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Hannover 25.000 Fans auf der Plaza: Fulminanter Start in Hannovers Open-Air-Saison
Nachrichten Hannover 25.000 Fans auf der Plaza: Fulminanter Start in Hannovers Open-Air-Saison
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00:23 27.05.2019
Unverkennbare Frisur: Lenny Kravitz. Quelle: Frank Wilde
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Hannover,

20 Grad, Sonnenschein und die Aussicht auf einen Tag voller Musik: Schon um 14 Uhr strömen die ersten Fans auf die Expo-Plaza, um die Open-Air-Saison in Hannover offiziell zu eröffnet. Und da spielt dann nach den wechselhaften vergangenen Tagen sogar das Wetter mit – wenigstens zunächst.

BenjRose eröffnen Plaza Festival

Als Opener des Festivals ist BenjRose auf der Bühne. Noch nicht so populär, aber durchaus passend für so ein großes Publikum. Die Kölner um Sänger Benjamin Rose stehen immerhin schon seit zwölf Jahren gemeinsam auf der Bühne – wobei Rose ja eigentlich Niedersachse ist, wie er auf der Bühne verkündete. Und so gehen dann auch schnell Grüße an Mama und Papa raus, die es aus Osnabrück ja nicht weit nach Hannover haben.

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Rose ist der Sohn des puertorikanisch-indischen Soulsängers Randolf Rose und einer deutschen Mutter. Gitarrist Robert Schuller, Drummer Benno Müller vom Hofe, Gitarrist Alexander Auer und Bassisten Theo Fotiadis komplettieren die Rockband, die sogar schon auf dem South-by-Southwest-Festival in Austin und als Vorband für P!nk gespielt hat. Dass Rose als Teenager R  ’n’  B gemacht hat, hört man seinen aktuellen Songs an, auch wenn die bei anderen Liedern, wie „Where Do We Go“ dann wieder treibender Garagen-Rock zu hören ist. Und mit diesem Rock schaffen sie es auch zu Beginn die noch nicht ganz gefüllte Plaza zum Tanzen zu bewegen.

Die Wingenfelder-Brüder fordern: Geht wählen!

Politischer ist es mit dem zweiten Act des Tages: Wingenfelder. Für die Fury-Frontmänner Kai und Thorsten Wingenfelder ist das Konzert in Hannover ein Heimspiel. Auch wenn sie schon lange nicht mehr hier wohnen, angefangen hat ihre Karriere 1987 in der Landeshauptstadt. 2010 haben sie dann das Bandprojekt Wingenfelder aus der Taufe gehoben – seitdem sind der große und der kleine Bruder auch ganz ohne Fury unterwegs, aber nicht weniger erfolgreich. Und ihre Bekanntheit in der Heimatstadt nutzen sie direkt zum Wahlaufruf. „Das nächste Lied ist für ein Arschloch – und davon gibt es mittlerweile genug“, sagen sie und ergänzen: „Jeder, der hier ist, sollte am Sonntag wählen gehen.“ Und zwar keine Populisten, denn „nur ohne die Vollidioten“ haben Deutschland und Europa eine Chance. „Sonst wird es für uns eng“, heißt es, bevor sie „Cowboy“ anstimmen. Die Mischung aus Rock, Folk und Balladen, in denen sie vom Perfekten, vom Leben, vom Alter erzählen, kommen vor allem bei der älteren Generation im Publikum an. Besonders die Fury-Nummer zum Abschluss: „Time to Wonder“.

Lea singt „Leiser“ mit einem kleinem Fan

Dass Hannover eine Musik-Stadt ist, beweist zuvor auch Lea. Der Auftritt ist für sie ein Heimspiel – noch so eine Künstlerin, die den Durchbruch bei Youtube geschafft hat. Spätestens mit ihrem Hit „Leiser“sowie der Zusammenarbeit mit dem DJ-Duo Gestört aber Geil und dem Song „Wohin willst du“ hat die Hannoveranerin den Durchbruch geschafft. Und natürlich fordert das Publikum eben diese Lieder auch auf der Plaza ein. Fünfeinhalb Jahre hat Sängerin Lea in Hannover gelebt, studiert und hier ihren Hit „Leiser“ geschrieben. Die nachdenklichen Texte und zurückhaltenden Elektro-Elemente kommen an.

Vor allem bei einem kleinen Mädchen – das dann auf der Plaza auch gleich seinen großen Auftritt hat: Bei „Leiser“ hält Lea ihr das Mikrofon hin, und treibt dem Mädchen damit Tränen des Glücks in die Augen. Und auch eine Liebeserklärung an ihre Wahlheimat gibt es an diesem Abend. „Ich liebe Linden-Nord und vermisse Hannover sehr“, sagt Lea. Inzwischen wohnt die ­26-Jährige in Berlin. In den Song „Heimweh nach wir“ bindet sie sogleich ihre Heimat ein und macht aus dem Refrain „Heimweh nach Hannover.“ Doch neben den melancholischen aber kühlen Indie-Pop gibt es mit Lea auch Kindheitserinnerungen, als sie ein Medley aus Songs von den Backstreetboys, Spice Girls, Britney Spears und vielen weiteren Neunzigerjahre-Künstlern spielt.

Lukas Graham lieben deutsches Bier

Später gibt es dann doch ein bisschen Regen. Als die dänische Band Lukas Graham auf die Bühne kommt, geht ein heftiger Schauer über die 25 000 Zuschauer (ausverkauft!) nieder. Aber die Popfans kann das nicht verschrecken. Sie genießen die Mischung aus Soul, Funk, Hip-Hop und Pop. Sänger Lukas Forchhammer, Schlagzeuger Mark „Lovestick“ Falgren, Bassist Magnus „Magnúm“ Larsson und Keyboarder Kasper „Captain“ Daugaard bringen Hits wie „Love Someone“ und „Drunk in the Morning“. Ihren Stil bezeichnen sie selbst als Ghetto-Pop, weil er nicht so richtig poppig ist, eher Pop gemischt mit allen möglichen Black-Music-Richtungen. Dazu gibt’s nicht nur Gitarre, Bass und Schlagzeug, sondern auch Saxofon und Trompeten. Ihren Erfolg hat die Band – wie auch Lea, die vor ihnen auf der Bühne steht – Facebook und Youtube zu verdanken. Denn dort haben sich ihre ersten Songs wie „Criminal Mind“ und „Drunk in the Morning“ verbreitet.

Und Sänger Lukas Forchhammer hat eine Tradition für seine Deutschlandbesuche, wie er hinter der Bühne verrät: „Jedes Mal, wenn ich in Deutschland bin, trinke ich ein neues Bier.“ Und das beweist er dann auch auf der Bühne, wo er mit dem nicht ganz jugendfreien Ausspruch „Zur Mitte, zur ...“ dem Publikum zuprostet.

Riesen Ballons und Politik mit Rea Garvey

Um 20.15 Uhr ist es dann soweit: Rea Garvey kommt auf die Bühne. Viele Fans haben seit dem frühen Nachmittag darauf gewartet, dass der irische Sänger auftritt. Der ehemalige Frontmann der 2010 aufgelösten deutschen Band Reamonn hat einige seiner Hits im Gepäck, und bei Liedern wie „Wild Love“, der sich in Deutschland immerhin 27 Wochen in den Charts hielt, singen viele der 25.000 Besucher auf der Expo Plaza lauthals mit. Auch die, die sich nicht zu seinen Fans zählen, kennen die aktuellen Singles „Kiss Me“, „Beautiful Life“ und „Is It Love?“ zum Großteil aus dem Radio. Seit 20 Jahren steht der Ire, der ebenso lange in Deutschland lebt, schon auf der Bühne. Hierzulande kennen ihn viele aus den TV-Shows „The Voice of Germany“ und „Sing meinen Song“. Und Garveys markante Stimme, die Einflüsse aus Folk und die Refrains zum Mitsingen kommen auch an diesem Abend an.

Doch der Musiker schlägt auch politische Töne an. „Ich bin stolz auf die junge Generation“, sagt Garvey und erzählt von seiner 13-jährigen Tochter, die jeden Freitag bei Fridays for Future demonstrieren geht – bevor er dann Greta Thunberg auf den Videoleinwänden einspielen lässt. Zum Abschluss ist aber wieder der Witz dran, denn er sei – wie er selbst betont – eher der lustige Mensch. „Eigentlich wollten wir Konfetti in die Luft schießen, aber das ging nicht.“ Der Grund: Vogelschutz. Stattdessen gab es dann riesige Ballons („Die beleidigen keine Vögel und sind auch nicht zu laut für die Frösche“) und noch eine runde Rock and Roll, bevor er und seine Band die Bühne verlassen.

Lenny Kravitz rockt die Plaza

Als der Mann mit der wilden Frisur auf die Bühne tritt, ist Kreischalarm angesagt. Vor allem die weiblichen Fans schmachten ihn an, den Headliner des Abends: Lenny Krawitz. Auch wenn er mittlerweile fast 55 Jahre alt ist, scheint Krawitz in den Jahrzehnten seiner Karriere kaum gealtert. Noch immer sitzen Dreadlocks, Sonnenbrille und die braune Schlaghose mit dem Tuch in der Hintertasche – auch ein Grund, weshalb er schon oft als Hippie bezeichnet wurde – perfekt. Noch immer ist er ein Sexsymbol. Auch die markante Stimme klingt unverändert. Und auf dem Plaza Festival hat Krawitz, der natürlich mit Gitarre auf der Bühne steht, zudem noch die größten Hits aus 30 Jahren im Showbusiness dabei: „It Ain’t Over Til It’s Over“, „Are You Gonna Go My Way“, „Fly Away“, „Again“ , „American Woman“ (das in einer Reggaeversion endet und zu Bob Marleys „Get up, Stand up“ wird) und „I’ll Be Waiting“. Mehr als anderthalb Stunden lang liefert Krawitz Rock alter Schule mit einer gehörigen Portion Funk, Glam und Soul – Musik zum Wohlfühlen und Abfeiern. Für 25.000 Zuhörer auf der Expo-Plaza.

Wer spielt wann am Sonnabend bei der Starshow?

14 Uhr: Einlass

15 Uhr: Aura Dione

16 Uhr: Namika

17.10 Uhr: Alvaro Soler

18.40 Uhr: Carly Rae Jepsen

20.10 Uhr: J Balvin

22 Uhr: Die Fantastischen Vier

Mitternacht: Ende

Noch gibt es Karten für den Sonnabend. Weitere Infos zur Anfahrt und dazu, was mit aufs Festivalgelände darf, finden Sie hier

Von Lisa Malecha