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Hannover So denken die HAZ-Leser über Europa
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14:30 22.05.2019
Stimmabgabe für das Europäische Parlament: Rund 400 Millionen wahlberechtigte Bürger in den 28 EU-Mitgliedsländern sind aufgerufen, das neunte Europaparlament in allgemeiner, unmittelbarer, freier und geheimer Wahl zu bestimmen. Quelle: Ralf Hirschberger/dpa
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Hannover

Europa bedeutet Frieden und Freiheit: Das meint jedenfalls die Mehrheit der HAZ-Leser. Vor der Europawahl am kommenden Sonntag diskutieren die Leser über den Sinn der Europäischen Union und die Bedeutung der grenzenlosen Gemeinschaft.

EU ist die Grundlage der Erfolge

Gerhard Wolpers, Laatzen: Als Grund für Europa werden hier Fortschritte bei Verbraucherrechten, Reisen und Umweltschutz, Telefon- und WLAN-Netze genannt: Dies sind alles nette und nützliche Entwicklungen im Alltag, aber ich war erschrocken über diese Bewertung – die EU ist doch viel mehr wert! Als Kind habe ich den Krieg erlebt mit dem Verlust von Angehörigen und Bombennächten, als Jugendlicher die Nachkriegszeit mit Vertreibung, Integration, Not und Hunger. Schon während des großartigen Wiederaufbaus wurden, als Vorstufen der EU, erste Verträge aus rein wirtschaftlichen Interessen von Industrie und Arbeitnehmern zwischen den westeuropäischen Ländern geschlossen. Dann kamen weitsichtige Männer und begannen, dieses kleine Westeuropa auch politisch zu vereinen. Und Deutschland war dabei, im Gegensatz zur Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als egoistische Rachegedanken die politische Entwicklung bestimmten. Frieden halten, Toleranz, gegenseitige Anerkennung und Hilfen brachten schnelle Erfolge. Aber statt den mühsamen und sehr langen Weg zum Aufbau eines gemeinsamen Sozialgefüges weiter zu gehen, suchten die Nachfolger der Männer der ersten Stunde den leichteren und schnelleren Weg zum Erfolg und weiteten dieses erst halbfertige Gebilde EU auf alle Staaten aus, die sich nicht wehrten; manchmal war das Gefühl, nur um andere Staaten zu ärgern. ... Wenn die Katastrophen des 20. Jahrhunderts überhaupt einen Sinn haben, dann ist die Gründung der EU das nachhaltigste Ereignis für Europa. Wann hat es hier über 70 Jahre Frieden gegeben? Noch lebt die EU, und es lohnt sich für alle Wähler, gerade wenn sie die Schrecken des vorigen Jahrhunderts nicht erleben mussten, sich zu informieren und für die Zukunft der EU einzusetzen und selbstverständlich die Erleichterungen im Alltag zu nutzen.

Besorgt über politische Entwicklung

Heinrich Homburg, Wunstorf: Als jahrzehntelanger HAZ-Leser bin ich, Jahrgang 1938, durch Ihre Zeitung recht gut informiert und noch an vielen Dingen des Lebens interessiert. Die politische und gesellschaftliche Entwicklung in letzter Zeit bereitet mir und auch Ihnen große Sorgen Die Artikel in der HAZ lassen das deutlich erkennen. Bleiben Sie bei einer offenen, wahren und der Demokratie fördernden Berichterstattung. Natürlich gehe ich zur Europawahl und kenne ich mich leidlich gut aus mit dem Parlament und der Kommission.

Parteien sollten Zeigefinger unten lassen

Wolfgang H. Zerulla, Burgwedel: Nun ermahnen die Parteien uns Wähler wieder mit erhobenem Zeigefinger: „Wählen gehen! Wer nicht wählt, stärkt die Populisten!“ Das stimmt natürlich. Je geringer die Wahlbeteiligung, umso höher die Stimmanteile der rechten Hetzer. Und es soll uns Wähler in Gewissensnöte bringen – denn die Populisten sind eine Gefahr für unsere Freiheit und Demokratie. Aber was, wenn der geneigte Wähler die etablierten Parteien nicht mehr wählen kann, weil sie sich viel zu weit vom Volk entfernt haben? Weil die etablierten Parteien den Wähler nicht dort abholen, wo er mit all seinen Sorgen und Nöten steht, sondern ihm mit ihren Wahlversprechen nur ideologische Sprechblasen liefern? ... Nein, nicht der Wähler muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn er nicht wählen geht und so zum Erfolg der Populisten beiträgt. Sondern die etablierten Parteien müssen sich endlich einmal fragen, warum sich sowohl ihre Mitgliederzahlen als auch die auf sie entfallenden Wählerstimmen nahezu halbiert haben. Solange die etablierten Parteien über die Sorgen und Nöte der Wähler hinwegregieren, sollen sie ihren Zeigefinger mal schön unten lassen. Denn die Nichtwähler sind keine Minderheit, die man in die Buhmann-Ecke stellen kann. Sie werden voraussichtlich auch bei dieser Europawahl wieder die Mehrheit stellen.

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Nie wieder auf Vorteile verzichten

Achim Bothmann, Nordstemmen: Es ist gut, dass es die EU gibt! Ich muss nicht dauernd meinen Reisepass zücken, ich kann ohne Problem im Ausland studieren oder arbeiten, ich kann überall mit einheitlichem Zahlungsmittel einkaufen, ich kann in Frieden leben ... Das sind nur einige wenige Beispiele, die wir uns immer wieder bewusst machen sollten. Leider steigt die Anzahl der Kritiker an diesem Zusammenschluss. Sie prahlen sinnfreie Parolen in die Gegend und machen sich keinerlei Gedanken, was Europa überhaupt bedeutet. Ich versuche mal, es auf eine für mich geltende, kurze Formel zu bringen: Freiheit + Gleichheit + Gerechtigkeit + Grenzenlosigkeit + Währungsunion = Europa = Frieden!Die EU sollte allerdings selbstbewusster werden. Das wiederum klappt nur, wenn wir ihr als Bürger vertrauen und gute Leute nach Brüssel oder Straßburg entsenden. Also: Wählen gehen! Was hindert uns daran?

Kontinent der Gemeinsamkeiten

Ghita Cleri-Böhlmann, Hannover: Zu viele Menschen nehmen die Europawahl nicht ernst und sehen sie als unwichtig an, weil das, was gemeinhin unter „Europa“ rüberkam, leider zum Synonym für Bürgerdistanz und Sinnlosigkeit wurde. Die Generation, die den Gedanken „Vereinigtes Europa“ zum Entstehen und Leben brachte, die mit ihrem Einsatz für die Visionen eines Kontinents der Gemeinsamkeit aller seiner Völker und Nationen erfolgreich kämpfte, hatte die zerstörerische Vergangenheit noch in den Knochen und träumte davon, vereint in Frieden und Freiheit miteinander zu leben. Rückblickend sollten wir ehrlich sein: Sie haben gute Arbeit geleistet! Sicherheit und Wohlstand sind keine Selbstverständlichkeit, und Frieden muss bewusst geschätzt und erarbeitet werden. Es ist nicht geschenkt, aber die Kraft und den Aufwand wert, im Geiste Europas unermüdlich weiterzumachen.

Ich bin als Italienerin geboren, habe einen luxemburgischen Pass, bin mit einem deutschen Mann verheiratet und lebe in zwei Ländern. Meine direkten Vorfahren kamen aus Italien, Luxemburg, Deutschland und Polen. Als Kind erlebte ich noch scheinbar unüberwindliche Länder- und Sprachengrenzen und die von Angst und Fremdheit geprägten Grenzen in den Köpfen und Herzen meiner Nachbarn. Heute bin ich Europäerin, und wenn ich mich an Grenzen stoße, dann an denen, die immer noch in den Köpfen und Herzen mancher Menschen sind. Ich wünsche mir, wir könnten auch die überwinden.

Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Damit möglichst viele Leser zu Wort kommen, müssen wir Leserbriefe gelegentlich kürzen. Bei allen Einsendungen bitten wir um Angabe der vollständigen Absenderadresse.

Von HAZ

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