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Hannover Flüchtling erhält im Irak Geschenk aus Hannover
Nachrichten Hannover Flüchtling erhält im Irak Geschenk aus Hannover
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00:16 24.12.2017
In einem Flüchtlingslager im Irak bekommt Renas ein Paket aus der  hannoverschen Aktion "Weihnachten im Schuhkarton-Aktion" geschenkt. Jetzt lebt der 17-Jährige in Hannover und und trifft Initiatorin Gabriele Sewening wieder.  Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Renas ist ganz offensichtlich kein Freund großer Worte. “Ich hab mich gefreut“, sagt der scheue 17-jährige Junge aus dem Irak knapp, wenn man ihn fragt,  wie er jenes Geschenk fand, das ein Lastwagen aus Deutschland im Winter 2014 für ihn und seinen Bruder ins ferne Flüchtlingslager in der Nähe der kurdischen Stadt Dohuk brachte.  “Ich wünsche allen Kindern, dass sie so etwas einmal erleben“, betont er später.  Flüchtlingskinder waren die beiden Jungen damals, wie die vielen anderen Kinder in dem Lager, einer riesigen Zeltstadt mit tausenden Wohnzelten, bewohnt von zehntausenden Menschen. Darunter waren auch viele Jesiden wie er, die das Massaker der Terrororganisation Islamischer Staat im Sindschar-Gebirge überlebt hatten. 

Weihnachten im Schuhkarton“ heißt die Aktion, in deren Genuss die beiden Jungen, gerade einmal 11 und 14 Jahre alt, damals kamen. In Hannover werden die Weihnachtspakete unter anderem von Gabriele Sewening aus Kirchrode gesammelt und alljährlich in aller Herren Länder verschickt. Seit 18 Jahren betreut die  66-Jährige die Aktion. Zum ersten Mal trifft sie persönlich einen Jugendlichen, der so ein Paket tatsächlich erhalten hat. „Das ist für mich etwas ganz Besonderes, dass ich jemanden kennenlerne, der mir davon erzählt.“

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Wer die Päckchen kennt, liebevoll mit Zahnputzzeug, Stiften für die Schule, Kleidung, Süßigkeiten und einem Kuscheltier gefüllt, der ahnt, dass sie auf die beiden Jungen wie ein Gruß aus einer sehr fernen, sehr fremden, sehr heilen Welt gewirkt haben müssen. Das Leben in Lagern wie dem bei Dohuk ist von großem Elend geprägt. 

Ein leises Staunen zieht sich denn auch immer noch über Renas’ Gesicht, wenn er vom Auspacken damals erzählt, von den Stiften für die Schule, über die er sich freute, obwohl er damals gar nicht zur Schule gehen durfte.  Kuscheltiere gebe es in der Kultur seines Volkes eigentlich nur für ganz kleine Kinder, sagt er und lacht. Sogar ein Brief mit Foto habe dabei gelegen. Sie hätten ihn nicht lesen können. Aber das schmälerte die Freude nicht. 

Mittlerweile lebt der Junge, der sich mit seinem Bruder als sogenannter unbegleiteter Minderjähriger später allein auf den Weg nach Deutschland machte, seit einem Jahr in einer Wohngruppe im Stephansstift. Er ist als Asylbewerber anerkannt, besucht die neunte Klasse einer Realschule und bewältigt den Stoff sehr gut, sagt Betreuerin Leonie Pietzsch. Apotheker will er später werden und sucht derzeit einen Praktikumsplatz. Weihnachten wird er diesmal mit seiner Wohngruppe feiern. Der Weihnachtsbaum im Wohnzimmer ist bereits festlich geschmückt. Auch ein Paket von „Weihnachten aus dem Schuhkarton“ wird diesmal nicht fehlen. Gabriele Sewening hat ihm persönlich eines im Miniformat geschenkt.

Von Jutta Rinas