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Hannover So gelingt der Generationenwechsel in einem Traditionsunternehmen
Nachrichten Hannover So gelingt der Generationenwechsel in einem Traditionsunternehmen
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00:15 12.05.2019
Immer noch ein starkes Team: Buchhändler Klaus (l.) und Dirk Eberitzsch. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Das Vertrauen muss groß und ziemlich unerschütterlich sein. Dirk Eberitzsch hatte mit 23 Jahren gerade seine Ausbildungen zum Buch- und Musikalienhändler abgeschlossen, da ließ Vater Klaus ihn bereits als Gesellschafter der Familienbuchhandlung Leuenhagen & Paris eintragen. Damit war der Grundstein für die Nachfolge gelegt, neben dem Vertrauensbeweis ging damit allerdings auch eine klare Ansage in Sachen Erwartung einher. „Es war schon früh klar, dass ich derjenige von uns drei Brüdern sein werde, der das Geschäft weiterführt.“

Der Junior ist mittlerweile seit mehr als 30 Jahren im Betrieb, die Rollen von Vater Klaus sind mit der Zeit kleiner geworden, dabei ist der bald 83-Jährige aber immer noch fast täglich anwesend. Er hat bereits von seinem Vater gelernt, dass es in einem Mehrgenerationenbetrieb weniger um das Abgeben als um das Teilen geht. „Schließlich hat auch jeder andere Schwerpunkte und Talente. Das Zusammen ist wichtig, mein Vater war ein kluger Mann.“ Klaus Eberitzsch wurde schon als Teenager in die Arbeit der väterlichen Buch- und Musikalienhandlung, die 1952 nach zwei Unterstützern des Gründers benannt wurde, miteinbezogen. „Schon mit 18 Jahren wurde ich Gesellschafter, auch mein Vater hatte Anspruch und Vertrauen.“

Wenn Klaus Eberitzsch von früher, von den Anfängen erzählt, hört Sohn Dirk geduldig zu – obwohl er die eine oder andere Anekdote sicher schon kennt. Und wenn er das Wort ergreift, schweigt der Vater. Auch wenn der Senior gerne ein paar Sprüche macht und gegenüber dem Junior ein wenig austeilt, die Generationen gehen respektvoll miteinander um. Sie fallen sich nicht ins Wort und lassen den anderen ausreden. Ein eingespieltes Team, seit mehr als drei Jahrzehnten.

Blick vom Balkon auf die Bombe

Als Dirk Eberitzsch 1964 geboren wurde, hatten die Eltern gerade das Geschäft an der Lister Meile gekauft. Hier wurde fortan nicht nur gearbeitet, sondern auch gewohnt. Die Eltern schauten vom Balkon zu, als eine Bombe auf dem Grundstück entschärft wurde, heute werden ganze Stadtteile dafür evakuiert. Zunächst wurde im Laden noch ein Reisebüro integriert, „das war praktisch, da haben wir viele Reiseführer verkauft“, sagt Klaus Eberitzsch. Schnell etablierte sich der Buchhandel im Viertel, und als Dirk Eberitzsch schließlich zeichnungsberechtigt einstieg, gab es eine klare „Gewaltenteilung“. „Ich habe mich um die Verwaltung gekümmert, Dirk um den Laden.“ Sein kluger Vater habe ihn machen lassen, dasselbe Prinzip wollte er auch gegenüber seinem Sohn walten lassen. „Und was soll ich sagen, er hat vieles in Angriff genommen, woran ich gescheitert bin. Ich habe ihm oft gesagt, das klappt eh nicht – und dann hat er es hinbekommen.“ Klaus Eberitzsch ist eindeutig stolz auf seinen Nachwuchs.

Die beiden sind sich offenbar nicht allzu oft in die Quere gekommen was das Geschäftliche betrifft. Auch als Lesende ergänzen sie sich eher, als dass sie ausfechten müssten, welche Bücher schließlich im Regal laden. „Mein Vater interessiert sich sehr für Kultur- und Zeitgeschichtliches, ich bin bei der gehobenen Belletristik und guten Krimis“, erklärt Dirk Eberitzsch. Sein Vater habe ihn meist machen lassen, auch was die vielen Lesungen betrifft, zu denen der Familienbetrieb schon etliche prominente Autoren im Geschäft begrüßen durfte. „Es war toll, dass ich hier alles selber machen konnte und kann – auch mal Segelvorträge im Audimax.“

Eigene Fehler, eigene Erfolge

Allerdings hat es das Vier-Augen-Prinzip durchaus gegeben. „Wir haben schon gegenseitig auf das geguckt, was der andere gerade plant“, meint Dirk Eberitzsch. Und der Vater ergänzt, dass der Nachwuchs sowohl die eigenen Fehler machen als auch die eigenen Lorbeeren ernten müsse. Aber ein begrenztes Risiko war dabei stets die Vorgabe beider Generationen. Die Lesungen sind heute noch das Steckenpferd von Klaus Eberitzsch. „Er organisiert nicht mehr, ab er er lässt es sich nicht nehmen, die Autoren persönlich zu begrüßen“, sagt sein Sohn. Darüber hinaus ist Eberitzsch senior noch an zwei Vormittagen im Geschäft. Er liebt seinen Laden. Weit hat er es nicht, Klaus Eberitzsch wohnt über den Buchetagen im Dachgeschoss. „Ein guter Buchhändler stirbt bei seinen Büchern.“

Das persönliche Verhältnis zu Büchern und Kunden eint die Generationen. Beide mögen schlechte Geschichten nicht zu Ende lesen und besonderen Lesestoff für ihre besonderen Kunden finden. Und die Autoren auf Lesereise sollen sich von Familie Eberitzsch in den Arm genommen fühlen. „Persönlichkeit zählt auf beiden Seiten“, betont Dirk Eberitzsch. Und Leseempfehlungen bei Leuenhagen & Paris sind natürlich auch das, was das gesamte Team gerne liest.

Vertrauen zählt

Beide Eberitzsch’ sind mit Unterstützung ihrer Väter langsam hinein gewachsen in das Geschäft. Die vierte Generation will sich an der Lister Meile allerdings noch nicht so recht ankündigen. „Die Kinder haben derzeit eher andere Pläne“, glaubt Dirk Eberitzsch. „Es ist ein Job mit vielen Vorteilen und großen Nachteilen – aber man kann etwas machen, das mit der Familie zu vereinbaren ist.“ Über die Zukunft des Buchhandels – vor allem in einem Kiez – machen sich beide keine allzu großen Sorgen. „Wir haben glücklicherweise die Preisbindung“, so Dirk Eberitzsch. Viele unterschätzen allerdings noch, was der Buchhandel alles besorgen und bestellen könne. Und Klaus Eberitzsch setzt auf seine kulturbeflissene Kundschaft. Vertrauen ist eben nicht die schlechteste Devise.

Leidenschaft für Literatur

Hermann Eberitzsch begann 1952 mit dem Handel von Büchern, Zeitschriften sowie Musikalien in der Oststadt. Stetig vergrößerte er Laden und Sortiment, es gab Briefpapier sowie Schallplatten. Als die Miete für das Geschäft, in das Sohn Klaus schon als Teenager eingestiegen ist, erhöht werden sollte, stand er Entschluss fest: Familie Eberitzsch brauchte eine eigene Immobilie für ihren Handel. Anfang der 1960er wurde an der Lister Meile gebaut, hier gründeten die Buchhändler auch einen eigenen Verlag und eröffneten ein modernes Antiquariat. Mittlerweile gibt es Tausende Titel auf mehr als 1000 Quadratmetern Fläche.

Eberitzschs entwickelten stets gemeinsam spannende Ideen. Sie gründeten einen Schallplatten- und später einen Buchverlag. Beides mit regionalen Schwerpunkten. 1973 erscheint dort die erste Glossen-Sammlung des HAZ-Redakteurs Klaus Partzsch. In dem Haus an der Lister Meile gibt es längst auch einen Veranstaltungsraum mit etwa 100 Plätzen, der jede Woche für Lesungen oder andere Veranstaltungen zum Thema Literatur genutzt wird. Dirk Eberitzsch, der 3. Mann in der Buchhändlerfamilie, sorgt dort für einen vollen Terminplan. Viele bekannte und angesehene Autoren waren und sind hier zu Gast: Richard von Weizsäcker, Ken Follett, Otto Walkes, Karl-Heinz Böhm, Franz Beckenbauer. Als Karel Gott kam, wurde sogar die Lister Meile abgesperrt – wegen hysterischer Fans. Zum „Anfassen“ kam er aber nur zu Familie Eberitzsch – ganz privat aufs heimische Sofa.

Von Susanna Bauch

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