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Hannover Nackter zeigt sich in Hannover auf Schulhof
Nachrichten Hannover Nackter zeigt sich in Hannover auf Schulhof
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12:36 22.08.2019
Auf dem Schulhof des Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasiums soll sich „Ernie“ entblößt haben. Quelle: Michael Wallmüller (Archiv)
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Hannover

Eklat in der zweiten Pause an Hannovers Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium (KWR): Auf dem Schulhof hat sich ein unbekleideter Mann gezeigt. Es war kein gewöhnlicher Exhibitionistenauftritt: Es soll sich um einen 72-jährigen Mann handeln, der unter dem Namen „Ernie“ seit 40 Jahren nackt in der Öffentlichkeit posiert. Wegen seiner Fußballplatzerstürmungen nannte die „Bild“-Zeitung ihn „Deutschlands bekanntesten Flitzer“, er ließ in Gerichtsälen und Talkshows die Hosen fallen, zog 2005 in der MHH-Kantine blank und wahrscheinlich auch 2006 in Hannovers Fußgängerzone. Schulleiterin Ruth Völker nannte den Vorfall „geschmacklos und erschreckend: Massenhaft Schüler haben ihn gesehen.“

Beging „Flitzer Ernie“ in Hannover sexuellen Missbrauch von Kindern?

„Das ist für uns kein Bagatellfall“, stellt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge klar. „Sollten ihn Schüler unter 14 Jahre entblößt gesehen haben, dann handelt es sich um sexuellen Missbrauch von Kindern“, sagt Klinge: „Der Tatbestand wird mit bis zu fünf Jahre Haft, aber nicht unter drei Monate geahndet.“

Polizei befragt Schüler

Polizeisprecher André Puiu bestätigt, dass die Schulleitung am Mittwoch direkt nach dem Vorfall Alarm geschlagen habe. Die Polizei habe den Mann nicht mehr angetroffen. Jetzt werde ermittelt, was genau sich zugetragen habe. „Es geht vor allem um die Frage, welche Schüler in wahrgenommen haben.“ Dazu würden Befragungen an der Schule vorgenommen, allerdings in zivil. Weil akut keine Gefahr mehr im Verzug sei, würden die Ermittlungen einige Zeit in Anspruch nehmen.

„Kein Bagatellfall“

Menschen reagierten sehr unterschiedlich auf Exhibitionismus, sagt Oberstaatsanwalt Klinge. „Manch eine Frau zeigt so jemandem einfach einen Vogel, und dann war’s das. Aber bei anderen kann solch ein Auftritt schwere Folgen haben, weil anschließend fürchterliche Sachen im Kopf ablaufen. Es gibt immer wieder Fälle, nach denen Opfer solcher Handlungen in psychiatrische Behandlung müssen.“ Und am KWR seien schließlich wenige Tage zuvor Fünftklässler eingeschult worden.

Schulleiterin leitet Polizei Zeugenaussagen weiter

Schulleiterin Völker vermutet, dass keine Fünftklässler den Mann gesehen haben, weil sie in der Pause anderweitig beschäftigt waren. Mindestens ein Sechstklässler aber habe den entblößten Mann sehen müssen. Völker ist nach dem Vorfall durch die Klassen gegangen und hat erste Zeugenaussagen gesammelt, die sie der Polizei bereits weitergeleitet habe. „Mehrere Schüler haben glaubhaft versichert, dass sie den Mann entblößt gesehen haben.“

„Wir können und wollen das Schulgelände nicht abriegeln“

Ihrer Rekonstruktion zufolge ist der 72-Jährige von der Lüerstraße auf auf den Pausenhof gekommen. „Wir können und wollen unser Schulgelände nicht hermetisch abriegeln“, sagt sie. Man wisse, dass immer mal wieder Schulfremde aufs Grundstück kämen. „Aber dass jemand das gezielt macht, um sich zu präsentieren und zu profilieren, das ist geschmacklos und erschreckend.“

Schüler stellen Exhibitionisten zur Rede

Sie lobt die Reaktion der Schüler: Sie hätten den Exhibitionisten sehr selbstbewusst zur Rede gestellt und auf sein widerliches Verhalten angesprochen. Zeitgleich haben die Schüler die Schulleitung informiert. „Wir haben den Mann dann außerhalb des offiziellen Schulgeländes an unserem Pavillon angetroffen, wo er sich ein Eis gekauft hat und dann mit seinem Fahrrad weggefahren ist.“ Da sei er am Unterleib wieder bekleidet gewesen. Der Mann habe sich uneinsichtig gezeigt und sich „sogar damit gebrüstet, wie toll seine Aktion sei“. Bei dieser Gelegenheit habe er sich auch persönlich vorgestellt. Die Schulleiterin hat noch am gleichen Tag eine Rundmail an die Eltern geschrieben.

2005 trat „Ernie“ in der MHH auf – keine Anzeige

„Ernie“ wohnt in Bielefeld. Was den Mann antreibt, ist unklar. Seinen Körper bezeichnet der langjährige Bodybuilder als „lebendiges Kunstwerk“, rückt seine fragwürdigen Auftritte damit in die Nähe künstlerischer Events. Bei seinem Auftritt 2005 im MHH-Essensraum war er nur mit Schuhen und einer Baseballkappe bekleidet. Er verstehe seine Aktion als Protest gegen den Drogenmissbrauch in Hannover, soll er gesagt haben. Weil die MHH zwar die Polizei rief, auf eine Anzeige aber verzichtete, kam der Mann mit einer Ermahnung davon.

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