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Hannover Erdbeer-Prinz: Bendix Meyer tritt Erbe an
Nachrichten Hannover Erdbeer-Prinz: Bendix Meyer tritt Erbe an
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06:58 09.05.2019
Karina Kuhn und Bendix Meyer in einem der Erdbeertunnel. Die tägliche Kontrolle der Pflanzen ist Bestandteil ihrer Arbeit. Quelle: Marleen Gaida
Hannover

Es sind die braunen Augen und das etwas schiefe Lächeln, das Bendix Meyer von seinem Vater vererbt wurde. Aber nicht nur die physiognomischen Merkmale hat der 23-jährige Sohn von dem verstorbenen Landwirt Hartmut Meyer übernommen. Auch 15 Hektar Erdbeerplantage gehören dem Agrarwissenschaftler seit August 2018, das Hoferbe der Familie Meyer aus Gleidingen.

Im August 2018 plötzlich verstorben: Hartmut Meyer. Quelle: Archiv

Es war kurz nach dem Maschseefest, als die Nachricht vom Tod des Erdbeerkönigs, wie viele ihn nannten, Ende August 2018 durch die Medien ging. Eine bekannte Boulevardzeitung druckte das Gesicht von Hartmut Meyer auf Seite Eins. Die Todesursache – ein Herzinfarkt. Die Hofübergabe war zu dem Zeitpunkt nicht geregelt. Hartmut Meyer war erst 57 Jahre als er starb, hatte noch viel vor – plante die Eröffnung eines Erdbeer-Cafés und Hof-Partys.

„Heute muss hier unbedingt geerntet werden“, sagt Karina Kuhn und wendet die Erdbeeren in ihren Händen. „Ja, ich denke auch“, stimmt Bendix Meyer seiner Freundin zu. Bei der täglichen Kontrolle der Pflanzen im Erdbeertunnel, müssen die beiden wichtige Entscheidungen treffen. Die Erdbeeren kommen erntefrisch in den Verkauf, dürfen nie älter als 24 Stunden sein. Die beiden gehen seit sechs Jahren als Paar durchs Leben, seit vorigem Jahr auch beruflich. „Der Tod meines Vaters hat mich aus dem Nichts getroffen“, sagt Bendix Meyer. An die Stunden der Beerdigung könne er sich kaum noch erinnern, wie in Trance hätte er den Tag durchlebt. „Von jetzt auf gleich musste alles geregelt werden, die Saison war noch nicht beendet.“ Für Karina stand in den schweren Stunden im Sommer 2018 sofort fest, nicht von der Seite ihres Partners zu weichen, unterbricht dafür ihr Studium an der Leibniz Universität. „Es gab Leute, die haben uns gesagt, lasst es lieber“, erzählt Bendix. „Aber auch welche, die meinten, ihr packt das.“

Bendix Meyer und Karina Kuhn führen seit letztem Jahr gemeinsam die Geschäfte des Gleidinger Erdbeerhofs. Quelle: Marleen Gaida

Karina Kuhn ist Teil der Betriebsleitung – kümmert sich um den Einsatz des Personals, die Belieferung der Erdbeerhäuschen. Kennengelernt haben sie sich in einer solchen Erdbeere, in der die damals 16-jährige Karina als Verkäuferin in den Sommerferien arbeitete. „Wir haben uns gesehen, und es hat sofort gefunkt“, verrät Bendix. „Seitdem haben wir uns nicht mehr losgelassen.“

Dass das Schicksal die beiden so früh in die Verantwortung für einen landwirtschaftlichen Betrieb mit weit über 50 Angestellten bringt, haben die zwei wohl damals nicht geahnt. „Karina hat die Struktur, sie erinnert mich an die Ordnung“, betont der junge Chef. Viel freie Zeit für sich hat das junge Paar seit der Übernahme des Hofes nicht mehr. Dabei teilen sie auch privat die gleichen Interessen – jagen, fischen und Motorrad fahren, das alles steht jetzt hinten an. Mit Hartmut, Bendixs Vater, hätten sie zum Schluss noch viel zusammen erlebt. „Wir waren gemeinsam in München beim Rolling Stones Konzert. Mein Vater war ein Freigeist, er wollte auch, das wir uns frei entfalten können“, sagt Bendix mit glänzenden Augen. Die Hofübernahme sei fünf Jahre zu früh gekommen, sagt er. „Es ist niemand da, der einem erklärt wie es geht. Aber jetzt ist es so.“

Die Saison hat bereits angefangen: Ende Mai beginnt das Selbstpflücken auf dem Hof, zurzeit werden die bekannten Erdbeerhäuschen in der Region Hannover aufgestellt. „Feierabend? Im Kopf nie“, sagt Karina lachend. Um 23 Uhr geht das Paar ins Bett, um am nächsten morgen um fünf Uhr wieder aufzustehen. „Wir haben uns einen Hundewelpen angeschafft. Er erinnert uns jeden Tag daran, dass es auch noch etwas Anderes als den Erdbeerhof gibt“, sagt die 22-Jährige und lächelt sanft. Auch wenn es anstrengend ist, das Paar freut sich auf eine gemeinsame Zukunft. Der Traum des Vaters lebt in ihren Köpfen weiter – das Erdbeer-Café wollen sie eines Tages realisieren.

Von Marleen Gaida

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