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Hannover Weniger Videoüberwachung: Ist die A2 zu voll zum Kontrollieren?
Nachrichten Hannover Weniger Videoüberwachung: Ist die A2 zu voll zum Kontrollieren?
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10:17 02.08.2019
Das Innenministerium hat die Zahl der Polizei-Videowagen deutlich reduziert. Entlang der A  2 gibt es nur noch zwei statt ehemals sechs. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover/Oldenburg

Die A 2 ist laut Unfallstatistik die gefährlichste Autobahn Niedersachsens – die Zahl der Verkehrstoten hat sich in nur einem Jahr mehr als verdoppelt. Und trotzdem hat das Innenministerium die Videowagen im Kampf gegen Drängler und Raser drastisch von sechs auf zwei reduziert.

Die Polizeidirektion Hannover, die für einen Großteil der 157 Kilometer zuständig ist, verfügt wie auch Braunschweig nur noch über ein Fahrzeug. Und selbst beim Test neuer Videobusse, die abgelenkte Lkw-Fahrer auf frischer Tat überführen sollen, hat Hannover das Nachsehen – obwohl auch da die A 2 besonders betroffen ist.

Auf der A 2 zwischen Bad Eilsen und Helmstedt kamen 2018 insgesamt 24 Menschen ums Leben (2017: 11) – fast die Hälfte der landesweit 59 Autobahntoten. Allein die Polizei Hannover verzeichnete 2018 in ihrem Zuständigkeitsbereich der A  2 insgesamt 13 Verkehrstote (2017: 3). Elf von ihnen starben bei Unfällen mit Lkw-Beteiligung, bei neun davon waren Fernfahrer sogar die Verursacher. Erst am Donnerstagabend gab es auf der A2 wieder einen schweren Verkehrsunfall.

Noch im März gab die Behörde daher bekannt, die Sicherheitsarbeit auf der Autobahn bilde weiterhin eine Schwerpunktaufgabe.

Mobile Blitzer „deutlich effektiver“

Auf HAZ-Anfrage teilt das Innenministerium nun aber mit, die Reduzierung der Videowagen sei „unter Berücksichtigung technischer, taktischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen“ getroffen worden. Bedeutet: Die Fahrzeuge seien längst nicht mehr das Mittel der Wahl auf den Autobahnen, inzwischen sind mobile Blitzer oder Abstandsmesser laut Ministeriumssprecher Werner Steuer „deutlich effektiver“. Die Videowagen wurden Anfang der Neunzigerjahre beschafft, als noch nicht so viel Verkehr auf der Autobahn war.

Mittlerweile sei die Situation eine andere: „Der Verkehr ist dichter geworden, und vielfach sind die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten nicht nur den Straßenverhältnissen, sondern auch dem Unfalllagebild angepasst worden“, sagt Steuer. Hinzu kämen die vielen Baustellen. Videowagen müssen Raser und Drängler aber eine gewisse Zeit lang ungehindert verfolgen und filmen können – eine Schwierigkeit bei den vielen Störfaktoren. So sank die Zahl der ertappten Verkehrssünder zuletzt trotz gestiegener Einsätze.

Videobusse filmen in Lkw-Führerhaus

Eine weitere mögliche Variante der modernen Verkehrsüberwachung könnten Videobusse sein, wie sie derzeit von der Polizeidirektion Oldenburg getestet werden. Wie auch in der Region Hannover gibt es dort zahlreiche schwere Autobahnunfälle, weil Lkw-Fahrer abgelenkt sind und Stauenden übersehen. Der Probebetrieb mit dem Videobus läuft seit Februar: „Mit durchweg positiver Resonanz“, sagt Direktionssprecherin Uta-Masami Bley. Bis Anfang Juli stellten die Oldenburger bereits 1100 Verstöße bei Fernfahrern fest.

Mit dem Videobus kann die Polizei Oldenburg "auf Augenhöhe" in die Führerkabinen der Lkw filmen. So kontrollieren die Beamten, ob die Fahrer abgelenkt sind. Auf einem Tablet ist das Livematerial zu sehen. Quelle: Polizei

Der VW-Bus ist eine Eigenkreation der Autobahnpolizei Langwedel: Die Beamten haben auf dem Dach eine kleine Kamera versteckt, die direkt in die Führerhäuser filmt, wenn der Wagen neben dem Lastwagen fährt. Auf einem Tablet sehen die Beamten dann die Livebilder. „Durch die erhöhte Sitzposition der Lkw-Fahrer ist es normalerweise schwierig, eine beweissichere Ahndung durchzuführen“, sagt Bley.

Die Fernfahrer lesen Kurznachrichten oder schauen mitunter sogar Filme auf ihren Handys, ohne auf den Straßenverkehr zu achten. Mit der neuen Technik werde das Vergehen jetzt nicht nur dokumentiert, dem Fahrer könne sein gefährliches Verhalten auch gleich vor Augen geführt werden.

Polizei Hannover: „Ablenkung zunehmend ein Problem“

Die Polizeidirektion Hannover beobachtet den Test mit Interesse und steht mit den Kollegen im Nordwesten in Kontakt. „Auch bei uns auf den Autobahnen wird das Thema Ablenkung zunehmend zum Problem“, sagt Sprecherin Isabel Christian.

Nach vorläufiger Zählung stellten die Beamten hier in der ersten Jahreshälfte 266 Verstöße von abgelenkten Fernfahrern fest. Bislang sind die Polizisten in ihren deutlich niedrigeren Streifenwagen darauf angewiesen, Hinweise wie beispielsweise Schlangenlinien zu erkennen.

Wie es mit den Videobussen weitergeht, ist allerdings offen. Das Innenministerium hat die Polizei Oldenburg und die Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen beauftragt, ein Konzept für den Einsatz der Fahrzeuge zu erstellen. Der Testbetrieb soll die Praxistauglichkeit und Handhabbarkeit der Technik bestätigen. Ministeriumssprecher Steuer: „Sobald das Konzept vorliegt, ist der Einsatz in ganz Niedersachsen möglich.“

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Von Peer Hellerling

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