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Hannover Das denken die HAZ-Leser über das „Gender-Sternchen“ in Hannover
Nachrichten Hannover Das denken die HAZ-Leser über das „Gender-Sternchen“ in Hannover
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12:40 30.01.2019
Hannover hat einen Flyer «Empfehlungen für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache» herausgegeben. Quelle: dpa
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Hannover

Hannovers Stadtverwaltung gibt eine neue „Empfehlung für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache“ heraus. Ein sogenannter Gender-Star (englisch für Geschlechts-Sternchen) solle der Vielzahl geschlechtlicher Identitäten Rechnung tragen, also auch die Menschen miteinbeziehen, die sich weder als Frau noch als Mann identifizieren. In Hannover wird das Thema kontrovers diskutiert, zuletzt meldete sich sogar Niedersachsens Ministerpräsident kritisch zu Wort. Auch die HAZ-Leser treibt das Thema um – hier lesen Sie eine Auswahl von Zuschriften und Kommentaren, die bei uns eingegangen sind:

Spott und Bedauern

Die Nachrichten über Hannovers Sprachkünste sorgen international für Spott und für Bedauern. Spott gegenüber den Sprachkünstlern. Bedauern gegenüber der Bevölkerung. Denn die Stadtverwaltenden haben die Schöpfung überwunden, Gratulation. Die Mutter ist weg. Der Vater ist weg. Die Tochter ist weg. Der Sohn ist weg. Jetzt muss nur noch die SPD weg, und dann haben wir es geschafft. (Rainer Küper, Hannover)

Im geschriebenen Wort sichtbar machen

Wieso die ganze Aufregung um das Sternchen? Keine Anglizismen, keine Jugendsprache sorgen für so viel Widerstand (vor allem unter den männlichen Mitmenschen) wie Versuche, Frauen* und andere soziale Geschlechter und Geschlechtsidentitäten endlich auch im geschriebenen Wort sichtbar zu machen. Ich finde die Initiative der Stadtverwaltung unterstützenswert. Beim Sprechen oder Lesen entstehen in unseren Köpfen sofort Bilder. Versuchen Sie es: Denken Sie an einen Feuerwehrmann, Piloten, Polizisten – welches Geschlecht haben die Personen vor Ihrem inneren Auge? Ich möchte nicht immer nur mitgemeint sein, dann doch lieber nach den Sternen greifen. (Barbara Felten, Hannover)

Vom Genderwahn beseelt

Eine kleine Gruppe vom Genderwahn beseelter Aktivistinnen hat es endlich geschafft, Hannover in die Schlagzeilen und gleichzeitig das Ansehen der Stadt in den Keller zu bringen. Das kommt davon, wenn ein Oberbürgermeister seit Monaten eher mit sich selbst beschäftigt ist, als sich darum zu kümmern, was sein Personal in dieser Zeit an Unsinn ausheckt. Jetzt müssen die Vernünftigen im Rat diesem Unfug schnellstens ein Ende bereiten. (Günther Gerding, Hannover)

Das Faltblatt im Original

Wenn möglich, sollen Formulierungen wie „Redepult“ statt „Rednerpult“ oder „Teilnahmeliste“ statt „Teilnehmerliste“ verwendet werden, heißt es in der neuen Broschüre. Gibt es keine Alternative, wird der Genderstern empfohlen - zum Beispiel der*die Ingenieur*in.

Die in Hannover ab sofort gültigen Regeln und Beispiele stehen als Faltblatt und hier zum Herunterladen zur Verfügung.

Sprache schafft Wirklichkeit

„Ich muss heute zum Zahnarzt.“ An welche Person denken Sie, wenn Sie diesen Satz hören? Sicher sehen Sie einen Mann vor sich, denn die Mehrheit der Menschen denkt bei einem solchen Satz an einen Zahnarzt, nicht an eine Zahnärztin. Sprache schafft Wirklichkeit, und (sprachlich) korrekt und gerecht ist das nicht. Dabei sind geschlechtergerechte Formulierungen nicht so schwer: Das Rednerpult wird zum Redepult, ein Anfängerkurs kann zum Einstiegskurs werden … Wenn wir nur ein klein wenig unser Gehirn anstrengen und sprachlich kreativ sind, ist das möglich. Sie werden sehen: Übung macht den*die Meister*in! Ach ja, da ist erja, der Gender-Stern. Wer den Flyer der Stadt Hannover „Für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache“ gelesen hat, weiß, dass der Gender-Stern nur eingesetzt wird, wenn eine andere Formulierung nicht möglich ist. Also sorgen Sie sich nicht um einen Stern, der ab und an in einem Text auftauchen könnte. Denn es gibt Wichtigeres. Obwohl – ist Gerechtigkeit nicht ein gutes Ziel für eine Gesellschaft? (Andrea Görsch, Hannover)

Was soll der Humbug?

Wenn Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Schostok, sonst keine Probleme haben, können Sie sich glücklich schätzen. Was soll der Humbug? Wahrscheinlich wollte die Stadt Hannover mal mit einer Meldung in der medialen Welt erscheinen… Das ist perfekt gelungen, sonst ist alles nur sehr peinlich. (Karl-Heinz Keilholz, Berlin)

Der Ideologie behaftet

Tragisch ist, dass das Thema Gender vorrangig ideologiebehaftet und auch wohlstandsorientiert ist. Es gibt bei Weitem andere Probleme in unserem Land zu lösen oder zu minimieren, als gendergerechte Schreibweisen festzulegen, zum Beispiel gleicher Lohn für Männer und Frauen. Wie kann die Spaltung unserer Gesellschaft gemindert werden? Wie können die Gegensätze zwischen Arm und Reich verringert werden? Wie können Obdachlose durch preiswertere Unterkünfte mit kleineren Räumen im Winter geschützt werden? Wie kann mehr Sicherheit für Radfahrerin Hannover gewährleistet werden? Es ist traurig, dass hier politische Kräfte aus ideologischen Gründen tätig werden, um für die Verwaltung gendergerechte Schreibweisen zu entwickeln und normieren. Ich kenne viele Frauen, die sich nicht im Ansatz bei der normalen Schreibweise in irgendeiner Form beeinträchtigt fühlen. Durch solche „Sternchenregelungen“ wird die Politikverdrossenheit der Menschen weiter zunehmen. (Christian Winkel, Neustadt)

Zwang ändert gar nichts

Der besseren Lesbarkeit wegen bin ich für die althergebrachte Schreibweise. Diesen Rummel um eine gendergerechte Schreibweise halte ich für völlig überzogen. Wenn ein gendergerechtes Verhalten im Alltag nicht aus tiefstem Herzen kommt, ändert die aufgezwungene Schreibweise auch nichts daran. (Björn Uhlhorn, Laatzen)

Totalitärer Anspruch

Der Gattungsbegriff hat zwar durchaus ein grammatikalisches Geschlecht, inhaltlich ist er aber natürlich geschlechtsübergreifend. Sonst wäre es ja kein Gattungsbegriff. Das ist an sich nicht schwer zu verstehen. Gleichwohl steht der Gattungsbegriff schon längere Zeit im Visier der Political Correctness. Wenn nun die Stadt Hannover in einer „verbindlichen Empfehlung“ an ihre Beschäftigten vorsieht, dass Wörter wie „Bauleiter“ durch „Bauleitung“, „Wähler“ durch „Wählende“ oder „keiner“ durch „niemand“ zu ersetzen seien, könnte man dies milde lächelnd als ein Beispiel linker Spießigkeit beiseitelegen. So banal ist die Sache aber nicht. Hinter den zunehmenden Eingriffen in die Sprache steckt mehr. Mit der Sprache geben wir unsere Gedanken wieder. Wir denken in Worten. Wer die Worte verändert, will das Denken verändern. Dahinter steht letztlich dertotalitäre Anspruch, das Denken der Menschen zu kontrollieren. Unliebsame Gedanken sollen – sofern sie sich in Worten abbilden – dereinst undenkbar sei. (Burghard Gieseler, Oldenburg)

Bärendienst für Gleichstellung

Sicherlich wird es zunächst heißen: typisch Mann. Aber hat es den übertriebenen Feministinnen nicht gereicht, dass ein Mann damals das Binnen-I erfunden hat, um diese Zielgruppe lächerlich zu machen, und sicherlich bass erstaunt war, dass einige auf diesen Zug aufgesprungen sind? Dass sie damit den Gleichstellungsbemühungen einen Bärendienst (m) erwiesen haben, ist ihnen vermutlich nicht einmal bewusst. Ob Sternchen oder Binnen-I: Es verstößt gegen den jahrtausendelang geltenden Grundsatz, dass man etwas Vorgelesenes auch einwandfrei notieren kann, ohne nachfragen zu müssen, ob eventuell eine Sprachbehinderung vorliegt. Wie absurd ist es überhaupt, beispielsweise Studenten, Schüler, Zuschauer, Arbeiter, Leser, Politiker, die als geschlechtsneutral verstanden worden sind, plötzlich ausschließlich als männlich zu definieren? Die Konsequenz (w) wäre doch beispielsweise, dass in jeden Neubau (m) nur noch Wasserhennen (w!) eingebaut werden dürfen und dass jedem Fahrschulteilnehmer(m) nach erfolgreichem Abschluss (m) auch seines letzten Tests (m) für das Bewegen des Autos nur noch ein Führendenschein ausgegeben werden könnte. (Michael Schriever, Hannover)

Sprache bedeutet Veränderung

Ich bin stolz darauf, in einer Stadt zu leben, die in ihrer Sprache die gesamte Bevölkerung anspricht – und nicht nur den männlichen Teil. Noch immer sorgen strukturell verankerte Diskriminierungsmechanismen dafür, dass Frauen aufgrund von Machtungleichheiten zugunsten der Männer benachteiligt werden. Einer dieser Mechanismen ist die Sprache. Sprache bildet Realität nicht nur ab, sondern reproduziert sie. Wenn ich von Handwerkern, Lehrern oder Verkäufern erzähle, haben wir Männer vor Augen, nicht Männer und Frauen. Frauen werden unsichtbar. Diese Unsichtbarmachung ist ein aktiver Akt der Sprache – durch die Verwendung des generischen Maskulinums. Doch er kann abgeschafft und die Frauen sichtbar gemacht werden – indem ich Handwerker*innen, Lehrer*innen, Verkäufer*innen sage. Sprache beeinflusst Denken und bedeutet Veränderung – oder aber Stillstand. Der Artikel greift in seiner Argumentation daherleider viel zu kurz. Anstelle fundierter Begründungen folgen nur schwache Scheinargumente. Dass Sprache nicht der einzige Kampfplatz auf dem Weg zu tatsächlicher Gleichberechtigung ist und sein darf, ist richtig. Es ist jedoch kein Argument dafür, die Diskriminierung in der Sprache weiter zu tolerieren. Gendergerechte Sprache baut keine „sprachliche Fassade auf, hinter der man sich verstecken kann“. Abgesehen davon, dass sich auch ohne mutmaßlich verschleiernde Gendersternchen kaum etwas an den diskriminierenden Strukturen getan hat, ist gendergerechte Sprache in der Lage, den Blick auf die Thematik zu lenken. Auch das Argument, Gendern würde „die Sprache beschädigen“, ist genauso alt wie falsch. Wie der Autor selbst argumentiert, ist Sprache ein sich ständig veränderndes System aus Gesprochenem und Geschriebenem – sie ist jedoch weder anarchisch noch selbstständig. Sprache ist menschengemacht, grammatikalisch festgeschrieben und von gesellschaftlichen Verhältnissen bestimmt. Der sich gesellschaftlich ausbreitende Wunsch nach geschlechtergerechter Sprache zeigt den Wunsch nach Gleichstellung und Fortschritt gesellschaftlicher Verhältnisse. Die Sternchen-Form ist zudem grammatikalisch einfach verwendbar, lässt das Wort weiter bekannt klingen; und auch die kleine Atempause des Sterns ist keine unzumutbare Schwierigkeit, um mich als Frau und alle Menschen, die sich nicht binär definieren, mitzudenken. Es ist ein leicht einzugehender Kompromiss für ein Stück mehr Gleichstellung. (Melina Kohr, Hannover)

Ein Kommentar zum Thema

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Von red

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