Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Elektroroller in Fußgängerzonen: Der Ärger wächst
Nachrichten Hannover Elektroroller in Fußgängerzonen: Der Ärger wächst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:18 24.09.2019
Platz da: Ein Mann fährt mit dem E-Scooter auf der Georgstraße – eine Fußgängerzone. Das ist verboten, wird aber kaum beachtet. Quelle: Rainer Dröse
Anzeige
Hannover

Rainer-Jörg Grube hat auf der Limmerstraße schon fast alles gesehen. „Unfälle zwischen E-Scooter und Auto, E-Scooter und Fahrradfahrer, E-Scooter und Fußgänger und E-Scooter untereinander.“ Einzig Unfälle mit Stadtbahnen oder Bussen musste der Bezirksbürgermeister von Linden-Limmer noch nicht erleben.

Grubes Beobachtungen sollte man auf der Limmerstraße oder anderen Fußgängerzonen in der Stadt eigentlich gar nicht machen können. Denn in diesen verkehrsberuhigten Bereichen haben E-Scooter grundsätzlich nichts zu suchen. Die Straßenverkehrsordnung und die Elektrokleinstfahrzeugeverordnung – denn als solche gelten die Scooter im Behördendeutsch – verbietet das Fahren auf Fußwegen. Viele Scooterfahrer kennen nach Angaben der Polizeidirektion Hannover die Regeln jedoch nicht.

Mehr als 100 Verstöße

Die Scooter sind erst seit drei Monaten in der Stadt zugelassen. Vor wenigen Tagen hat die Polizeidirektion Hannover eine erste Bilanz mit Blick auf die neuen Verkehrsteilnehmer veröffentlicht: Es wurden bereits mehr als 100 Verstöße festgestellt – „das Fahren auf Fußgängerwegen und in Fußgängerzonen macht den Großteil der Verstöße aus“, teilte die Polizei dazu mit. „Dabei haben die kontrollierenden Beamten festgestellt, dass die Nutzer häufig keine Kenntnis darüber haben, welche Verkehrsregeln für sie gelten.“

„Die Nutzer haben häufig keine Kenntnis, welche Verkehrsregeln für sie gelten“: Frauen fahren zu zweit auf einem Scooter in der Fußgängerzone Georgstraße. Quelle: Rainer Dröse

Die Stadt könnte die Limmerstraße, die Lister Meile oder die Einkaufsstraßen rund um den Kröpcke sogar für die Scooter freigeben. Dafür müsste sie nur ein Schild aufstellen. „In Hannover wurde das Zeichen bisher noch nicht angeordnet“, erklärte die Stadt. Ginge es nach Rainer-Jörg Grube und der CDU-Fraktionsvorsitzenden im Bezirksrat Linden-Limmer, Gabriele Steingrube, darf es dazu nicht kommen.

„Jetzt brettern da auch noch die Scooter rum“

Die Verkehrssituation auf der Limmerstraße ist schon kompliziert genug: Die Fußgängerzone zwischen Küchengarten und Kötnerholzweg ist auch für Fahrradfahrer, Busse und Stadtbahnen frei – teilweise sogar für Autos. Das sorgt immer wieder für Konflikte. So etwa, als im vergangenen Sommer ein Fußgänger und ein Fahrradfahrer in einen tödlichen Streit gerieten. „Fußgänger und Radfahrer haben es ohnehin schon schwer auf der Limmerstraße“, sagt Steingrube. „Jetzt brettern da auch noch die E-Scooter rum.“

Für Ärger sorgt auch immer wieder, wie die Scooter in den Straßen abgestellt werden – ob von den Verleihern oder den Nutzern. Laut Grube will der Bezirksrat Linden-Limmer „im Einvernehmen mit den Verleihern Standorte finden, die nicht stören“. Dabei geht es auch um Leihfahrräder.

„Würde die Stadt Maßnahmen ergreifen“

Die Stadt erklärte auf Anfrage der HAZ, die Verleihfirmen hätten die Auflage, dass „die Fahrzeuge andere Verkehrsteilnehmer weder behindern noch gefährden dürfen“. Das Abstellen der Fahrzeuge sei „in besonders sensiblen Bereichen nicht erwünscht“. Dazu zählen auch Grünanlagen, Parks und Fußgängerzonen. Die Anbieter seien dafür verantwortlich, Abhilfe zu schaffen. „Würde das Unternehmen entsprechenden Aufforderungen nicht nachkommen, würde die Stadt Maßnahmen ergreifen“, teilte ein Stadtsprecher mit.

Viele Leihfahrräder, viele Elektroroller stehen in der Innenstadt für die Nutzer bereit. Quelle: Christian Behrens

Nach Beobachtung von CDU-Fraktionschefin Steingrube wird die Einhaltung der Vorgaben von der Stadt aber kaum kontrolliert. „Seit Monaten liegen Leihfahrräder im Von-Alten-Garten herum. Am Lindener Markt werden E-Scooter so abgestellt, dass sie die Fußgängerüberwege blockieren.“

E-Scooter versperren den Weg zur Fußgängerampel – für sehbehinderte Menschen eine Stolperfalle und nach den Auflagen der Stadt verboten. Quelle: privat

Bisher sei es noch nicht nötig gewesen, dass die Stadt bei Verstößen gegen Auflagen selbst tätig wird und den Verleihfirmen dafür eine Rechnung schreibt, teilte ein Sprecher mit. „Das war bislang nicht erforderlich.“ Ein Sprecher der Verleihfirma Tier erklärte, man beschäftige Mitarbeiter, die sich um falsch abgestellte Roller kümmerten, und man stehe mit dem Ordnungsamt und der Polizei in Kontakt.

Das könnte Sie auch interessieren:

Stolperfalle: Rund um das Oktoberfest sind E-Scooter verboten

Sind die E-Scooter wirklich umweltfreundlich?

E-Scooter: 114 Verstöße und 15 Unfälle

E-Scooter in Hannover: Wo die Firmen ihre Elektroroller wiederfinden 

Von Karl Doeleke

Drei Kubikmeter Beton haben einen Abwasserkanal in der Schmiedestraße verstopft. Eine Firma bohrte zur Verankerung eines Krans Löcher in den Asphalt – offenbar zu tief. Beim Verfüllen flossen drei Kubikmeter Beton in den Abwasserkanal. Nun muss der Schaden behoben werden.

24.09.2019

Ein Lehrter Fußballer (13) wird von Gleichaltrigen Burgdorfern ins Krankenhaus geprügelt. Wie konnte es zur Eskalation kommen? Schiedsrichterin Nezihe Gündogdu schildert die Ereignisse aus ihrer Sicht. Unterdessen hat die TSV Burgdorf das Team aus der Liga abgemeldet.

25.09.2019
Hannover Lichtkunstfestival wird verschoben „Hannover leuchtet“ fällt in diesem Jahr aus

Das Lichtkunstfestival „Hannover leuchtet“ sollte im November seine zweite Auflage erleben, doch die Organisatoren haben die Veranstaltung aus Geldmangel abgesagt. Im vergangenen Jahr kamen 120.000 Besucher. Nun gibt es Pläne für 2020.

23.09.2019