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Hannover Enkel übernehmen Trattoria von Mamma Piu
Nachrichten Hannover Enkel übernehmen Trattoria von Mamma Piu
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18:03 31.05.2019
Generationsübergreifend: Joel Piu (von links), seine Mutter Eleonora, seine Oma Gabriella und sein Bruder Maurizio freuen sich, dass die Trattoria Piu in der Familie bleibt. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Sie hat ein gutes Gefühl. Auch wenn am 1. Juni für sie alles anders sein wird. Denn dann ist sie nicht mehr die Chefin des Lokals, das 40 Jahre lang ihr Lebensmittelpunkt war. Gabriella Piu, von ihren Stammgästen liebevoll Mamma Piu genannt, zieht sich aus ihrer Trattoria an der Goethestraße zurück. „Es war immer schön hier, sehr schön“, sagt sie. „Aber irgendwann reicht es eben auch.“ Sie möchte vom Leben noch etwas mehr haben als die Arbeit. Mit 69 Jahren ist das ein legitimer Wunsch. Doch ganz werden die Gäste nicht auf Mamma Piu verzichten müssen. „Ich werde hier jetzt immer essen gehen“, kündigt sie an.

Mamma Piu wohnt weiter über der Trattoria

Die Wege sind kurz. Gabriella Piu wohnt weiterhin direkt über der Trattoria. Und die neuen Betreiber des Lokals muss sie nicht erst kennenlernen: Es sind ihre beiden Enkel Maurizio (25) und Joel (22). Bleibt also alles in der Familie. Das war nie anders. Als Gabriella und ihr Mann Antonio 1978 aus Sardinien nach Hannover kamen und ein Jahr später ihren Betrieb an der Goethestraße 22 eröffneten, waren ihre Tochter Eleonora und ihr Sohn Luca im Grundschul- und Kindergartenalter. Sie wuchsen in und mit dem Laden auf, in dem anfangs nur etwas italienische Feinkost verkauft wurde, dann kam eine Espressobar dazu, und schließlich wurde eine Küche gebaut – eine der ersten Trattorien in Niedersachsen war geboren. Die Geschwister halfen dort aus, bis sich die Wege trennten. Luca ging nach Stuttgart, Eleonora nach Hamburg. Doch immer, wenn die Eltern Unterstützung brauchten, waren sie da, um mit anzupacken.

Nun ist es wieder so weit. Dieses Mal aber greift Eleonora, die in Hamburg eine Espressobar betreibt, ihren Söhnen Maurizio und Joel unter die Arme, die aus der Hansestadt nach Hannover zurückgekehrt sind. „Ich kümmere mich am Anfang um die Buchhaltung, auch die Schichtpläne habe ich überarbeitet“, sagt die 46-Jährige, die für eine Übergangszeit vor Ort bleibt. „Ich wollte Omas Trattoria am liebsten schon als kleiner Junge übernehmen“, erinnert sich Maurizio mit einem Schmunzeln. In den vergangenen vier Jahren hat er dort bereits gearbeitet. Doch von einer Übernahme des Betriebs mit zurzeit acht Angestellten war da noch nicht die Rede.

„Das hat sich so ergeben“, sagt Gabriella Piu. Ein Abschied nach genau vier Jahrzehnten – das passte. Ihr Mann Antonio ist schon vor rund zehn Jahren nach Sardinien zurückgegangen, kommt aber immer wieder zu Besuch. „Es hat ihn dorthin gezogen“, sagt seine Frau. Sie wiederum kann sich nicht vorstellen, Hannover zu verlassen. „Diese Stadt ist meine Heimat geworden.“ Aber reisen möchte sie im Ruhestand viel. Und Sprachen lernen. Französisch, Portugiesisch, Englisch – vielleicht auch ein bisschen Chinesisch. „Ich kann mir viel merken“, sagt die 69-Jährige. Bestellungen ihrer Gäste habe sie nie notiert, sondern immer alles im Kopf behalten.

Alles bleibt in der Familie

Die langen Arbeitstage, stets zehn, manchmal 16 Stunden, wurden dann aber doch zu anstrengend. Ihre Enkel wissen, worauf sie sich einlassen. „Viel Freizeit bleibt nicht“, sagt Joel. Allerdings könnten sein Bruder und er sich die Arbeit untereinander aufteilen. „Wir verstehen uns gut, das wird funktionieren.“ Mutter Eleonora kann sich da an ganz andere Szenen aus der Kindheit der beiden erinnern. „Ihr habt euch ziemlich gezofft manchmal“, sagt sie. Großmutter Gabriella jedenfalls hat „vollkommenes Vertrauen“ in ihre Enkel. Die wiederum stört es nicht, dass die Oma ein paar Etagen höher wohnt. „Wir haben schon immer engen Kontakt“, sagt Joel. Und alle sind froh, dass die Trattoria in der Familie bleibt.

Fast zur Familie gehört auch Köchin Dorota Brzóska. Die Polin bereitet seit 25 Jahren federführend die italienischen Gerichte zu, die in der Trattoria serviert werden – auch die überaus beliebte aromatisch-fruchtige Tomatensoße Sugo di pomodoro alla Gabriella, deren Rezept die Namensgeberin von ihrer Mutter übernommen hat. „Als ich noch nicht mal ein Jahr alt war, war Dorota schon bei uns“, sagt Maurizio. Jetzt ist er ihr neuer Chef.

Neue Öffnungszeiten und Cocktails

Die beiden Brüder wollen in der Trattoria nicht viel verändern. 2010 hatte Gabriella das arg in die Jahre gekommene Lokal von zwei hannoverschen Architektinnen komplett umkrempeln lassen – der schlicht-moderne Stil mit hellem Holz, viel Weiß und Grün wirkt noch immer passend. Auch die Klassiker der Speisekarte wie das Lamm nach sardischer Art, die Involtini in Weißweinsoße oder die frittierten Calamari bleiben unangetastet; bei Pizza und Pasta überwiegt weiterhin das Bewährte. Allerdings wird es künftig kein Frühstück mehr geben, dafür diverse Cocktails, zum Beispiel mit Zitronen- und Artischockenlikör. Statt von 8 bis 21 Uhr ist fortan von 11 bis 22.30 Uhr geöffnet. „Wir wollen mehr Abendgastronomie anbieten, das wünschen sich die Gäste“, erklärt Joel. Seine Großmutter sagt: „Man muss mit der Zeit gehen.“

So schmeckt es wie auf Sardinien

Sie krönt jedes Nudelgericht: Die schlichte, aber umso saftigere Tomatensoße wird in der Trattoria Piu nach einem sardischen Rezept zubereitet, das Gabriella Piu von ihrer Mutter übernommen hat. Hier verrät sie, wie die Sugo di pomodoro alla Gabriella zubereitet wird.

Zutaten für vier Personen:

600 Gramm frische Tomaten (Kirschtomaten oder San-Marzano-Tomaten)

1 Stängel glatte Petersilie

1 kleine Zwiebel

1 Knoblauchzehe

1 Stange Staudensellerie

2 Möhren

2 Esslöffel bestes Olivenöl

2 Esslöffel geriebener sardischer Pecorino

Meersalz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Die frischen Tomaten mit kochendem Wasser überbrühen, enthäuten und entkernen. Zwiebel, Möhren, Petersilie, Knoblauchzehe und Staudensellerie fein hacken. In einem breiten Topf, in der die Pasta anschließend sautiert werden kann, Olivenöl erhitzen und das Gemüse darin andünsten. Die Tomaten hinzufügen. Nach Belieben salzen und pfeffern. Eine knappe Stunde bei geringer Hitze köcheln lassen. Kurz vor dem Servieren den Pecorino und die Nudeln unterheben. Bei geschälten Tomaten im Glas verlängert sich die Kochzeit um zwei Stunden.

Von Juliane Kaune

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