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Hannover Für kleine Festivals wird das Buchen von großen Bands immer schwieriger
Nachrichten Hannover Für kleine Festivals wird das Buchen von großen Bands immer schwieriger
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12:30 28.06.2019
Auf dem Fährmannsfest 2018 ist die in Hamburg gegründete Punk-Rock-Band Montreal aufgetreten. Quelle: Irving Villegas
Hannover

Dass sich das Line-up am Ende so liest, war nicht abzusehen. Kettcar, Mia, Dritte Wahl – die Bandnamen klingen recht prominent für ein kleines Festival im Hannoverschen Kulturkalender. Dabei hatten die Veranstalter des Fährmannsfestes zwischenzeitlich überlegt, das Programm runterzufahren oder gar auf Headliner dieser Art zu verzichten. Aber warum?

Große Bands auf kleine Bühnen zu bringen ist mittlerweile ein Überzeugungsakt. Davon kann Dirk Sadlon, verantwortlich für das Booking beim Fährmannsfest, ein Lied singen. „Die Künstler verdienen ihr Geld heute mehr oder weniger nur durch Auftritte“, meint Sadlon. Die Zeiten, in denen Festivals und Konzerte reine Promotion für die Platten oder CDs waren, sind vorbei. Dadurch steigende Künstlergagen setzen die Veranstalter unter finanziellen Druck.

Band-Booking als Überzeugungsarbeit

Die Finanzen eines Festivals laufen über Sponsoring, Getränkeverkauf und Eintritt. Ein Zweitagesticket beim Fährmannsfest kostet 35 Euro, der dritte Tag ist sogar kostenlos. Wer wie Sadlon und sein Team die Preisleiter nicht mit aufsteigen möchte, bekommt zunehmend Probleme, die hohen Band- und auch Produktionskosten zu decken. Auf dem Fährmannsfest versuchen die Veranstalter deshalb schon seit Jahren, einen anderen Weg zu gehen.

Die Idee: Bands verzichten auf Teile ihrer üblichen Gage, weil sie von dem Inklusionsgedanken des Festivals, der politischen Ausrichtung oder aber dem kulturellen Anteil überzeugt sind. Bei einem Großteil der Künstler habe das auch in diesem Jahr geklappt, meint Sadlon. Bei den internationalen Bands seien die Inhalte hingegen schwerer zu vermitteln – „die bekommen ihre feste Gage oder eben nicht“. Darüber wundert sich Sadlon auch nicht wirklich. Dass jedoch linksgerichteten Punkrock-Bands sowohl der Eintritt als auch die Gage zu niedrig war, findet er merkwürdig.

Große Festivals belegen Bands mit Gebietssperren

Wie lange dieses Spiel der Überzeugung also noch weiterläuft, ist unklar. Neben den hohen Gagen kommt noch ein neuer Störfaktor hinzu, bei dem die Big Player auf dem Markt eine Rolle spielen. „Größere Festivals wie das Hurricane haben in ihren Verträgen einen Gebietsschutz“, erklärt Sadlon. Das verbiete den Bands, zu bestimmten Zeiten vor und nach dem Festival sowie in einem bestimmten Umkreis woanders aufzutreten. Es geht noch nicht einmal nur um die ganz großen Künstler, sondern um die Exklusivität im hart umkämpften Festival-Markt. „Eine Eröffnungsband vom Hurricane kann deswegen bei uns nicht spielen“, sagt Sadlon.

„Uns fehlt auch der Dank“

Die Kleinen befinden sich mitten im Teufelskreis aus einer Krise der Musikindustrie, steigender Bedeutung von Liveauftritten und dem daraus folgenden Kampf um die Künstler. „Das Programm im Konzertbereich ist teilweise inflationär“, sagt Sadlon. Ein Ausweg ist erstmal nicht in Sicht. Was sich Sadlon aber wünscht: Eine Kulturförderung durch die Stadt. Als nicht kommerzieller Veranstalter würden sie die Veranstaltung schließlich auch für die Stadt machen. Die Förderung für das diesjährige Festival wurde laut Veranstalter nicht bewilligt – 8000 Euro fehlen dadurch. Doch Sadlon vermisst nicht nur die finanzielle Unterstützung. „Uns fehlt auch der Dank.“

Das sind die Highlights auf dem Fährmannsfest 2019

Die 36. Auflage des Open-Air-Festivals Fährmannsfest findet vom 9. bis 11. August hinter dem Faustgelände am Zusammenfluss von Ihme und Leine statt. Ein Kombiticket für Freitag und Sonnabend kostet 35 Euro (nur Freitag 25 Euro, nur Sonnabend 11 Euro). Der Sonntag ist ohnehin kostenlos. Am Freitag steht als Headliner die Indie-Rock-Band Kettcar auf der Bühne. Der Sonnabend steht ganz im Zeichen des Punk mit den Headlinern Dritte Wahl und ZSK. Poppiger wird es am Sonntag mit Mia. Dazu treten viele lokale Bands auf. Kulturelle Highlights sind ein Open-Air-Poetry-Slam und eine inklusive Modenschau. Am Sonnabend und Sonntag findet ab 15 Uhr das Kinderfest mit Wasserspielen, Hüpfburg und Holzkarussell statt. Das komplette Programm gibt es hier nachzulesen.

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Von Sebastian Stein

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