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Hannover Die meisten Städte in der Region wollen den Genderstern nicht
Nachrichten Hannover Die meisten Städte in der Region wollen den Genderstern nicht
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00:18 03.02.2019
Der Stern des Anstoßes: Burgwedel führte die Schreibweise mit dem Gender-Sternchen bereits vor zwei Jahren ein – und dort staunt man über die Debatte in Hannover. Quelle: privat
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Hannover

Die Stadt Hannover führt eine möglichst neutrale Sprache ein, die Männer, Frauen und das sogenannte Dritte Geschlecht umfassen soll – inklusive Genderstern (Bürger*innen). Die Regionsverwaltung lehnt das ab. Und einer Umfrage der HAZ zufolge wird auch die Mehrheit 20 Umlandkommunen das Gendersternchen meiden. In Laatzen und Neustadt allerdings diskutieren die Verwaltungen mit den Mitarbeitern, wie eine diskriminierungsfreie Sprache umgesetzt werden kann, in Hemmingen und Sehnde steht das bevor. Und überraschend: Burgwedel sammelt schon seit zwei Jahren Erfahrungen mit dem Genderstern, in Burgdorf benutzen Dezernenten es bereits gelegentlich, in Uetze auch. Eine Übersicht.

Wer gendert wie in der Region Hannover?

Langenhagen: Die Verwaltung will weiterhin möglichst neutrale Begriffe wählen. Bürgermeister Mirco Heuer bittet seine Mitarbeiter, dass „unsere Anreden auch ohne den sogenannten Genderstern für alle offen bleiben“.

Isernhagen: Die Kommune plant aktuell keine Neuerungen bei der Sprache. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Stelle eines Gleichstellungsbeauftragten derzeit vakant ist. Sie soll im März neu besetzt werden.

Wedemark: Man wolle „sprachliche Diskriminierung vermeiden, aber im Sprachgebrauch verständlich bleiben“, heißt es im Wedemärker Rathaus. Das Dritte Geschlecht werde derzeit nicht genannt – man schaue, ob man „irgendwann den Sprachgebrauch anpasst“.

Burgwedel: Die Komme im Norden nutzt das Gendersternchen schon seit zwei Jahren in Wort und Schrift – ohne, dass es Aufregung darum gegeben hat. Die Gleichstellungsbeauftragte Ilinda Bendler hatte damals Bürgermeister Axel Düker davon überzeugt. Alle Rathausmitarbeiter haben einen Leitfaden, die Umsetzung habe gut geklappt, heißt es im Rathaus. Die Aufregung um Hannover verstehe man nicht.

Burgdorf: „Bei öffentlichen Ausschreibungen verwenden wir das Gendersternchen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Petra Pape. Auch einige Führungskräfte nutzten das für viele noch ungewohnte Zeichen bereits, wenn sie Drucksachen erstellen. „Deshalb sehen es die Politiker immer mal wieder“, sagt Pape, nach deren Angaben sich die Verwaltung in Burgdorf bereits seit Jahren für eine gleichberechtigte Sprache einsetzt und dafür Informationsveranstaltungen organisiert. Weil sie durchaus ein Bewusstsein für die Thematik erkenne, sehe sie derzeit keinen Bedarf, die Regelung zu überarbeiten und eine neue Dienstanweisung zu erlassen.

Lehrte: Der Bürgermeister Klaus Sidortschuk hat entschieden, dass das Gendersternchen auch künftig nicht benutzt wird. In offiziellen Schreiben wird bereits seit Jahren die männliche und die weibliche Form gleichberechtigt genutzt.

Sehnde: Die Stadt nutzt seit langer Zeit des sogenannte Binnen-I. Das ist offiziell in der verwaltungsinternen „Corporate-Design-and-Identity-Richtlinie“ so festgelegt. Weil es beim Sternchen aber um das „dritte Geschlecht“ geht, wird die Sache in der kommenden Woche Gegenstand des Gesprächs in einer Arbeitsgruppe sein. Dort wird überlegt, ob man was an der bisherigen Schreibweise ändert – und wenn ja, was.

Uetze: Auf vielfältige Weise werde hier mit den Geschlechtern umgegangen, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Luisa Arndt. Das Gendersternchen finde offiziell noch keine Verwendung, halte aber immer mehr Einzug in Mailverkehr und auch schon in Ratsvorlagen. Die Umstellung sei aber „ein ruhiger und eher verhaltener Prozess“.

Laatzen: Im Rathaus Laatzen soll bis März eine Handlungsempfehlung für den Umgang mit den Geschlechtern erarbeitet werden. Bürgermeister Jürgen Köhne sagt, der Umgang mit dem Dritten Geschlecht sei so ungewohnt, wie es vor 30 Jahren die Einführung der gleichberechtigten Darstellung von männlich und weiblich gewesen sei. Gleichstellungsbeauftragte Nicole Heydrych sagt, der Genderstern sei nur eine von mehreren Optionen.

Hemmingen: Die Kommune im Süden will sich dem Genderstern ausdrücklich nicht verschließen. Sprache sei in ständigem Fluss, sagt Bürgermeister Claus Schacht. Bevor aber die Verwaltungssprache umgestellt werde, wolle man zunächst einen Diskussionsprozess anschieben.

Pattensen: Unter Bürgermeisterin Ramona Schumann kommt das Gendersternchen derzeit nicht zur Anwendung. Man bemühe sich aber seit einigen Jahren um eine Sprache, die allen Geschlechtern gerecht wird, heißt es im Rathaus.

Ronnenberg: Das Rathaus in Ronnenberg will keine explizit gendergerechte Sprache einführen.

Gehrden: Dem hannoverschen Beispiel will auch Gehrden nicht folgen. Es gebe derzeit eine Vielzahl wichtigerer Aufgaben wie Schulneubauten oder Sportflächenplanung, heißt es im Rathaus.

Wennigsen: Das Rathaus in Wennigsen will keine explizit gendergerechte Sprache einführen.

Barsinghausen: Die Deisterstadt verwendet weder das Sternchen noch das große I, sondern schreibt laut Bürgermeister Lahmann männliche und weibliche Form weiterhin aus – wie es schon lange praktiziert werde.

Springe: In Springe sagt Bürgermeister Christian Springfeld, die Verwaltung versuche, stets Männer und Frauen gleichermaßen anzusprechen. So verwende die Verwaltung entweder beide Formen („Liebe Springerinnen und Springer“) oder neutrale Formen („Liebe Mitarbeitende“). Springes Gleichstellungsbeauftragte Lena Rödiger begrüßt den Vorstoß der Stadt Hannover aber ausdrücklich als „mutiges Signal“.

Seelze: Eine Einführung des Gendersterns in der Verwaltungssprache ist seitens der Stadt Seelze nicht geplant. Grundsätzlich achten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Seelze aber unter anderem bei Anschreiben und Veröffentlichungen auf eine geschlechtergerechte Sprache, indem sie die Begriffe für beide Geschlechter (etwa Bürgerinnen und Bürger, Wählerinnen und Wähler, Seelzerinnen und Seelzer) verwenden.

Garbsen: Bei der Stadt Garbsen gibt es keine Bestrebung, den Genderstern in der Verwaltungssprache einzuführen“, heißt es aus dem Rathaus. Die Stadt begrüße es grundsätzlich eine geschlechtergerechte Sprache. „Darum ist es hier gängige Praxis, beispielsweise bei Begrüßungsformeln die weibliche und die männliche Form zu benutzen.“

Wunstorf: Wo es möglich ist, verwendet die Stadtverwaltung in ihrer Korrespondenz schon jetzt einen neutralen Schreibstil. So heißt es beispielsweise „Vertretung der Sparkasse“ statt Vertreterinnen und Vertreter. Damit solle die Lesbarkeit erhöht werden, weitere Formulierungen könnten folgen.

Neustadt: Die Stadt Neustadt am Rübenberge verwendet kein Gendersternchen. Bislang wurde die weibliche und männliche Form gleichberechtigt nebeneinander verwendet. Eine Ausnahme bilden die Stellenausschreibungen, die bereits explizit auf alle drei Geschlechter hinweisen. Aktuell wird ein Leitfaden zur diskriminierungsfreien Sprache für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt vorbereitet. Welche Schreibweise für eine geschlechtergerechte Sprache darin empfohlen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Derzeit finden dazu Gespräche statt, um den Beschäftigten die Möglichkeit zu geben, über die abschließenden Empfehlungen mitzuentscheiden.

Von Lokalredaktion

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