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Hannover Fall Vanessa: Täter will höhere Strafe
Nachrichten Hannover Fall Vanessa: Täter will höhere Strafe
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00:15 23.09.2016
Von Michael Zgoll
Revision eingelegt: Daniel F., der seine Exfreundin mit Säure überschüttete, will ein neues Gerichtsverfahren – und eine höhere Strafe für sich. Quelle: dpa/Schaarschmidt
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Hannover

Auf einen ungewöhnlichen Schritt ist ein noch ungewöhnlicherer gefolgt. Als Daniel F., der die 27-jährige Vanessa Münstermann mit einer Säureattacke extrem entstellt hat, am 25. August wegen schwerer Körperverletzung zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde, hatte er in aller Öffentlichkeit erklärt, die Strafe annehmen zu wollen. Nach Ansicht vieler Prozessbeobachter war dies der einzige Moment in dem Schwurgerichtsverfahren, in dem F. eine Art von Größe zeigte. Doch nun soll dieser Rechtsmittelverzicht nicht mehr gelten. Über seinen Verteidiger Max Malpricht legte der 33-Jährige Revision ein. Völlig verrückt erscheint ein Brief, den F. an den Schwurgerichtsvorsitzenden geschrieben hat: Darin wünscht sich der Säure­attentäter, nicht nur zwölf, sondern 15 Jahre im Gefängnis zu verbringen.

Das Urteil war - da auch der Staatsanwalt auf eine Revision verzichtete - an jenem 25. August rechtskräftig geworden. Doch der Verteidiger argumentiert nun, der Angeklagte habe nicht überblickt, was ein Akzeptieren der Strafe für ihn bedeutet, auch habe er keine Gelegenheit gehabt, diesen Entschluss mit seinen Anwälten abzusprechen. Allerdings hatte F. extra darauf hingewiesen, dass seinen Verteidigern der Rechtsmittelverzicht wahrscheinlich nicht behage, er ihn aber trotzdem erklären wolle. Malpricht weiß, dass die Chancen für eine Aufhebung des Schuldspruchs nicht rosig sind, verweist jedoch auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von 1999. Demnach kann ein Rechtsmittelverzicht in Ausnahmefällen für ungültig erklärt werden: bei schwerwiegenden Willensmängeln, unzulässigen Absprachen zwischen den Verfahrensbeteiligten oder „sonstigen Umständen“ beim Zustandekommen dieses Verzichts.

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Der ehemals zweite Verteidiger von F., Benjamin Schmidt, mag diese Kapriolen nicht mehr mitmachen. Er hat sich aus dem Verfahren zurückgezogen. Vanessa Münstermanns Anwalt Matthias Waldraff hält das Unterfangen des Mannes, der das Leben seiner Ex-Freundin zerstört hat, für „unbegreiflich“ und „aussichtslos“. Auch seiner Mandantin gegenüber sei diese „Rolle rückwärts“ extrem unfair: „Auf diesem Wege quält er Vanessa noch einmal aufs Neue.“

Nun gilt es abzuwarten, bis das Gericht die Begründung des Urteils zu Papier gebracht hat, dann kann der Verteidiger Argumente für den Revisionsantrag suchen. Bis der BGH darüber befindet, dürften etliche Monate ins Land gehen.

Und warum wünscht sich F. eine höhere Strafe? Gleich zu Prozessbeginn hatten seine Anwälte gefordert, das Verfahren gegen den 33-Jährigen wegen Schuldunfähigkeit einzustellen und ihn in die Psychiatrie einzuweisen. Diesen Antrag hatte das Gericht abgelehnt.

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