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Hannover Trotz Sommerferien: Tausende Schüler demonstrieren für mehr Klimaschutz
Nachrichten Hannover Trotz Sommerferien: Tausende Schüler demonstrieren für mehr Klimaschutz
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13:37 12.07.2019
Auch in den Ferien demonstrieren die Kinder und Jugendlichen für mehr Klimaschutz. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Es sind Sommerferien – dennoch sind am Freitagnachmittag nach Schätzungen der Polizei rund 3000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Hannover für den Klimaschutz auf die Straße gegangen, die Organisatoren sprechen sogar von 5000 Teilnehmern. Von der Leibniz-Universität kam eine „Zubringerdemo“ mit Studenten zum Georgsplatz. Wegen des Protestzugs fuhr die Stadtbahnlinie 10 zeitweise durch den Tunnel zum Hauptbahnhof, der Betrieb der Stadtbahnlinie 17 wurde zwischenzeitlich eingestellt.

„Seit einem halben Jahr gehen wir auf die Straße in Deutschland, Europa und der Welt, und es hat sich nichts getan. Das kann nicht sein!“, sagt Redner Leonard Krayer von Fridays for Future Göttingen zu Beginn der Kundgebung, die mit einem Sit-in am Georgsplatz startet. Die Schüler sind jedoch auch beweglich. Zum Ruf „Hoch mit dem Klimaschutz – runter mit der Kohle“ springen sie auf und gehen in die Hocke, immer schön im Wechsel. Die erwachsenen Demonstranten halten sich dabei lieber am Rand in den Zuschauerreihen auf.

Schüler aus ganz Niedersachsen sind nach Hannover gekommen. Quelle: Rainer Dröse

Demo in der Ferienzeit: Von einem Schulstreik wie in den vergangenen Monaten kann also keine Rede sein. Die Schüler von Fridays for Future Hannover haben dennoch zu der landesweiten Demonstration aufgerufen, gekommen sind Schüler aus Uelzen, Bremen, Oldenburg, Osnabrück, Göttingen, Celle und Gifhorn. Ihre große Überschrift lautet „Der Klimawandel macht keine Ferien“. Der 17-jährige Mitorganisator Ole Moszczynski sagt: „Niedersachsen hat viele Möglichkeiten, Klimaschutz umzusetzen, nutzt diese aber nicht. Das Klimaschutzgesetz wird immer weiter herausgezögert. Wir haben aber keine Zeit mehr!“

Unterstützung von den Eltern

Das Bündnis Parents for Future, ein Zusammenschluss besorgter Eltern, hat auch Erwachsene zur Demonstration eingeladen. „Der Klimawandel ist das Thema. Die Politiker müssen dringend anfangen zu handeln“, sagt Katrin Härtel am Rande der Demo. Die 49-Jährige fürchtet die Folgen der globalen Erwärmung schon länger, hat mit ihrem Mann das Leben der Familie möglichst klimaschonend ausgerichtet – mit Passivhaus, Carsharing, Radfahren und regionaler Ernährung. Doch private Entscheidungen allein reichen nicht aus, den Klimawandel zu stoppen, davon ist die Mutter von drei Kindern überzeugt. „Ich war verzweifelt, dass nichts passiert, und bin jetzt glücklich, dass die Jugend aufsteht“, sagt Härtel, im Beruf Klimaschutzmanagerin der Stadt Springe.

Andreas Schröder ist zum ersten Mal auf einer Klimademo und hat seine Kinder Nora (6) und Aron (10) mitgebracht. „Sie sollen sehen, dass wir nicht allein sind.“ Der Bothfelder ärgert sich über die Politik. „Wir werden hingehalten. Dabei bleibt uns nicht mehr viel Zeit.“ Auch Katrin Bubenzer aus Waldheim hat ihre Tochter Karlotta (11) zur Demo mitgenommen. Sohn Levi (15) hat schon an mehreren Freitagen fürs Klima gestreikt. „Die Kinder haben absolut recht. Der Klimawandel vollzieht sich einfach viel schneller, als wir alle dachten“, sagt Katrin Bubenzer.

Auf ihren selbst gemachten Plakate gehen die Schüler das Problem oft ironisch an mit Sprüchen wie „Ich bin so wütend, ich habe sogar ein Schild gebastelt“ oder „Auf der Titanic fehlt noch die Panik“. In den Sprechchören während der Demo beteuern sie „Es gibt kein Recht auf Kohlebaggerfahren!“ oder stellen die Systemfrage: „A - anti - anticapitalista“.

Die Polizei spricht von 2000 Teilnehmern, die Organisationen sprechen von 4000. Quelle: Rainer Dröse

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Niedersachsen unterstützt die Protestaktion und fordert von der Landesregierung Taten. Die Koalition streite seit mehr als einem Jahr über ein Klimaschutzgesetz, kritisiert Axel Ebeler, stellvertretender Landesvorsitzender. Bereits neun Bundesländer haben eigene Gesetze erlassen, Niedersachsen müsse jetzt umgehend nachziehen, nur so werde die Landesregierung ihrer Verantwortung für künftige Generationen gerecht.

Von Bärbel Hilbig

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