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Hannover Polizeikontrollen: Radfahrer begehen Verstöße im Minutentakt
Nachrichten Hannover Polizeikontrollen: Radfahrer begehen Verstöße im Minutentakt
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20:36 24.04.2019
Kontrollen an mehreren Standorten: Auch an der Marienstraße überprüft die Polizei das Verhalten von Fahrradfahrern. Quelle: Ingo Rodriguez
Hannover

Beim Radfahren mit dem Handy telefonieren, rote Ampeln ignorieren, den Radweg auf der falschen Straßenseite benutzen – oder sogar den Gehweg: Die Bandbreite der Verstöße von Fahrradfahrern ist überschaubar, die Häufigkeit jedoch erschreckend: Allein am Mittwoch hat die Polizei in nur wenigen Stunden an vier Kontrollpunkten im südöstlichen Stadtgebiet mehr als 60 Fahrradfahrer angehalten, die sich nicht an die Verkehrsregeln gehalten hatten. „Vor allem fahren Radler immer wieder entgegen der vorschriftsmäßigen Fahrtrichtung auf Radwegen der linken Straßenseite“, sagt Polizeisprecher Philipp Hasse am frühen Nachmittag an der Marienstraße. Auch dort hat die Polizeidirektion in dieser Woche anlässlich ihrer Fahrrad-Aktionswoche einen Kontrollpunkt eingerichtet. Die Beamten überprüfen noch bis einschließlich Sonntag an verschieden Schwerpunkten in Hannover gezielt das Verhalten von Fahrradfahrern. Ziel sei es, die Sicherheit von Radlern zu erhöhen. „Die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern steigt, deshalb müssen wir tätig werden“, sagt Hasse.

Kleinere Verstöße werden nicht erfasst

Zu diesem Zeitpunkt haben die Einsatzkräfte bei Kontrollen am Döhrener Turm, an der Hildesheimer Straße, der Sallstraße und der Marienstraße Verstöße im Minutentakt registriert. „Angehalten wurde auch ein Radler mit einem Blutalkoholgehalt von 1,9 Promille“, berichtet Hasse. Dem Radfahrer droht nun auch ein längerer Entzug seines Autoführerscheins. Kleinere Verstöße wie das Fahren mit einem nicht vorschriftsmäßig ausgestatteten Rad sind laut Hasse nicht in der Tagesstatistik erfasst. Denn: Wenn jemand beispielsweise ohne vorgeschriebene Speichenreflektoren die falsche Straßenseite benutzt, spricht die Polizei von „Tateinheit“ und ahndet den schwerwiegendsten Verstoß.

Einsichtige Verkehrssünder kommen mit Verwarnung davon

Kontrollen an mehreren Standorten: Auch an der Marienstraße überprüft die Polizei Fahrradfahrer. Quelle: Ingo Rodriguez

Eine 34-Jährige wird von den Beamten zur Kasse gebeten. Sie hat gerade den Radweg auf der linken Straßenseite benutzt. Die fälligen 20 Euro zahlt sie mit der EC-Karte – und ist empört. „Das ist Geldmacherei, ich bin doch deshalb kein Risikofaktor im Straßenverkehr“, sagt sie. Dass sie – wie es ihr die Polizei erklärt – von abbiegenden Autofahrern wegen der falschen Fahrtrichtung übersehen und erfasst werden könnte, sieht sie nicht ein. Schließlich achte sie auf den Querverkehr. Wegen des gleichen Vergehens wird wenig später auch ein 28-jähriger Arzt angehalten. Er kommt trotz falscher Radwegnutzung mit einer mündlichen Verwarnung davon. „Das liegt im Ermessensspielraum“, begründet ein Zivilbeamter die Milde. Der nur verwarnte Neurologe – er fuhr auch ohne Helm – habe sich zuvor einsichtig verhalten. „Ich muss künftig die Regeln beachten“, hatte er reumütig eingeräumt.

Wütende Proteste und Verfolgungsjagd

Verfolgungsjagd: Ein Fahrradfahrer flieht, bevor ihn die Polizei kontrollieren kann. Quelle: Christian Behrens

Wütend reagiert ein 17-Jähriger auf seine Strafe in Höhe von 55 Euro wegen verbotener Handynutzung während der Fahrt. Die Polizei solle lieber Vergewaltiger und Terroristen jagen, sagt er empört. Solche Reaktionen sind die Beamten gewöhnt. „Vor allem Rentner und höher gebildete Menschen sind oft sehr stur“, berichtet ein Polizist. Zu einer Verfolgungsjagd kommt es an der Marienstraße auch: Ein Radfahrer flüchtet, um sich der Kontrolle zu entziehen – und kann von Einsatzkräften weder mit Fahrrädern noch mit einem Auto geschnappt werden. „Der hatte wohl verbotene Dinge in seiner Tasche“, vermutet ein Zivilpolizist. Am Nachmittag zieht die Polizei wegen der vielen Verstöße etwas enttäuscht Bilanz. „Teilweise ist es ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt ein Beamter. Auch deshalb sollen die Kontrollen regelmäßig wiederholt werden.

Immer mehr Unfälle mit Radfahrern

Im Jahr 2017 sind in der Region Hannover genau 1764 Zwischenfälle mit Fahrradfahrern verzeichnet worden. Das geht aus einer aktuellen Polizeistatistik hervor. Die Entwicklung ist demnach besorgniserregend. Denn: Im Jahr 2018 gab es anschließend schon deutlich mehr Unfälle mit der Beteiligung von Radfahrern – genau 2057, ein Plus von fast 17 Prozent. Sieben Radler kamen laut Polizeistatistik im vergangenen Jahr bei Unfällen ums Leben, 229 wurden schwer und 1821 leicht verletzt. An den derzeitigen Kontrollen anlässlich der Fahrrad-Aktionswoche beteiligt sich wegen der beängstigenden Unfallzahlen auch der kommunale Ordnungsdienst der Landeshauptstadt und überprüft laut Stadtsprecher Udo Möller verstärkt Verstöße von Autofahrern. „Vor allem wird oft auf Radwegen geparkt“, nennt er ein Beispiel.

Von Ingo Rodriguez

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