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Hannover So reagieren die Parteien in Hannover – großes Seufzen bei der SPD, Jubel bei den Grünen
Nachrichten Hannover So reagieren die Parteien in Hannover – großes Seufzen bei der SPD, Jubel bei den Grünen
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10:50 27.05.2019
Jubel bei den Grünen in Hannover. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Die erste Prognose sagt für die SPD ein Ergebnis von 15,5 Prozent voraus – ein Seufzen geht durch die Reihen der Sozialdemokraten im Kurt-Schumacher-Haus in Hannover. Vereinzelten Applaus gibt es lediglich, als das Ergebnis der Grünen von mehr als 20 Prozent auf dem Bildschirm erscheint. Mit sich selbst können die Sozialdemokraten nicht zufrieden sein. „Wir konnten den Bundestrend nicht durchbrechen“, sagt SPD-Spitzenkandidat Bernd Lange. Er hat trotzdem einen Sitz im Europaparlament erreicht.

Jetzt hoffen die Grünen auf eigenen OB

Bei den Grünen gibt es gleich doppelten Grund zum Jubeln:, Mit 31 Prozent haben sie die meisten Stimmen in Hannover erhalten. „Wir sind überglücklich“, sagt Gisela Witte, Vorsitzende des Stadtverbands. Den Schwung wolle ihre Partei nun auch für die anstehende Wahl des Oberbürgermeisters mitnehmen: „Wir hoffen auf einen grünen OB“, sagt Witte. Wenn die Partei am 12. Juni einen Kandidaten wählt, wolle man „alle Bürger mitnehmen“. Ziel sei es, den „politischen Stillstand in Hannover aufzubrechen“, so die Vorsitzende.

SPD bricht in Hannover ein

Auch auf der kommunalen Ebene ist die SPD eingebrochen und liegt sogar leicht hinter der CDU. Die SPD hat 19,5 Prozent der Stimmen in Hannover bekommen, die CDU 19,7 Prozent. Die Grünen haben 31,1 Prozent, die Wahlbeteiligung lag bei 63, 6 Prozent.

„Diese Tendenz ist in allen Städten erkennbar“, sagt Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci. Bundesthemen hätten die Wahlentscheidung bestimmt. „Die Rathausaffäre hat kaum einen Einfluss auf das Ergebnis gehabt“, gibt er sich überzeugt. Für die im November anstehende Wahl eines neuen Oberbürgermeisters sieht Kirci einen harten Wahlkampf auf die SPD zukommen. „Das Rennen ist offen“, sagt der SPD-Chef. Man habe aber mit dem ehemaligen Kämmerer Marc Hansmann einen überzeugenden Kandidaten gefunden. Das derzeitige Wahlergebnis auf kommunaler Ebene mache deutlich, sagt Kirci, dass die SPD den OB-Wahlkampf nicht auf die leichte Schulter nehmen könne. Klar sei aber auch: „Die SPD befindet sich in der Krise – bundesweit.“

“Ihr habt gekämpft“: SPD-Spitzenkandidat Bernd Lange tröstet die Parteimitglieder. Er selbst hat den Sprung in das Europaparlament wieder geschafft. Quelle: Tim Schaarschmidt

CDU: Kuban muss um Mandat bangen

Kann Tilman Kuban ins EU-Parlament einziehen? Bis darüber Klarheit herrscht und die Stimmen ausgezählt sind, steht der CDU noch ein langer Abend bevor. „Es wird knapp”, sagt Kuban, der mit den Zwischenergebnissen auf Bundesebene nicht zufrieden ist. „Wir gehen davon aus, dass die Ergebnisse auf Niedersachsen-Ebene besser werden“, sagt Kai Seefried, Generalsekretär der CDU in Niedersachsen. „Die Partei hat gekämpft“, sagt Maximilan Oppelt, Parteivize der CDU Hannover. „Im Wahlkampf haben wir auf den Straßen gemerkt, dass es um etwas geht.“ Kuban tritt für die CDU bei der Europawahl an und steht auf Platz 4 der Landesliste in Niedersachsen. Der mögliche Einzug ins Europaparlament könnte Kubans Geburtstagsgeschenk werden: Der Barsinghäuser ist am Wahlsonntag 32 Jahre alt geworden.

CDU-Kandidat Tilman Kuban. Quelle: Samantha Franson

Langensiepen (Grüne): „Ein Hammerergebnis“

„Riesenjubel bei rund 100 Besuchern auf der Wahlparty der Grünen: Katrin Langensiepen zieht ins EU-Parlament ein. „Wahnsinn! Das ist ein Hammerergebnis”, sagt die 39-Jährige. Bis zu 22 Prozent der Wähler gaben der Partei ihre Stimme - „ich war vorher vorsichtig optimistisch”, sagt Langensiepen und bedankt sich für die “maximale Solidarität“ in der Partei. Im hannoverschen Parteibüro wird jetzt gefeiert. Für Langensiepen steht demnächst ein Umzug an. „Ich muss mich erstmal in Brüssel anmelden und registrieren”, sagt sie. “Dann geht es nächste Woche erst so richtig los.”

Wahlbeteiligung bei 60.5 Prozent

In Hannover ist das Interesse an der Europawahl groß gewesen: Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Stadtverwaltung um 17 Uhr bei 60,5 Prozent der rund 373.000 Wahlberechtigten. Das ist deutlich mehr als vor fünf Jahren: Bei der Europawahl 2014 waren es zum gleichen Zeitpunkt 43,3 Prozent.

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Langensiepen vor der Parteizentrale in Hannover. Quelle: Manuel Behrens

 FDP ist nicht zum Feiern zumute

Hannovers Liberale erwarten den Ausgang der Wahl im Restaurant Aresto am Hohen Ufer. Bei der vergangenen Europawahl hatten die Liberalen nur drei Sitze errungen. Dieses Mal sind es fünf. „Wir haben zugelegt, das ist die gute Nachricht“, sagt FDP-Landtagsfraktionschef Stefan Birkner. Dennoch habe man sich ein besseres Ergebnis gewünscht. Der niedersächsische Spitzenkandidat Jan-Christoph Oetjen hat seinen Sitz im Europaparlament voraussichtlich errungen. „Noch will ich nicht jubeln“, sagt Oetjen. Zufrieden könne man jedenfalls nicht sein. Erfreulich aber sei, dass es keinen Rechtsruck in Europa gegeben habe.

Linke nicht begeistert

Die Linke hat sich bei Arminia auf der Bult versammelt, um die Wahlergebnisse zu verfolgen. Die Stimmung ist nicht überschäumend. „Wir sind unter unseren Erwartungen geblieben“, sagt Linken-Parteichef Johannes Drücker. Leider sei es nicht gelungen, in unsicheren Zeiten den Abgehängten eine Stimme zu geben. Jetzt müsse man darüber nachdenken, warum das so ist.

FDP-Landtagsfraktionschef Stefan Birkner (li.) und Spitzenkandidat Jan-Christoph Oetjen verfolgen die Wahlergebnisse im Aresto – und sind nicht vollends zufrieden. Quelle: Tim Schaarschmidt

Düstere Stimmung im Kurt-Schumacher-Haus

Im Kurt-Schumacher-Haus wird die Stimmung derweil düsterer. Spitzenkandidat Bernd Lange spricht den Sozialdemokraten nach Verkündung der Hochrechnungen Mut zu. „Ihr habt gekämpft“, sagt er und erntet Applaus. Dennoch müsse sich jetzt bei der SPD einiges ändern, sagt Lange später im Gespräch mit der HAZ. „Mehr Geschlossenheit, klare Position, Versprechen umsetzen – daran müssen wir arbeiten“, sagt er. Viele hochrangige Sozialdemokraten verlassen kurze Zeit später den Saal, darunter OB-Kandidat Marc Hansmann. Ein nachdenkliches Gesicht macht Regions-Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz. „Die SPD scheint für die Wähler in ihren Positionen nicht erkennbar zu sein“, sagt er. In einigen Bereichen könnte die SPD entschlossener auftreten, etwa in der Umweltpolitik. „Schließlich stellen wir die Bundesumweltministerin“, sagt er. Auch die hannoversche Parteispitze ist entsetzt. „Das ist ein sehr bitteres Ergebnis“, sagt der Parteivize der Regions-SPD, Adis Ahmetovic.

Resignation herrscht bei der SPD im Kurt-Schumacher-Haus nach Verkündung der ersten Hochrechnungen. Quelle: Tim Schaarschmidt

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