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Hannover Weniger Parkplätze: So will Hannover Wohnungsbau und Verkehrswende verbinden
Nachrichten Hannover Weniger Parkplätze: So will Hannover Wohnungsbau und Verkehrswende verbinden
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18:01 26.11.2019
Das ehemalige Sanitärhaus Bumke am Engelbosteler Damm soll zu einem Wohnhaus umgebaut werden. Die neuen Stellplatzregelungen dürften dem Projekt zugutekommen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Bauherren beklagen immer wieder, dass sie teure Tiefgaragen bauen müssen, um die gesetzlich geforderten Parkplätze für ein Wohnhaus nachweisen zu können. Das soll sich jetzt in Hannover ändern. Die Stadtverwaltung hat im Auftrag des Rats eine neue Satzung erarbeitet, die den Stellplatznachweis deutlich reduziert. Legt ein Bauherr zusätzlich Konzepte für alternative Verkehrsangebote vor, etwa Leihfahrräder und Carsharing, kann die Stellplatzpflicht sogar komplett entfallen. „Wir wollen einen Anreiz für Unternehmen schaffen, kreative Mobilitätsangebote zu entwickeln“, sagte Baudezernent Uwe Bodemann am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Satzung.

Niedersächsische Bauordnung: Ein Parkplatz pro Wohnung

Die Niedersächsische Bauordnung sieht grundsätzlich vor, dass Bauunternehmer pro Wohnung einen Parkplatz einplanen. Städte können von dieser Maßgabe aber schon jetzt abweichen, wenn sie der Ansicht sind, dass neue Wohnhäuser gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind. Auch Hannover hat bereits Bauvorhaben genehmigt, die rechnerisch nur 0,7 Parkplätze pro Wohnung einräumten. Die neue Satzung der Stadt soll diese Praxis jetzt systematisieren.

Satzung teilt Stadtgebiet in Zonen ein

Die Satzung teilt das Stadtgebiet in drei Zonen ein. Im Zentrum mit seinen hohen Grundstückspreisen und dem dichten Nahverkehrsnetz halbiert sich künftig die Stellplatzzahl: Für jede neue Wohnung ist rechnerisch nur noch ein halber Parkplatz nötig. Zu dieser Zone A zählen die Stadtteile Mitte und Oststadt. Den Stadtkern umgibt eine weitere Zone, in der ein Nachweis von 0,6 Stellplätzen pro Wohnung zu erbringen ist. Zu diesem inneren Ring (Zone B) gehören Stadtteile wie Nordstadt, Linden und List. Im äußeren Ring (Zone C) müssen Bauherrn 0,8 Stellplätze pro Wohnung einplanen.

Carsharing verringert Zahl der Stellplatznachweise

Alle Vorgaben seien Mindestanforderungen, betont Bodemann, wer freiwillig mehr Parkplätze bauen wolle, könne das jederzeit tun. Die Mindestanforderungen können Bauunternehmer unterschreiten, wenn das neue Wohnhaus gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist, Carsharing vorhanden oder zugesichert wird und sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen werden. Für Gebäude, in die Gewerbe einzieht, gelten die neuen Regeln nicht.

Eine Sonderstellung nimmt der geförderte Wohnungsbau ein. Für jede Wohnung, die zum Sozialtarif vermietet wird, müssen Bauunternehmer nur einen halben Stellplatz einrechnen – ganz gleich in welcher Zone das Grundstück liegt. Für Wohnungen, die mit einem Berechtigungsschein bezogen werden können, reichen 0,2 Stellplätze.

Ein Beispiel

Ein Beispiel: Ein Bauherr will in der List (Zone B) ein Haus mit neun Wohnungen errichten. Ein Drittel sind Belegrechtswohnungen, die zusammen 0,6 Stellplätze erfordern. Für die restlichen zwei Drittel gilt ein Schlüssel von 0,6 Parkplätzen pro Wohnung. Das macht zusammen mit den Belegrechtswohnungen aufgerundet fünf Stellplätze für das gesamte Haus. Organisiert der Bauunternehmer Carsharing-Stellflächen vor der Haustür, reduziert sich die Zahl individueller Parkplätze noch einmal. Wie weit das gehe, prüfe die Stadt im Einzelfall, sagt Bodemann. Ginge es stur nach der Niedersächsischen Bauordnung, müsste der Bauherr neun Parkplätze ausweisen.

Der Rat muss der neuen Satzung noch zustimmen. Bodemann geht davon aus, dass die Regelungen Anfang kommenden Jahres in Kraft treten. In den Genuss der Vorzüge könnte das Wohnungsbauvorhaben auf dem Gelände der Firma Bumke in der Nordstadt kommen. Dort will ein Investor ein neues Quartier errichten.

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Von Andreas Schinkel

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