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Hannover „Mund auf, Augen zu“: Schwertschluckerin MisSa Blue hat sich nur einmal geschnitten
Nachrichten Hannover „Mund auf, Augen zu“: Schwertschluckerin MisSa Blue hat sich nur einmal geschnitten
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18:30 26.08.2019
„Man muss die Angst vorm Sterben überwinden“: Schwertschluckerin MisSa Blue – und ein Röntgenbild mit Schwert in der Kehle. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Es sieht so einfach aus. Wenn MisSa es tut. Und bei MisSa sollte es auch bleiben. Selten ist der Hinweis, es bitte zu Hause nicht nachzumachen, so wichtig wie bei dieser Kunst.

MisSa Blue schluckt Schwerter. Eins steckt gerade in ihrem Hals und lässt nur den kunstvoll gearbeiteten Griff herausgucken. Die Künstlerin hat es einmal kurz angeleckt, den Kopf in den Nacken gelegt und dann: rein damit. Geräuschfrei, zügig und offensichtlich reibungslos. Kurze „Tadaa“-Pose, dann zieht sie die Waffe wieder raus und lacht ihr breitestes Lachen. Wie gesagt: Nicht nachmachen.

Die Suche nach einer Herausforderung

MisSa Blue spielt derzeit in der GOP-Show „Freaks“ , die an die Schaubudenzeit auf Rummelplätzen erinnern soll. Skurrile Typen, schräge Auftritte. Eine Schwertschluckerin passt da gut rein, sie ist die erste überhaupt im GOP.

Hätte es nicht etwas Ungefährlicheres sein können? „Ich fand das sehr spannend“, sagt die in Hamburg aufgewachsene Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers. „Ich bin als Künstlerin im Cabaret groß geworden. Irgendwann wollte ich auf größere Bühnen kommen. Ich wollte was Gefährliches machen, was mich herausfordert.“

Da lebte sie schon in England, war in die Londoner Künstlerszene eingetaucht und kam über das Feuerspucken mit Anfang 30 zum Schwertschlucken. Eine Spätzünderin. Denn die Faszination für die künstlerisch-schräge Nachtschwärmerszene hatte sie schon als Teenie. „Der Hamburger Kiez hat mich immer angezogen“, sagt sie.

Als Teenie Türsteherin im Mojo-Club

Mit 17 war sie Türsteherin im legendären Hamburger Mojo-Club an der Reeperbahn und verweigerte gelegentlich auch deutlich älteren Eintrittswilligen den Zutritt. Dann legte sie in kleinen Clubs Hip-Hop auf, „ganz schlecht, aber es war trotzdem cool“.

Mit Mitte 20 ging sie nach Thailand, machte eine Yoga-Ausbildung und lebte vom Unterricht. „Irgendwann stand ich vor einer Gruppe und dachte: So will ich nicht alt werden.“

So geht Schwertschlucken: MisSa im Video:

Burlesquetänzerin in London

Nach zwei weiteren Jahren in Hamburg bin ich „mit einem Koffer und 2000 Euro in der Tasche in die Londoner Clubszene abgetaucht“. Party machen, tanzen gehen – und über diesem Weg Kontakt zur Performanceszene bekommen – so der Plan. Er ging auf. Zwischen Literaten, Musikern, Fetisch und Aktionskunst fand sie ihren Platz und Anerkennung – als Burlesquetänzerin und mit kleinen Performances.

Das Schwertschlucken hat sie sich selbst beigebracht. „Das kann man nicht in der Zirkusschule lernen. Ich habe mir viel bei Kollegen abgeguckt und sehr, sehr viel geübt. Learning by doing. Mund auf, Augen zu, so ist es eigentlich.“ Missa machte eine Mentorin in New York ausfindig, die ihr erste Schritte beibrachte. Sie ließ sich ein Schwert anfertigen und übte jeden Tag, „anfangs unter der Dusche, weil meine Mitbewohnerin das so eklig fand“.

Drei Löcher in der Speiseröhre

Richtig verletzt hat sie sich aber nur einmal – in London. „Ich hab mir vor 400 Leuten drei Löcher in die Speiseröhre geschnitten.“ Doch anstatt sofort abzubrechen und sich vom Notarzt abholen zu lassen, habe sie noch Feuer gespuckt und sei nach der Show zu Fuß zum Krankenhaus gelaufen. „Mein Chef ist mitgekommen, um in der Notaufnahme zu erklären, dass ich keine Verrückte bin, die irgendwas eingeworfen hatte.“

Beständiger Grundoptimismus

Zwei Wochen blieb sie im Hospital, aber der Vorfall habe ihr eher die Angst genommen, als dass er sie verstärkt habe. „Man muss die Angst vorm Sterben überwinden. Es kann passieren, aber nicht zwangsläufig, wenn was schief geht.“ Das alles erzählt sie bei aller Ernsthaftigkeit mit einem beständigen Grundoptimismus. Wie jemand, der sein Ding gefunden hat.

„Das kann man nicht in der Zirkusschule lernen Quelle: privat

Um solche und andere Erfahrungen zu teilen, tauscht sie sich mit anderen Frauen über Facebook aus, in der „secret society of female sword swallowers“, von denen es etwa 50 weltweit gibt. Während in der Männerszene eher Konkurrenz dominiere, helfe man sich hier gegenseitig.

Auch Sexismus, Rassismus oder Diskriminierung seien Themen, mit denen man sich in der Szene befassen müsse. „Ich habe da auch schon einiges erlebt“, sagt MisSa, „aber ich lasse mich nicht davon beeindrucken. Ich mache mein Ding.“

Die „Freaks“ sind bis zum 1. September im GOP zu sehen. Tickets gibt es hier.

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