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Hannover „Energiepolitik ist gestaltbar“
Nachrichten Hannover „Energiepolitik ist gestaltbar“
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17:52 28.01.2015
Von Conrad von Meding
Macht Südlink Sinn? Welcher Stromnetzausbau dient der Energiewende? BUND-Sprecher Werner Neumann beantwortet Fragen zur geplanten Stromtrasse. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Das gesamte Projekt will der BUND von vorne beginnen. Er hat Einspruch bei der EU-Kommission eingelegt, weil er gesetzliche Vorgaben missachtet sieht. Auf 800 Kilometern sollen die Südlinkdrähte in 70 Meter Höhe Gleichstrom von der windreichen Nordsee in den industriereichen Süden Deutschlands befördern. Der Baustart ist für 2018 vorgesehen, 2022 muss alles fertig sein, wenn das letzte Atomkraftwerk des Landes vom Netz geht. Muss alles 2022 fertig sein? Werner Neumann, wissenschaftlicher Berater des BUND in Fragen der Energiewende, glaubt nicht an die angebliche „Alternativlosigkeit“ der Planung. „Der Südlink ist nicht notwendig für die Versorgungssicherheit, sondern damit die Konzerne der Energiewirtschaft weiter billigen Strom transportieren können“, sagt er. Das gesamte Konzept folge nur dieser einen Logik – und das sei der wahre Grund, warum Alternativen nie wirklich geprüft worden seien. „Dem Anbieter Tennet sind neun Prozent Rendite auf sein Eigenkapital garantiert worden – das würde manch anderer auch gerne haben.“

Der BUND macht die Rechnung anders auf. Neumann präsentiert vor mehreren Dutzend Vertretern der örtlichen Bürgerinitiativen, dass die Stromversorgung auch in Süddeutschland auch ohne riesige Starkstromleitungen funktionieren könnte. Dafür aber müsse die dezentrale Energieversorgung ausgebaut werden, etwa mit Blockheizkraftwerken. Auch sei mehr Windenergie in Süden Deutschlands darstellbar.

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„Windenergie scheitert an der Politik“

„Windenergie scheitert in Bayern nicht am Wind, sondern an der Politik. Dank höherer Masten lässt sich längst auch in Bayern kontinuierlich Windstrom erzeugen.“ Die Energiewende, wie sie derzeit betrieben werde, sei nur die Abkehr vom Atomstrom. Eine Hinwendung zu neuen Energiekonzepten aber, wie sie etwa in Dänemark längst die Regel sind, stehe in Deutschland noch aus. Das sei schade, denn der aktuell geplante Netzausbau koste gut zwölf Milliarden Euro. Werde mehr Strom dezentral erzeugt und zudem mit eingesetzter Energie sparsamer umgegangen, ließen sich erheblich Kosten sparen.

Trotzdem – sagt der BUND-Fachmann – seien zusätzliche Leitungen sinnvoll, um flexibler reagieren zu können. So groß wie Südlink müssten sie aber nicht ausfallen, es gebe längst effizientere Techniken, um Energie zu transportieren. Neumann schlägt vor, mit Windenergie im Norden Methangas zu erzeugen, das sich in Pipelines zehnfach einfacher transportieren und zudem für Tage mit Flaute speichern lasse. Weil alle diese Aspekte nicht ernsthaft geprüft worden seien, sieht er die europäischen Umweltvorschriften verletzt. Seine Hoffnung: Die EU-Kommission könnte den Südlink stoppen. Noch aber prüft man den Einspruch in Brüssel – der Sachbearbeiter hat grad mal wieder gewechselt.     

Protest-Initiativen gründen Landesverband

Im Februar wollen 27 Bürgerinitiativen, die von Netzausbauprojekten wie Südlink betroffen sind, einen Landesverband gründen. Das teilt das Bürgerforum Burgwedel mit. Ein erstes Vorbereitungstreffen hat es in Hannover gegeben. Die Initiativen diskutieren derzeit ein Grundsatzpapier und suchen einen Namen für ihre Landesorganisation. Für Sonnabend, 21. Februar, ist die Gründungsversammlung in Hannover geplant. Ziel sind ein schnellerer Informationsaustausch und ein größeres politisches Gewicht. In anderen Bundesländern gibt es bereits Vorbilder.

Bisher hat sich der Protest gegen Südlink überwiegend im Umland Hannovers abgespielt. Inzwischen hat die Bürgerinitiative Pro Kronsberg das Thema für sich entdeckt. Sie hatte sich formiert, als Amazon/Netrada/Avarto das große Logistikzentrum am Kronsberg gebaut hat. „Auch Wülferode, an dem die Trasse entlangführen soll, liegt am Kronsberg – wir kümmern uns um das Thema“, sagt Sprecher Frank Podschadly.

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