite grasen auf einer sehr weitläufigen Wiese vier Highland Cattles, schottische Hochlandrinder mit Ponyfrisuren, die bis zur Nase reichen. Eine Katze läuft durchs Bild dieser Idylle am Rande der Stadt, während Toepffer erklärt, warum er aufhört als Vorsitzender. „Ich mache es eigentlich schon zu lange. Ich glaube, dass ich meine Altersgruppe ausgereizt habe. Die CDU braucht neue ehrgeizige junge Leute mit neuen Ideen.“ Ein Freund erzählte ihm, dass Debatten im Kreisvorstand entschieden waren, wenn der Vorsitzende Toepffer erklärte, wie er sich etwas vorstelle, „dann dachten die, so wird es gemacht“. Er findet solche Frömmigkeit erdrückend, für beide Seiten.

Dirk Toepffer war als junger Vorsitzender angetreten, um aus der CDU eine moderne Großstadtpartei zu machen. Das war damals in Mode bei Christdemokraten, weil die Partei in Städten kaum etwas gewinnen konnten. Toepffer hat erreicht, dass das konservative Milieu aufgelockert ist. Er ist Ehrenvorsitzender der Lesbisch-Schwulen Union, die Vertreter im Vorstand hat, wo auch, Toepffer erzählt es immer wieder gerne, Vegetarier mitarbeiten und Menschen, die kein Auto besitzen. So stellt man sich eigentlich die Grünen vor. Doch für das große Ziel reichte diese Öffnung nicht: Endlich einmal in Hannover den Oberbürgermeister zu stellen, Toepffer selbst verlor als Kandidat, oder wenigstens einmal in eine Koalition im Rat zu kommen.

Rückzug trotz neuer Chance

Das nervt natürlich. Man sollte Toepffers meist unbekümmertes Auftreten jedoch nicht mit Gleichgültigkeit verwechseln. Unter einer Bedingung hätte er nämlich doch noch Zeit drangehängt: Wenn klar gewesen wäre, dass Oberbürgermeister Stefan Schostok wegen der Rathausaffäre zurücktreten muss und in absehbarer Zeit eine Neuwahl fällig geworden wäre. Alle Gründe, die zu seinem Rückzug führten, hätten immer noch gestimmt, aber dann wäre die Chance am Horizont aufgetaucht, diese irre lange Amtszeit mit einem Triumph zu krönen. „Dann hätte mich noch mal der Ehrgeiz gepackt“, er hatte schon bei OB-Kandidaten angefragt.

Doch lange schwelte die Affäre, ohne dass klar gewesen wäre, wie sie enden könnte. Dann, als in der Union alles eingetütet war und mit Maximilian Oppelt ein neuer Vorsitzender bereitstand, kam er doch, der Rückzug von Schostok, inklusive Filzverdacht. Immer wieder hatte Toepffer fehlende Skandale als einen Grund dafür genannt, dass die CDU nicht an die ewigen Sozis an der Macht heranreichte. Jetzt ist die Chance da, wohl so groß wie nie, doch diesen letzten Kampf will der Vorsitzende nicht mehr aufnehmen. Er würde wieder für zwei Jahre gewählt, „das dauert alles dann doch zu lang“.

Die Wahrheit an Toepffers Rückzug ist aber auch: Er hat dann weniger Verantwortung neben seinem Job als Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag. Weniger Kleinigkeiten, ohne die es aber nicht geht. Wahlplakate bestellen, Mitgliedertelefonate, Sitzungen. Dafür mehr Zeit für sich, wenn es gut läuft. Er sagt, dass er keinen Plan hat etwa für einen Sitz im Bundestag. Immer weiter, immer höher, oder was man selbst dafür hält oder andere einflüstern, das ist nicht seine Sache. Und dann sind da noch die Rinder. Herrliche Tiere, herrliche Steaks. Toepffer mag die Highland Cattles und ihren Ertrag. Er schlachtet selbst. „Wer Fleisch isst, muss auch töten können“, sagt er. Und auf dieser Terrasse kann man es bei einem guten Essen wirklich aushalten nach Feierabend.

Von Gunnar Menkens

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