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Hannover Falsche Polizisten in Hannover zu hohen Haftstrafen verurteilt
Nachrichten Hannover Falsche Polizisten in Hannover zu hohen Haftstrafen verurteilt
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18:54 03.12.2019
Die Angeklagten und ihre Verteidiger mussten nach den Plädoyers der Staatsanwaltschaft mit harten Strafen rechnen. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Der spektakuläre Prozess am Landgericht Hannover um Betrüger, die sich als falsche Polizisten ausgeben und alte Menschen um ihre Ersparnisse bringen, hat am Dienstag nach sechs Monaten ein aufsehenerregendes Ende gefunden. Sechs der sieben Angeklagten – darunter eine Frau –, wurden zu Haftstrafen zwischen drei und zehn Jahren verurteilt, nur ein Täter kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Bislang saßen nur zwei Angeklagte in U-Haft, am Ende der zweistündigen Urteilsverkündung ließ Britta Schlingmann, Vorsitzende Richterin der 12. Großen Strafkammer, noch im Saal zwei weitere der Betrüger festnehmen. Polizisten und Justizwachtmeister waren in großer Zahl vor Ort, auch, um ausgewühlte Zuschauer im Zaum zu halten – doch dazu kam es nicht.

Die echte Polizei stand mit sechs Fahrzeugen vor dem Landgericht bereit, falls es im Prozess um die falschen Polizisten zu Ausschreitungen kommen sollte. Quelle: Michael Zgoll

Die bereits vielfach vorbestraften Täter wurden wegen 22 Delikten verurteilt. Dazu zählten neben gewerbsmäßigem Betrug auch Raub sowie Einbrüche in Apotheken, Firmengebäude und Wohnungen zwischen Mai 2017 und September 2018. Der Radius der Bande reichte von Bad Münder, Hameln und Goslar bis nach Bielefeld, Berlin und Köln. Mithilfe eines aus der Türkei agierenden Hintermanns schafften es die Täter, Senioren mit stundenlangen Lügen- und Schauergeschichten um angebliche Einbrecherbanden oder diebische Bankangestellte so lange zu beschwatzen, bis diese den Pseudo-Polizisten aus Angst um ihr Vermögen all ihr Hab und Gut anvertrauten. Ein Rentner aus Herford etwa stellte ihnen Bargeld und Goldbarren im Wert von 185.000 Euro vor die Tür, eine Seniorin aus Bielefeld verlor 172.000 Euro. Das älteste Opfer, eine 94-Jährige aus Berlin, wurde aber noch rechtzeitig misstrauisch: Die Frau deponierte nur eine Tüte mit alten Klamotten vor ihrem Haus.

Urteil im Sinne der Anklage

Die Strafen, die die Kammer verhängte, entsprachen in etwa den Anträgen der Staatsanwaltschaft: Zehn Jahre Haft für Ahmad K. (23), neun für Farhad B. (35), sechseinhalb für Basim K. (33), fünfeinhalb für Ibrahim S. (30), dreieinhalb für Mesut A. (28), drei für Mirwet S. (29) und zwei Jahre auf Bewährung für Mehmed A. (30). Der Gesamtschaden, den die Bande vorwiegend durch das Abzocken der alten Leute verursachte, lag bei 520.000 Euro.

Die Richterin geißelte die Betrugstaten als „extrem perfide“. Dabei brachte die Bande einen Rollstuhlfahrer um all das Geld, das er sich für Pflege und Betreuung zurückgelegt hatte, ein anderer Rentner verlor das Ersparte zur Finanzierung seiner Beerdigung. „Sie haben Menschen um ihre Lebensleistung gebracht und ihnen wertvolle Erinnerungsstücke genommen“, sagte die Vorsitzende Richterin in Richtung der Täter. Viele Opfer kämen nicht klar mit dem Verlust, viele schämten sich schrecklich für ihre Gutgläubigkeit. „Doch nicht ein Angeklagter“, so Schlingmann, „hat sich bei einem der Opfer entschuldigt.“ Und Ibrahim S. soll vor wenigen Wochen, im laufenden Prozess, sogar eine erneute Betrugsstraftat begangen haben.

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Von Michael Zgoll

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