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Hannover Protest gegen Schließungspläne des Altenheims
Nachrichten Hannover Protest gegen Schließungspläne des Altenheims
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00:16 03.02.2019
Mitarbeiter protestieren gegen die Schließung des Godehardistifts in Linden. Geschäftsführer Wolfram Rohleder (hinten, Mitte) hört sich die Argumente an. Quelle: Mario Moers
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Hannover

Die angekündigte Schließung des Seniorenheims Godehardistift in Linden wollen die Mitarbeiter nicht hinnehmen. Das haben sie am Mittwochabend in der Sitzung des Bezirksrats Linden-Limmer unübersehbar deutlich gemacht. Mit gelben Warnwesten und Protestplakaten waren knapp 20 Angestellte der Einrichtung ins Freizeitheim Linden gekommen. „Linden ohne Godi geht gar nicht“ und „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, war darauf zu lesen. Auch die Politiker des Bezirksrats setzen sich dafür ein, eine Schließung zu verhindern. Einstimmig forderten sie von Betreiber und Stadt schnellstmöglich eine Lösung, damit die 80 Bewohner des Stifts in ihrem vertrauten Zuhause bleiben können.

Wie berichtet, hat das evangelische Johannesstift mit Hauptsitz in Berlin angekündigt, das Seniorenheim zum Jahresende aufzugeben, weil das Gebäude in der Posthornstraße marode ist. Eine Sanierung sei nicht mehr möglich, begründete der Träger die Entscheidung. Den Bewohner soll bei der Suche nach neuen Pflegeplätzen geholfen werden; den 80 Mitarbeitern will das Johannesstift eine Weiterbeschäftigung in anderen Einrichtungen anbieten. Schnell wurde deutlich, dass die Pläne im Stadtteil auf großen Widerstand stoßen. Der Sohn einer Bewohnerin stellte eine Online-Petition ins Netz, die bis dato 1722 Personen unterschrieben haben.

In der Bezirksratssitzung übte auch Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube Kritik an dem Träger: „Die Aussagen und Argumente sind widersprüchlich.“ Daraufhin meldete sich in der Bürgersprechstunde der hannoversche Geschäftsführer des Johannesstifts zu Wort, der unangekündigt in die Sitzung gekommen war. Eine Sanierung im Betrieb sei faktisch ausgeschlossen, erläuterte Wolfram Rohleder. „Sie würde sich über drei bis fünf Jahre hinziehen – die baulichen Belastungen sind den Senioren nicht zumutbar.“ Zudem sei das Haus dann nicht mehr wirtschaftlich zu führen: Die Sanierungskosten lägen bei bis zu 14 Millionen Euro, während ein Neubau an anderer Stelle mit 7,65 Millionen veranschlagt sei.

Rohleder stellte klar, dass das Johannesstift ein Interesse habe, in Linden zu bleiben. „Hätten wir zügig ein Ersatzgrundstück für einen Neubau, würden wir während der Bauphase auch den Betrieb des Godehardistifts noch etwa zwei Jahre fortführen“, versprach er. Allerdings habe die Stadt auch nach längeren Verhandlungen keine geeignete Fläche zur Verfügung stellen können. Die Verwaltung wiederum hatte jüngst erklärt, das Johannesstift habe erst vor Kurzem den Wunsch nach einem neuen Standort geäußert – und zugleich Unterstützung bei der Suche zugesagt.

Krippe Junges Gemüse auch betroffen

Nicht nur die betagten Bewohner des Godehardistifts sind von den Schließungsplänen betroffen. Auch die private Kinderkrippe Junges Gemüse, die in dem Gebäude ihre Räume hat, müsste aufgeben. Seit 2013 werden dort zehn Mädchen und Jungen betreut – und der tägliche Kontakt zu den Senioren gehört zum Konzept. „Die Eltern bangen nun um die Betreuungsplätze, und unsere Mitarbeiter sorgen sich um ihre Arbeitsplätze“, sagte Leiterin Stephanie Weinke im Bezirksrat. Die Kooperation mit dem Stift funktioniere bestens; Kinder und Senioren teilten sich das große Außengelände und statteten sich gegenseitig Besuche ab. „Das ist ein wunderbarer Ort“. Bei der Gründung hätten Stadt und Land rund 100 000 Euro in die Einrichtung investiert, sagte die Leiterin. Sie appellierte an die Politiker, schnellstmöglich eine Lösung zu finden. Der Bezirksrat gab diese Forderung per Antrag an die Stadt weiter. jk

Cornelia Schweingel von der SPD warf dem Träger vor, den baulichen Zustand des Heims durch „jahrelange Verschleppung von Sanierungsmaßnahmen“ selbst zu verantworten. Daniel Gardemin, Fraktionschef der Grünen, bewertet den Zustand des Hauses weniger dramatisch. Es mache einen „ordentlichen und gepflegten Eindruck“. Gardemin mutmaßte, das Johannesstift wolle das Grundstück gewinnbringend veräußern. Ein Vorwurf, gegen den sich Geschäftsführer Rohleder verwahrte: Würde das Areal veräußert, würde der Erlös ausschließlich in einen Heimneubau oder andere Projekte des Stifts investiert, versicherte er.

Ulrich Büchler, dessen Mutter im Stift wohnt, konnte über die gegenseitigen Schuldzuweisungen nur den Kopf schüttern. „In dem Heim herrschen baulich keine menschenunwürdigen Bedingungen“, erklärte er im Bezirksrat. Stadt und Betreiber sollten einen neutralen Gutachter einsetzen, der die Lage bewerte – und dann das Haus nach Möglichkeit weiterbetreiben oder ein wohnortnahes Ersatzgrundstück bereitstellen. Geschäftsführer Rohleder erklärte, einer Begutachtung durch einen neutralen Experten werde sich das Stift nicht verschließen.

Von Juliane Kaune

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