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Hannover Experten uneins über legale Abgabe in Hannover
Nachrichten Hannover Experten uneins über legale Abgabe in Hannover
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18:13 20.11.2017
Sollte Hannover eine Studie zur legalen Abgabe von Cannabis auf die Beine stellen? Im Sozialausschuss haben Experten das Thema kontrovers diskutiert. Quelle: dpa
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Hannover

 Ärztekammer und Polizei sind sich einig: Cannabis ist eine gefährliche Einstiegsdroge, die zu schweren psychischen Störungen führt. Einen Modellversuch zur legalen Abgabe in Hannover lehnen sie strikt ab. Aus Sicht von Suchtberatern und Rechtsanwälten sollte es die Stadt dagegen auf einen Versuch ankommen lassen und den Cannabis-Konsum aus der verbotenen Zone holen. Höchst unterschiedliche Meinungen sind am Montag im Sozialausschuss bei einer Expertenanhörung aufeinander geprallt. Im Kern stand die Frage, ob Hannover Cannabis unter kontrollierten Bedingungen und mit wissenschaftlicher Begleitung an Erwachsene ausgeben sollte.

Ein Modellversuch dürfte für Hannover teuer werden. Die Stadt Düsseldorf stellt derzeit die politischen Weichen für die Cannabis-Abgabe und rechnet mit Kosten von bis zu einer Million Euro für die Studie. „Wir haben zuvor eine Fachtagung zu dem Thema organisiert und Gespräche mit der Uni geführt“, sagt Trudpert Schoner, Suchtkoordinator bei der Stadt Düsseldorf. Allein diese Vorbereitung auf den Modellversuch habe bereits 20 000 Euro verschlungen. 

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Die Präsidentin der Ärztekammer, Martina Wenker, rät, die Finger von einer Legalisierung zu lassen. „Die Droge hat erhebliche Auswirkungen auf das Ungeborene bei jungen, schwangeren Frauen“, sagt sie. Auch junge Erwachsene können psychische Störungen bis zu Depressionen erleiden. Die beste Prävention sei, die Droge gar nicht erst zuzulassen.

Dem schließt sich Renate Folberth-Seibel, Kriminaldirektorin der Polizei Hannover, an. Sie betont, dass Cannabis ein hohes Suchtpotenzial habe und keineswegs als weiche Droge gelten sollte. Der Anteil des Rausch verursachenden Wirkstoffs THC liege bei hoch gezüchteten Hanfpflanzen inzwischen bei bis zu 30 Prozent, früher seien es drei bis fünf Prozent gewesen. „Ein Modellprojekt zur legalen Abgabe ist das falsche Signal“, meint Folberth-Seibel

Völlig anderer Meinung ist Strafverteidiger Andreas Hüttl. „Der Reiz des Verbotenen entfällt bei einer Legalisierung“, sagt er. Zudem könne verhindert werden, dass die Droge an Minderjährige verteilt werde. Hüttl zieht einen Vergleich zur legalen Droge Alkohol. Bei etlichen Gewaltdelikten seien die Beteiligten schwer alkoholisiert. „Ich kenne nciht ein Verfahren, bei dem Menschen unter dem Einfluss von Cannabis Gewalt ausgeübt haben.“

Auch Lennart Westermann von der Drogenberatungsstelle drobs kann sich für eine kontrollierte Abgabe erwärmen. „Dann könnten wir parallel Beratung anbieten“, sagt er. Henry Wieker vom Cannabis Social Club Hannover hat auch schon eine Idee, in welcher organisatorischen Form der Cannabis-Verkauf erfolgen könnte und verweist auf seinen Verein. „Es müssen Flächen für den Anbau bereit gestellt werden, es darf kein Handel mit den Produkten betrieben und eine Höchstmenge an die Mitglieder verteilt werden“, schlägt er vor. Apothekerin Gunda Reichenbach stimmt dem Vorschlag zu und empfiehlt der Stadt, den Cannabis-Versuch zu wagen.

Die Ratspolitik überwiegt die Skepsis. „Welche Erkenntnisse soll ein Modellversuch bringen?“, fragt FDP-Sozialpolitiker Patrick Döring. Polizeidirektorin Folberth-Seibel zuckt die Achseln. Auch in der SPD wird die Cannabis-Abgabe kritisch gesehen. 

Von Andreas Schinkel

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