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Hannover Warum diese Senioren Trickbetrügern nicht auf den Leim gingen
Nachrichten Hannover Warum diese Senioren Trickbetrügern nicht auf den Leim gingen
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00:15 02.04.2019
„Das freut uns“: Hauptkommissar Uwe Bollbach mit Editha Hoppe (li.) und Gerda B., die nicht auf die Trickbetrüger hereingefallen sind – ebenso wenig wie ein Herr aus Hänigsen, der sich aber nicht fotografieren lassen wollte. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Die Maschen der Betrüger unterliegen Moden, sagt Polizeihauptkommissar Uwe Bollbach. „Jetzt gerade sind viele falsche Polizeibeamte unterwegs“ – bis zu 70-mal an manchen Tagen haben sie –häufig aus Callcentern im Ausland, aber in akzentfreiem Deutsch, mit gewählter Aussprache und sympathischer Stimme – zuletzt bevorzugt ältere Menschen in Hannover und dem Umland angerufen. Sie haben sich als Polizeibeamte ausgegeben und Geschichten erzählt. Das Ganze, um die Menschen zu verunsichern und unter Druck zu setzen, damit sie Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände herausgeben.

Schon mehr als 800 Fälle in den ersten Monaten dieses Jahres hat die Polizeidirektion registriert – und das waren nur die Fälle, die anschließend der Polizei gemeldet wurden. „Die Dunkelziffer dürfte viel höher liegen“, erklärt Bollbach. Unter die Zahlen fallen auch nur die Fälle mit falschen Polizisten. Weitere Maschen wie der Enkeltrick oder vermeintliche Gewinnversprechen werden gesondert erfasst.

Obwohl die Polizei immer wieder warnt und besonders spektakuläre Fälle auch in der Zeitung stehen, haben die Betrüger allein in Hannover und Umland in den ersten drei Monaten des Jahres schon Beute im Wert von 350.000 Euro gemacht – im vergangenen Jahr war es sogar eine Million Euro, die ältere Menschen an Wertgegenständen herausgegeben haben.

Doch längst nicht immer fallen die ausgeguckten Opfer auch auf die Täter herein. Editha Hoppe aus Uetze, Gerda B. aus Burgdorf und ein Herr aus Hänigsen, der seinen Namen nicht nennen und nicht fotografiert werden will, erzählen, wie sie den Betrügern auf die Schliche gekommen sind:

Editha Hoppe aus Uetze:

„Es lief die Tagesschau – ich hatte es mir gerade gemütlich gemacht – da klingelte das Telefon. Am anderen Ende war jemand, der sagte, er sei von der Polizei. Mein erster Gedanke war: Oh Gott, ist etwas mit den Kindern?

Drei Seniorinnen und Senioren erzählen in der PI Burgdorf, wie sie Trickbetrügern NICHT auf den Leim gegangen sind. Editha Hoppe, Gerda B., Foto: Samantha Franson Quelle: SAMANTHA_FRANSON

Der Mann sagte, es wären rumänische Einbrecher in meiner Nachbarschaft unterwegs. Er forderte mich auf, zu gucken, ob alle Türen und Fenster geschlossen sind. Ich sagte ihm, die seien um diese Zeit immer verschlossen. Der Mann erzählte dann, einer der Einbrecher sei festgenommen worden. Bei ihm habe man eine Liste mit Namen gefunden – meiner stünde auch darauf. Ich habe mir das angehört und wurde immer aufgeregter.

Er hat mir dann gesagt, dass ich meinen Schmuck verstecken soll. Mir kam das komisch vor. Ich habe ihn dann aufgefordert, dass er mir seine Nummer geben soll – es war eine Nummer aus Braunschweig. Ich habe dann aufgelegt und die Polizei in Burgdorf angerufen.“

Alles richtig gemacht, meint Hauptkommissar Bollbach. „Wenn sich Menschen bei uns melden und sagen ,ich habe es bemerkt‘ – das freut uns dann.“

Skeptisch gemacht hat Editha Hoppe die Frage nach dem Schmuck und ob die Fenster geschlossen sind. „Das kann doch nicht echt sein“, habe ich da gedacht. Heute ärgere ich mich, dass ich mir das so lange angehört habe – es ist noch mal gutgegangen.“

Ein Herr aus Hänigsen:

„Es war Anfang Januar, der 6. oder der 7. Ein Mann meldete sich am Telefon: ,Hier ist die Polizei aus Hannover.‘ Ich habe auf dem Display meines Telefons eine fremde Telefonnummer gesehen, die jedenfalls nicht aus Hannover war. Ich schaue immer auf das Display, wer mich anruft. Es ist eine Gewohnheit. Wenn ich die Nummer nicht kenne, melde ich mich nicht mit Namen, das mache ich nur, wenn Freunde oder Bekannte anrufen.

Die Nummer jedenfalls kam mir komisch vor. ,Warum senden Sie den eine falsche Nummer, wenn Sie aus Hannover anrufen?‘, habe ich gefragt. Da fing er schon an zu stottern. Ich habe dann gesagt: ,Das ist nicht seriös. Wir beenden das Gespräch jetzt‘ und habe aufgelegt. Das war es schon. Ein paar Tage später bin ich dann zur Polizei.“

Es war das erste mal, dass der Mann aus Hänigsen bei Uetze, der seinen Namen nicht nennen will, einen solchen Anruf bekam. Alles richtig gemacht, sagt auch in diesem Fall Hauptkommissar Bollbach. „Dass der Anrufer seine Nummer nicht verschleiert hat – das war fast unprofessionell.“ Doch selten stellten sich die Täter so ungeschickt an. Technisch sei es möglich, einen Anruf aus einem Callcenter im Ausland mit einer hannoverschen Nummer abzusetzen.

Gerda B. aus Burgdorf:

Anrufe von Trickbetrügern hat Gerda B. schon häufiger bekommen – „immer morgens, wenn ich frühstücke“. Zum Beispiel wollte einmal eine angeblich Nichte schnell Geld, 10.000 Euro für ein Auto. „Die Stimme kam mir komisch vor. Ich habe dann aufgelegt.“

Drei Seniorinnen und Senioren erzählen in der PI Burgdorf, wie sie Trickbetrügern NICHT auf den Leim gegangen sind. Gerda B., Foto: Samantha Franson Quelle: SAMANTHA_FRANSON

„Zuletzt haben häufiger angebliche Polizisten angerufen, so auch Anfang Januar. Man habe einen Einbrecher festgenommen. Der habe ein Papier dabei gehabt, darauf habe auch mein Name mit meiner Adresse gestanden. Mein Geld, hieß es, sei auf der Bank nicht mehr sicher. Ich solle es abheben, ein Beamter werde es dann abholen.

Was mich aufmerksam gemacht hat: Der Anrufer hatte eine unterdrückte Nummer. Außerdem wusste ich, dass die Polizei am Telefon nicht nach Wertsachen fragt. Ich habe dann aufgelegt und die Polizei informiert.“

Auflegen war auch in diesem Fall die richtige Reaktion, sagt Hauptkommissar Bollbach. „Die Täter versuchen Zeitdruck aufzubauen: ,Ich brauche das Geld jetzt. Die haben Mittelsmänner vor Ort. Wenn man den Eindruck hinterlässt, dass man mitmacht, rufen sie über Tage immer wieder an.“

Die neueste Masche laut Bollbach: „Die Täter haben es auf den Inhalt von Sparfächern abgesehen. Das ist noch einfacher, weil kein Bankmitarbeiter wie bei einer Abhebung dazwischen ist und im besten Fall Fragen stellt, wenn jemand eine höhere Summe abhebt. „Ich bin gespannt, welcher Trick als nächster kommt.“

So schützen Sie sich und Ihre Angehörigen

Die Polizeidirektion Hannover hat sieben Hinweise für richtiges Verhalten bei Anrufen von falschen Polizeibeamten herausgegeben. Das sind die Empfehlungen:

Legen Sie den Hörer umgehend auf.

Rufen Sie danach umgehend selbst die Telefonnummer 110 an und melden Sie den Anruf.

Die Polizei ruft Sie niemals mit der Telefonnummer 110 an.

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.

Machen Sie am Telefon keine Angaben zu Ihren Vermögensverhältnissen, die Polizei erfragt solche Daten nie am Telefon.

Übergeben Sie niemals Ihr Vermögen an unbekannte Personen.

Erhalten Sie vermehrt solche oder andere unerwünschte Anrufe, dann beantragen Sie für sich eine neue Rufnummer und lassen diese nicht in das Telefonbuch eintragen.

Auch als Angehörige von älteren Menschen können Sie helfen, Betrug über das Telefon durch falsche Polizeibeamte zu verhindern. Wichtig ist vor allem, Ihre Angehörige zu diesem Thema zu sensibilisieren, um sie so auf eventuelle Anrufe vorzubereiten.

Treffen Sie Absprachen mit Ihren Angehörigen. Bieten Sie zum Beispiel Ihre Begleitung zur Bank an, wenn über höhere Vermögenswerte verfügt werden soll.

Von Karl Doeleke

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