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Hannover Petra Bahr ist neue Landessuperintendentin
Nachrichten Hannover Petra Bahr ist neue Landessuperintendentin
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00:17 25.01.2017
Von Andreas Schinkel
Petra Bahr, promovierte Theologin und Philosophin, ist neue Landessuperintendentin. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Kirchliche Würdenträger aus dem gesamten Amtsgebiet Bahrs nahmen an dem Einführungsgottesdienst teil. Der Sprengel Hannover umfasst 550 000 Gläubige mit insgesamt 444 Pastoren und geht weit über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus. Auch prominente Politiker wohnten dem Gottesdienst bei, etwa der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Bernd Althusmann, Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) und Regionspräsident Hauke Jagau (SPD). 

Im 17. Jahrhundert sei der Amtsinhaber des Sprengel Hannover noch als "Generalissimus" bezeichnet worden, leitet Landesbischof Meister die Zeremonie ein. Zum Glück müsse Bahr jetzt nicht mit "Generalissima"angesprochen werden. Meister erwähnt, dass sich Bahr und ihr Ehemann, der Juraprofessor Hans Michael Heinig, in Hannover kennen und lieben lernten. "Hannover ist berühmt für seine Liebesballaden, etwa die von Lena und den Scorpions", sagt der Landesbischof.

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Neben solchen augenzwinkernden Bemerkungen formuliert Meister auch einen klaren Anspruch an die neue Landessuperintendentin: "Wir sind gespannt auf deine Anregungen, wie die Ausstrahlung der Kirche gestärkt werden kann."

Bahr hält nach der Zeremonie eine bemerkenswerte Predigt. Sie spricht mit klarer, lauter Stimme. In den Mittelpunkt stellt sie das Lob des Zweifels, angelehnt an eine Geschichte aus dem Johannesevangelium. Darin wird von Jesus erzählt, der das todkranke Kind eines Beamten rettet. Doch statt sich sogleich über die Rettung zu freuen, fragt der Beamte, ob die Worte Jesu und die Genesung des Kindes tatsächlich in einem ursächlichen Zusammenhang stehen.

"Ein ganz und gar fragloser Glaube ist gefährlich, er führt in den Fundamentalismus", sagt Bahr. Von einem solchen "heilsamen Zweifel" unterscheidet sie den "zynischen Zweifel", dem es nur darum gehe, Gewissheiten zu zerstören. Alles in Zweifel zu ziehen, außer der eigenen Sicht auf die Welt, darin liege eine Zumutung für die Demokratie.

Bahr hat ihr Vikariat in Berlin absolviert. Sie hat zudem eine journalistische Ausbildung genossen. Zuvor war die 50-Jährige Kulturbeauftragte der EKD. Die promovierte Theologin und Philosophin tritt in Hannover die Nachfolge von Ingrid Spieckermann an.

Andreas Schinkel 25.01.2017
22.01.2017