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Hannover Reicht das Trinkwasser in der Region Hannover aus?
Nachrichten Hannover Reicht das Trinkwasser in der Region Hannover aus?
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17:56 24.07.2019
An den Wasserkaskaden im Wasserwerk im Fuhrberger Holz wird das Grundwasser mit Sauerstoff angereichert. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Es wird noch heißer. In diesen Tagen steigen die Temperaturen in der Region Hannover auf Werte um 36 Grad und mehr. Ergiebige Niederschläge hat es zuletzt im Juni gegeben – und Regen ist erst einmal nicht in Sicht. Die Meteorologen gehen davon aus, dass die Dürre weiter anhält. Die Stadtwerke in Barsinghausen rufen bereits zum Wassersparen auf und haben verboten, den Rasen mit Trinkwasser zu sprengen. Wird das Trinkwasser jetzt generell knapp, wenn es kaum regnet? Droht ein allgemeines Verbot, den Garten zu wässern? Und woher kommt unser Wasser eigentlich? Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Woher kommt das Trinkwasser in der Region?

Das Trinkwasser in der Region Hannover stammt zum größten Teil aus dem Grundwasser, das hauptsächlich bei den Wasserwerken Fuhrberg und Elze/Berkhof rund 30 Kilometer nördlich von Hannover gefördert wird. In geringen Mengen wird es aus Quellwasser im Deister gewonnen. Zudem wird Wasser aus den Talsperren Söse und Grane im Harz für die Trinkwasserversorgung genutzt. 16 Versorgungsunternehmen sind nach Angaben der Regionsverwaltung für die Aufbereitung und Einspeisung des Wassers in das Leitungsnetz zuständig. Dazu gehören unter anderem das in Wolfenbüttel ansässige private Unternehmen Purena, die Harzwasserwerke, der Wasserverband Nordhannover in Burgwedel, die Energie- und Wasserversorgung Ronnenberg, der Wasserverband Garbsen-Neustadt sowie die Stadtwerke Burgdorf und Lehrte.

Wer versorgt die meisten Haushalte in der Stadt?

Der größte Wasserversorger hier ist Enercity. Das Unternehmen versorgt 700.000 Menschen in der Stadt Hannover und einigen angrenzenden Gebieten, dazu gibt es mehrere kleine Wasserversorgungsunternehmen. Enercity bezieht 90 Prozent des Trinkwassers aus dem Grundwasser unter dem Fuhrberger Holz im Norden der Region. Dazu kommen rund 5 Prozent aus dem Wasserwerk in Laatzen-Grasdorf und weitere 5 Prozent aus den Talsperren im Harz. Insgesamt speist Enercity jedes Jahr rund 43 Millionen Kubikmeter Wasser in das Netz ein – das entspricht ungefähr dem Inhalt des Steinhuder Meers.

Gibt es ausreichend Trinkwasser?

Ja, allein das Reservoir im Grundwasser des Fuhrberger Holzes hat eine Kapazität von 600 Millionen Kubikmetern, Enercity entnimmt pro Jahr rund 42 Millionen Kubikmeter. Das Grundwasserreservoir speist sich aus Niederschlägen, die langsam durch den Boden sickern.

Wie sauber ist das Trinkwasser?

Enercity nimmt pro Jahr mehrere Tausend Proben in den Wasserwerken und im Netz. Das Wasser weist nach Unternehmensangaben ein ausgewogenes Mineralienverhältnis auf und ist zudem sehr nitratarm.

Warum ist das Leitungswasser auch im Sommer so schön kühl?

Das Grundwasser wird aus 30 Metern Tiefe entnommen, dort ist es sehr kühl. Auch die Speicherung und Weiterleitung des Trinkwassers findet meist im Erdreich statt.

Wie viel Trinkwasser verbrauchen wir?

Der durchschnittliche Verbrauch liegt bei 127 Litern pro Person und Tag, ohne den Einsatz von Trinkwasser im Garten. Wer eine Rasensprenganlage betreibt, verbraucht schnell 600 bis 800 Liter pro Stunde zusätzlich.

Steigt der Verbrauch mit zunehmender Hitze?

Grundsätzlich ja. Bei Enercity waren die zwei heißen Tage am 25. und 26. Juni bisher die Tage mit dem höchsten Wasserverbrauch, berichtet Sprecher Dirk Haushalter. An beiden Tagen wurden jeweils mehr als 160.000 Kubikmeter verbraucht, das entspricht rund einer Million bis zum Rand gefüllter Badewannen. Derzeit ist der Verbrauch aber nicht so hoch, wegen der Ferienzeit sind viele Menschen nicht in Hannover und der Region.

Wasserversorgung ist Aufgabe der Kommunen

Die Wasserversorgung ist in Deutschland grundsätzlich Aufgabe der Kommunen. Sie vergeben Konzessionen an Unternehmen, die Trinkwasser fördern und liefern wollen. Über Entnahmemengen und Aufbereitung wiederum wacht die Region Hannover als zuständige Wasserbehörde. „Wir achten unter anderem darauf, dass nicht zu stark in den Grundwasserkörper eingegriffen wird“, sagt Sprecher Klaus Abelmann.

Die Grenzen der 16 Unternehmen, die in Region in der Trinkwasserversorgung tätig sind, entsprechen nicht immer den politischen. Unternehmen wie Enercity sind nicht nur im kompletten Stadtgebiet Hannovers tätig, sondern auch in angrenzenden Kommunen. In anderen Städten wie etwa Neustadt oder Langenhagen gibt es mehrere Versorger, die sich das Gebiet aufteilen. Ein Teil der Stadt Burgdorf sowie einzelne Ortsteile wiederum werden von den örtlichen Stadtwerken versorgt, andere Burgdorfer Gebiete vom Nordhannoverschen Wasserverband mit Sitz in Burgwedel.

Die Stadtwerke Barsinghausen haben das Wässern von Rasenflächen und das Befüllen von Pools mit Trinkwasser verboten. Drohen ernsthafte Engpässe?

Nein. Der Aufruf der Stadtwerke Barsinghausen ist eine Vorsichtsmaßnahme. Im vergangenen Jahr waren die Stadtwerke an technische Grenzen gestoßen, weil sie in den Spitzenzeiten nicht so viel Wasser aufbereiten konnten, wie benötigt wurde. Grundwasser war genügend vorhanden. Die Stadtwerke sollen in den nächsten Jahren ein leistungsfähigeres Grundwasserwerk bekommen. Doch derzeit ist Barsinghausen ein Einzelfall. Weder Enercity noch der Wasserverband Garbsen-Neustadt, der im Juni zum Wassersparen aufgerufen hatte, planen Beschränkungen. Die Lage sei entspannt, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Wasserverbands, Sebastian Kratz. Der Nordhannoversche Wasserverband, der rund 30.000 Haushalte in der Region versorgt, ruft seine Kunden auf seiner Internetseite seit Juni zum Wassersparen in Hitzeperioden auf – vorsorglich und auf freiwilliger Basis. Er empfiehlt Zurückhaltung bei der Gartenbewässerung, vor allem in den abendlichen Spitzenverbrauchszeiten. Engpässe beim Trinkwasser seien nicht zu befürchten, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Henning Schlaefke.

Wo gibt es in Hannover Trinkwasserbrunnen?

An folgenden Standorten sprudelt Trinkwasser aus Brunnen: Am Bache, Oesterleyplatz, Fiedelerplatz, Bonifatiusplatz, Plauener Straße, Sallplatz, Am Küchengarten/Ecke Haasemannstraße, Sahlkampmarkt/Ecke Elmstraße, Herrenhäuser Markt, Velvetplatz, Davenstedter Markt, Schiller-/Georgstraße neben dem Schillerdenkmal, August-Holweg-Platz, Thie/Ecke Wülferoderstraße. Das Wasser aus den anderen Brunnen in der Stadt ist kein Trinkwasser.

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