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Hannover Freimaurer feiern 300-jähriges Jubiläum
Nachrichten Hannover Freimaurer feiern 300-jähriges Jubiläum
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00:15 27.06.2017
Von Simon Benne
Festliche Feierstunde: Rund 300 Besucher erinnerten in der Neustädter Kirche an die Entstehung der Freimaurerei. Quelle: Kutter
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Hannover

Sie sehen nicht aus wie Leute, die mit sinistren Methoden die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Auch wenn Verschwörungstheoretiker das den Freimaurern immer wieder unterstellen. Rund 300 Logenbrüder sind in die Neustädter Hof- und Stadtkirche gekommen, um mit einem Festakt das 300-jährige Bestehen der modernen Freimaurerei zu feiern.

Herren in den besten Jahren sind hier nicht unterrepräsentiert, doch unter den 12 Logen, die es in Hannover gibt, sind auch zwei Frauenlogen. Inge Wendt gehört seit 2002 der Loge "Im Kreise des Granatapfels" an. Geheimniskrämerisch gehe es da nicht zu, versichert die Laatzenerin. Zweimal im Monat trifft sie sich mit 18 Schwestern zu Vorträgen und Ritualen: "Ich bin Freimaurerin geworden, um an meiner eigenen Persönlichkeit zu arbeiten", sagt sie, "und das war das beste, was ich in meinem Leben getan habe."

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Vor genau 300 Jahren gründeten Freimaurer in London die erste Großloge, um im Geiste der Aufklärung das freie Denken zu wagen. Doch die Wurzeln der Bewegung reichen viel weiter zurück: "Freimaurerei war immer", befand Lessing - und meinte damit das menschliche Streben nach Brüderlichkeit und Humanität. "Im Jahr 1717 haben diese Sehnsüchte einen Namen bekommen", sagt Altgroßmeister Jens Oberheide, der als Moderator durch den Festakt führt.

Das Ensemble Arparlando lässt gediegene Harfenklänge in die Kirche perlen, Organist Nico Miller spielt Bach. Hannover sei heute eine "Hochburg der Freimaurerei", sagt die stellvertretende Regionspräsidentin Petra Rudszuck. Hannovers älteste Loge, "Friedrich zum weißen Pferde", wurde 1746 gegründet.

In seinem Festvortrag schlägt der frühere Landtagspräsident Jürgen Gansäuer, der selbst seit langem Freimaurer ist, in der Neustädter Kirche dann einen weiten Bogen durch die Jahrhunderte. Nicht Geheimniskrämerei habe an der Wiege der Londoner Großloge Pate gestanden, sagt er: "Ihre Gründung war das Ergebnis der englischen Geschichte des 17. Jahrhunderts."

Damals hätten blutige Bürgerkriege und Kämpfe zwischen den Konfessionen das Land gesellschaftlich zerrissen: "Das Verlangen nach offenen Diskussionsrunden über politische und konfessionelle Gräben hinweg war groß." Allem Fortschritt zum Trotz gebe es heute noch Intoleranz und Egoismus, sagte Gansäuer - und forderte leidenschaftlich ein Eintreten für Freiheit und Gerechtigkeit:  "Die Verteidigung unserer Demokratie wird nicht vom Fernsehsessel aus gelingen."

Einen Anfang dazu machten die Freimaurer gleich in der Neustädter Kirche: Sie übergaben Ingeburg und Werner Mannherz, den Initiatoren des Zahnmobils, das Bedürftigen Zahnbehandlungen ermöglicht, einen Scheck über 5000 Euro.

Bärbel Hilbig 27.06.2017
Simon Benne 27.06.2017
Bärbel Hilbig 27.06.2017