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Hannover Wie Leibniz durch Niedersachsen reiste
Nachrichten Hannover Wie Leibniz durch Niedersachsen reiste
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00:17 02.07.2017
Von Simon Benne
Annette von Boetticher und Georg Ruppelt stellten ihr Buch in der Leibniz-Bibliothek vor. Quelle: Benne
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Hannover

Natürlich, der große Geist war weltweit vernetzt, er kannte sich aus in Wien und Paris. Doch ausgerechnet das beschauliche Engensen sollte für Gottfried Wilhelm Leibniz ein Ort des Triumphes werden. Engensen, gelegen an der Poststraße auf halbem Weg zwischen den Residenzstädten Celle und Hannover, war um 1700 ein Ort, den die Welfenherzöge gern für Verhandlungen nutzten. Und dort wurde am 12. Juli 1696 Leibniz' Ernennung zum Geheimen Justizrat bekannt gegeben - verbunden mit einer Pensionszahlung von 400 Talern.

Leibniz reiste gern. Während der 40 Jahre, die er in Hannover lebte, war er etwa zehn Jahre lang auf Achse. "Etwa 20 000 Kilometer legte er in Europa zurück - und einen guten Teil davon in Niedersachsen", sagt die Historikerin Annette von Boetticher. Gemeinsam mit dem langjährigen Bibliotheksdirektor Georg Ruppelt hat sie diese Fahrten erforscht. In der Leibniz-Bibliothek stellten sie jetzt ihr reich illustriertes Buch "Leibniz unterwegs in Niedersachsen" (Olms, 252 Seiten, 27,80 Euro) vor.

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Die beschwerlichen Fahrten mit der eigenen Kutsche oder der Reichspost waren keine Lustreisen. Es war auch nicht Leibniz' Intention, Orte wie Engensen durch die Anwesenheit seines Genies zu adeln. Im Harz kümmerte er sich um Bergbauprojekte, in Wolfenbüttel leitete er gewissermaßen im Nebenjob die berühmte Bibliothek. Im Kloster Loccum verhandelte er über eine Wiedervereinigung der Kirchen, und in Gandersheim bestaunte er die mittelalterlichen Schätze, die ein Historiker im örtlichen Archiv entdeckt hatte und die er selbst "ein baar Tage mit fleiß studiret", wie er notierte.

In ihrem kenntnisreich und gut geschriebenen Buch beschreiben die Autoren auch, wie Leibniz am 20. April 1702 nach Burgdorf kam. Dort pochte er gegenüber den Welfenherrschern auf mehr Geld für seine historischen Forschungen. Schließlich sei Pferdefutter teuer, klagte er, und schon eine Pension von 2000 Talern würde es ihm ermöglichen, viele "untersuchungen und erfindungen mitt Gottes Hulffe dermahleins zu vollenden". Doch in dieser Hinsicht blieben seine Brötchengeber meist hart. Sie wussten wohl, dass ein Leibniz mit Geld gar nicht zu bezahlen war.

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