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Hannover Flic Flac-Künstler setzen auf Sicherheit
Nachrichten Hannover Flic Flac-Künstler setzen auf Sicherheit
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19:53 23.11.2018
Extremsportler im Zirkuszelt: Ondrej Zaruba (li.) und Dmytro Turkeiev aus der aktuellen Flic Flac-Show auf dem Schützenplatz. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Sie gehören zu einer Flic Flac-Show wie Clowns zum klassischen Zirkus: Motorradfahrer. In der aktuellen Show namens „Farblos“ auf dem Schützenplatz fliegen kurz vor der Pause gleich mehrere Mitglieder der sogenannten Mad Flying Bikers quer durch das Zelt. Manche nehmen die Hände vom Lenkrad der Maschinen, andere steigen während des 21 Meter langen Fluges aus dem Sattel. Nach Tricks namens Backflip, Cliffhänger oder gar Dead Body landen sie krachend auf einer Rampe und bereiten die nächsten Sprünge vor. Der 26-jährige Ondrej Zaruba ist einer von ihnen. „Ich habe keine Angst, nur Respekt“, sagt Zaruba.

Für jeden Sprung braucht es volle Konzentration. Er wärmt sich auf, kontrolliert die Funktionen des Motorrades, blendet die Umgebung aus. „Man muss alles vergessen und sich komplett fokussieren“, sagt Zaruba. Der Artist begann mit fünf Jahren, sein erstes Motocross-Rennen absolvierte er mit sechs. Später wurde er in verschiedenen Klassen dreimal tschechischer Meister. Die Sprünge im Zelt sind für ihn auch heute noch etwas Besonderes. Die Enge, die Lautstärke der Motoren. Benno Kastein, der Mitbegründer und Direktor des Unternehmens, holte die Sportart einst ins Zelt. Noch immer sorgen die Sprünge für Adrenalin nicht nur bei den Fahrern selbst. Die Zuschauer haben Angst vor Unfällen der Artisten, die es tatsächlich in der Geschichte von Flic Flac auch gab. Der letzte ist drei Jahre her.

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„Trotzdem gibt es deutlich mehr Unfälle im Straßenverkehr oder im Haushalt“, sagt Dmytro Turkeiev. Auch er sorgt derzeit für Herzrasen im Showzelt. Gemeinsam mit seiner Partnerin Julia Galenchyk hängt er an den sogenannten Strapaten. Unter der Zeltdecke vollführt er kraftvolle und elegante Choreographien und scheint ständig kurz vor dem Absturz zu sein. „Wir sind Extremsportler“, sagt Turkeiev. „Entsprechend sind wir trainiert und vorbereitet.“ Natürlich gebe es Sicherheiten. Kleine Armbänder, spezielle Klebestreifen am Körper, rutschfeste Kleidung und Pulver an den Händen sorgen für den nötigen Halt bei der Luftakrobatik. „Die Zuschauer übersehen die Sicherungen, das gehört im Zirkus dazu“, sagt Turkeiev. Ein Netz haben viele Künstler trotzdem nicht. „Wir wissen was wir tun.“ Der Artist hat weltweit bei Showensembles wie beim Cirque du Soleil gearbeitet. Ein Netz würde oftmals ganze Tricks unmöglich machen. „Wir sind Künstler und pflegen einen für viele Menschen ungewöhnlichen Lebensstil. Aber ich kann nicht anders. Alles andere fände ich langweilig“, sagt der 36-Jährige.

Beide Künstler sind Väter. Auch ihre Kinder reisen mit Flic Flac. „Natürlich ist mir meine Verantwortung bewusst“, sagt Zaruba. Darum prüfe er vor jedem Auftritt Stoßdämpfer und Reifendruck des Motorrads. „Wir sind voller Konzentration und leben vom Jubel der Zuschauer“, sagt er. „Ich brauche das Adrenalin.“ Seine eineinhalbjährige Tochter möchte er später am liebsten trotzdem nicht mit dem Motorrad springen sehen. „Vielleicht gibt es da noch andere Showelemente.“

Flic Flac ist noch bis zum 9. Dezember auf dem Schützenplatz zu Gast. Die Shows laufen an allen Tagen bis auf Montag um jeweils 20 Uhr. An Donnerstagen und Wochenenden gibt es zusätzliche Shows. Karten gibt es in vier Kategorien für 24, 34, 44 oder 54 Euro.

Von Jan Sedelies